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Green Mile, The (1999)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 05.09.2003, seitdem 498 Mal gelesen


Wieso "The Green Mile" häufig als das botschaftsbringende Meisterwerk der letzten Jahre bezeichnet wird, verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz. Sicher, der Film vertritt seine Ansichten, aber letztendlich ist er "nur" packendes und modernes (lange Rückblende!) Erzählkino der feinsten Art, obwohl nicht ganz klischeefrei.

Schon bei der Charakterzeichnung ist nämlich der Griff in die Hollywood-Klischeekiste zu erkennen: Da ist Tom Hanks als der Ober-Gute, der umringt von anderen freundlichen Gefängniswärtern ist, die allesamt gegen einen Fiesling im Trakt kämpfen, den zu piesacken es allerdings nicht ratsam ist, denn der Gouverneur, sein Onkel, hat da ein Wörtchen mitzureden. Die Häftlinge sind entweder liebenswert-verrückt, in sich gekehrt, undurchschaubar-geheimnisvoll oder gefährlich-verrückt. Auch alles schon einmal da gewesen.

Die Inszenierung richtet sich sehr nach dem Massengeschmack und das Zielpublikum wird genügend bekommen, um restlos zufrieden gestellt zu sein. Denn Frank Darabont erzählt seine Geschichte wunderbar kurzweilig, bleibt trotz des ernsten Themas niemals zu verkrampft, sondern lässt das alles fantastisch leichtfüßig erscheinen. So sind Mr. Jingle, der ausgespuckte Kuchen und andere Anekdötchen aus dem Gefängnisalltag keineswegs überflüssig, sondern lockern lediglich die Stimmung ein wenig auf, um die wirklich äußerst harten Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl erträglicher zu machen.

Trotz seltener Schauplatzwechsel fesselt "The Green Mile" an den Bildschirm. Das weitere Schicksal der Personen interessiert ungemein, obwohl sie, wie oben bereits erwähnt, etwas zu oberflächlich geraten sind. Die Schauspieler sind absolut klasse, keine Frage, aber jeder halbwegs Film-Interessierte wird nach kurzer Zeit wissen, dass Coffey unschuldig ist, dass er dennoch auf den elektrischen Stuhl muss und dass eine bestimmte Frau vorher noch geheilt wird. Oder auch, dass Percy noch seine Strafe erhält. Umso größer fällt mein Lob für Frank Darabont aus, das er es trotz mangelnder Überraschungen schafft, die Aufmerksamkeit des Zuschauers für geschlagene drei Stunden abzuverlangen.

Der Aha-Effekt zum Schluss fehlt mir dennoch, das hat "Die Verurteilten" für mich zu einem echten Gefängnis-Klassiker gemacht. "The Green Mile" trudelt schön sentimental aus und gibt einem das Gefühl, für 180 Minuten vorzüglich unterhalten worden zu sein mit allem, was für Hollywood dazugehört, inklusive Top-Star in der Hauptrolle. Wer eine ernsthaftere, aber schwerer im Magen liegende Auseinandersetzung mit der Todesstrafe sehen möchte, der ist bei "Dead Man Walking" oder "Die Zwölf Geschworenen" besser aufgehoben.


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