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Thunder (1983)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 11.12.2003, seitdem 1883 Mal gelesen
„Thunder“ ist, ein im Fahrwasser von „Rambo“ schwimmender Rip-Off des Klassikers der, gedreht in Italien, sich mehr als nur dreist an dem Original orientiert und es fast 1:1 kopiert, ohne dabei eigene Ideen zu besitzen. Immerhin muss man Regisseur Fabrizio De Angelis bei seiner Einfallslosigkeit zu Gute halten, dass er trotz des knappen Budgets einen erfreulich kurzweiligen Actiontrash inszenierte, welcher einige nette Karambolagen zu bieten hat, oft aber auch unfreiwillig komisch wirkt.
Thunder (Mark Gregory) ist ein Indianer, der seine versprochene Frau von einem alten Mann abholen will, um mit ihr in Frieden zu leben. Leider wird er schon in der erstbesten Gelegenheit mit dem Polizisten Barry (Raimund Harmstorf) konfrontiert, der ein Auge auf ihn wirft und auch in Zukunft drangsalieren soll. Da nebenan auch noch der uralte Indianerfriedhof bebaut und entweiht (Klassisch: Bauarbeiter wollen natürlich auf die Gräber schiffen) wird und ein uralter Vertrag damit gebrochen wird, zieht es ihn in die Stadt, wo er jedoch bei Sheriff Bill Cook (Bo Svenson) kein Gehör findet und stattdessen abgeschoben wird. Den Rest kennt man von „Rambo“: Thunder wird zur Stadtgrenze (natürlich an einer Brücke ) gefahren, entschließt sich aber umzukehren, um vom Rassisten Harmstorf einen Scheitel gezogen zu bekommen. Zwischendurch wird er noch von fies aufgelegten Arbeitern verdroschen, aber schließlich ist es genug und Thunder schlägt zurück. Natürlich mit Pfeil und Bogen mitten in der Wildnis.
Man kann sich prächtig amüsieren, wenn man den Plot nicht zu ernst nimmt und den simplen Abhandlungen von „Rambo“ – Kapiteln folgt. Action gibt es zu Beginn zwar recht wenig, aber die häuft sich, sobald der Indianer auf der Flucht ist. Actionszenen werden fast ausschließlich, als hätte De Angelis zu viele Peckinpah-Filme gesehen, in Zeitlupe präsentiert. Oft merkt man ihnen aber an, dass sie woanders gedreht worden sind, so dass die Inszenierung nicht ganz so flüssig von statten geht. Bei spektakulären Stunts waren Stuntmen wohl zu teuer, so dass Puppen zum Einsatz kommen mussten. Der Blechschaden ist zur Filmmitte doch recht ordentlich und wird in netten, spektakulären Bildern, die viel B-Movie-Flair besitzen, eingefangen.
Als Gimmicks sind die durchgeknallten Ideen De Angelis anzusehen, lässt der doch mitten in der Wüste für die Cops einen großen Fernseher nebst Cafeteria aufbauen, als würde man sich auf einer Gartenparty, anstatt der Jagd befinden. Später soll Zielobjekt Thunder noch eine Bazooka in die Finger bekommen, die die gepeinigten Arbeiter aus einem riesigen Waffenlager in der Wüste holen. Vor Ort wird in der Szene sogar noch gefragt, woher das kommt. Bloß nicht darüber nachdenken. Aber das ist bei weitem noch nicht alles, denn, um seiner Rache am Kapitalismus am Ende die Krone aufzusetzen, werden mit einem schnieken Radlader, auf dessen Federsitz Thunder lustig hoch- und runterwippt, Polizeisperren durchbrochen und ein totes Schwein in der Bank abgegeben.
Schauspielerisch wird nicht geglänzt, da Mark Gregory es leider nicht versteht, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Zu wort- und emotionslos ist sein Schauspiel, als das man sich mit dem Charakter identifizieren kann. Während Bo Svenson seine Sache nur routiniert abwickelt, ist Raimund Harmstorf als bissiger Rassist, blind vor Wut, wohl das schauspielerisch Highlight – wenn wohl auch eher unfreiwillig.
Fazit:
Ok, von was man sich hier inspirieren ließ, dürfte mehr als deutlich geworden sein, so dass der Drehbuch-Oscar Fabrizio De Angelis zu Recht verweigert worden ist. Dennoch gibt es einen ordentlichen Unterhaltungsgrad und einige völlig bekloppte, komische Ideen, bei denen besonders Trashfans auf ihre Kosten kommen dürften. Die Action ist dabei ordentlich inszeniert, auch wenn die ewigen Zeitlupen (Ich versuche den Begriff „Ästhetik“ zu vermeiden) auf die Dauer nerven. Da, außer Harmstorf, schauspielerisch Ebbe im Gelände herrscht und es final doch etwas zu schnell geht, bleibt ein durchschnittliches B-Movie mit Bonus für die ausgefallenen Ideen.
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