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Gutes Jahr, Ein (2006)

Eine Kritik von TobStarr (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 09.09.2010, seitdem 208 Mal gelesen


Ein gutes Jahr = ein guter Film?

Leider nicht wirklich, den Ridley Scotts viel zu lang geratenes Selbstläuterungsmovie bietet nicht viel, außer vorhersehbaren Hollywoodkitsch vor Traumkulisse. Ordentlich inszeniert zwar, aber eben nur so aufregend und überraschungsreich, wie ein Fussballspiel zwischen Deutschland und Liechtenstein.

Max Skinner (Russel Crowe) ist das mieseste, gleichzeitig aber auch erfolgreichste Brokerarschloch von ganz London. Voll auf Gewinn fokussiert, vergisst er alles Menschliche um sich herum und bescheißt bei seinen Deals auch schon mal, ohne mit der Wimper zu zucken. Als sein Onkel Henry (Albert Finney) verstirbt, zögert Max dann auch keine Sekunde um sein Erbe, ein wunderschönes Chateaux in der Provence, möglichst schnell und gewinnbringend zu verkaufen. Um den Papierkram zu regeln, muss Max auf das Anwesen fahren. Kaum eingetroffen begegnet er alten Bekannten, werden Erinnerungen an seine Jugendzeit mit Onkel Henry wach und verliebt er sich in die schöne Französin Fanny (Marion Cotillard)...

Was folgt ist so klar wie der Dienstag nach dem Montag. Das Arschloch ist zunächst immer noch Arschloch, merkt dann aber nach und nach was die wirklichen Werte des Lebens sind und schon haben sich auch alle ganz doll lieb. Dabei wird hier sogar darauf verzichtet, den sonst so üblichen "Jetzt lassen wir den Zuschauer mal denken, alles wird doch nicht gut-Twist" kurz vor Ende einzubauen. Ohne Konflikte vom Anfang bis zum Schluss durchkomponiert. Die Angebetete will nicht mit Russel ausgehen, macht nichts, einfach mal mit nem Fläschchen Wein auf den Brunnenrand setzten und nett lächen, Sache erledigt. Das Weingut vor der Läuterung doch verkauft, macht auch nichts, einfach eine Unterschrift fälschen und auch das ist durch. Viel zu schnell wird Mäxchen dann auch zum Gutmensch. Hollywoodtypisch reicht dafür ein schickes Häuschen in der Natur und eine schöne Frau. Wer's glaubt. Trotzdem braucht der Film erstaunlich lange um zum Ende zu kommen. Und da es keine echten Höhepunkte oder Aufreger gibt, zieht sich das Ganze so doch ziemlich.

Störend auch etliche Klischees und einfache Schwarz-Weiß-Malerei. In London regnet es in jeder Szene und es gibt keinen einzigen sympathischen Charakter. Keinen einzigen. In der Provence ist dauerend Postkartenwetter (mal abgesehen von dem abendlichen Regenschauer, ohne den aber der weitere Verlauf der Romanze nicht funktionieren würde) und es gibt keinen einzigen unsympathischen Charakter (bis einer aus London kommt, aber auch der wandelt sich hier dann noch halbwegs zum guten). Keinen einzigen.
Besonders albern die Rennradfahrer, als ob alle Franzosen permanent für die Tour de France trainieren würden.
Auch wenn Max am Schluss plötzlich wie aus dem Nichts einfällt, dass er Fanny doch schon mal gesehen hat und sich dann auch noch genau an die französichen Wörter erinnern kann, die sie ihm damals ins Ohr geflüstert hat, möchte man(n) nur noch laut schreien.

Trotzdem ist der Film noch halbwegs unterhaltend geworden, was vor allem an den klasse Darstellern (vor allem Didier Bourdon, Marion Cortillard und Abbie Cornish) und einigen echt witzigen Passagen (herrlich besonders der Fred Perry vs. Rene Lacoste Dialog und das anschließende Match) liegt.
Die ganze Inszenierung ist natürlich wie von Scott gewohnt, auch aller erste Sahne. Wunderschöne Bilder, die einem sofort Lust auf Urlaub machen und Szenen wie das Fotographieren des Hauses, oder die Rückblenden in die Jugendzeit von Max sind einfach ungemein stimmungsvoll.

Insgesamt ist der Film aber besonders auf erzählerischer Ebene zu schwach. Die naiv kitschige Geschichte ist dabei noch zu verzeihen, das Fehlen echter Höhepunkte lässt die ganze Sache teilweise aber etwas langatmig werden. So sieht das Alles zwar ganz schick aus, hat aber eben den inhaltlichen Gehalt eines Luftballons. Ich werd mir jetzt jedenfalls ertstmal ne Flasche Bier aufmachen und Commando reinziehen, um von dem Süßzeug wieder etwas runterzukommen. (5/10)


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