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Basic Instinct (1992)

Eine Kritik von Der Halunke (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 26.04.2009, seitdem 274 Mal gelesen


Mit Spoilern

Wer kennt nicht die Filme dieses irren, holländischen Einzelgängers, der mit seinen exzentrischen Visionen sogar Hollywood verführte (und zwar für einen nicht unbeträchtlichen Zeitraum)? Heute sind seine Filme anerkannte Klassiker- damals galten sie als geschmacklos, brutal, sexistisch und dumm. Tatsächlich musste Paul Verhoeven sehr viele schlechte Kritiken von ein- und denselben Puritanern ertragen, die seine Kühnheit, seine satirische Schärfe und seinen Hang zur puren Unterhaltung verachteten.
Es waren Hollywoodfilme wie „Robocop“, „Total Recall“, „Basic Instinct“, „Showgirls“, und „Starship Troopers“, die ihn berühmt und berüchtigt machten, Filme, die auch heute noch umstritten sind. Zum Beispiel ist es heute immer noch „cool“, „Showgirls“ schlecht zu machen, auch „Basic Instinct“ wird gern als „überschätzt“ bezeichnet.

„Basic Instinct“. Was soll man davon halten? Michael Douglas als abgehalfterter Cop, der den Mord an einem Rockstar untersucht. Hauptverdächtige: Sharon Stone, die natürlich auch einen Hauch lesbisch ist und sich für freie Liebe einsetzt. Und wenn sie im Verhörraum die Beine übereinander schlägt, dann fallen die Ermittler reihenweise um. Dabei verfolgt die Unglückliche ein teuflisches Spiel. Im Grunde ist von Anfang an klar, dass sie ihren Lover ermordet hat, nicht nur weil sie den Hinweis in ihrem eigenen Buch gab (sie schreibt Krimis), sondern weil es sonst keine glaubwürdigen Verdächtigen gibt. Und was ist? Am Ende war sie es (oder doch nicht?), und Michael Douglas wird für seine Leichtgläubigkeit bezahlen, hä, hä, hä.
Gut, als Krimi hat der von Joe Eszterhas geschriebene „Basic Instinct“ zu wenig drauf, ein lahmes Verwirrspiel, das weder originell noch intellektuell herausfordernd ist. Interessanter sind da eher die Machtspielchen, die Sharon Stone mit dem armen Michael treibt. Die Machtpositionen wechseln ständig, der Film lebt quasi von den Psychospielchen der beiden Hauptfiguren (und von ihren Sexszenen).
In dem Film geht es also um Sex und Macht, die beiden großen Themen des 20. Jahrhunderts. Außerdem wird angedeutet, dass wahre Lust nur im Schmerz erreicht werden kann und der ultimative Orgasmus führt zum Tod (beispielsweise durch einen Eispickel). Nicht umsonst schaut Michael Douglas nachts im Fernsehen Clive Barkers „Hellraiser“, dem es ebenso um die ultimative Lust (=Schmerz) geht.
Yeah, was für ein Film! Und kitschig ist er auch, absolut. Die Pseudokrimigeschichte (oft kopiert, und das grottenschlecht, man nehme „Body of Evidence“) macht Spaß, weil sie eben durchsichtig und dumm ist oder eben nur so scheint. Denn letztendlich ist man ja doch am Mitraten, verfolgt die roten Heringe, und lässt sich ständig verunsichern, weil die Auflösung ja so offensichtlich ist bzw. sein muss.
Douglas’ psychisch labiler, alkoholsüchtiger Charakter macht auch Spaß, eben weil Douglas dem Overacting verfällt und das Klischee des gebrochenen Polizisten bedient. Dazu die kühle, sexy Art von Sharon Stone, die ebenso anzieht wie abstößt, und natürlich die wunderbar stimmige Musik von Jerry Goldsmith, und, und, und. Hier ist alles so dick aufgetragen, dass es einfach Spaß macht, und eben das macht den Klassikerstatus des Films aus.

„Basic Instinct“ ist auf keinen Fall Verhoevens bester Film, aber man kann ihm nicht unterstellen, dass er aus dem faden Eszterhas-Stoff nicht alles rausgeholt hat. Denn das hat er allerdings!


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