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Hexen (1922)

Eine Kritik von Jayson (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 07.02.2006, seitdem 1020 Mal gelesen


“During the witchcraft era it was dangerous to be old and ugly, but it was not safe to be young and pretty either” (“Häxan- Witchcraft through the ages”)

Benjamin Christensen beleuchtet in seinem semi-dokumentarisch gestalteten Stummfilm „Häxan- Witchcraft through the ages“ von 1922 den Hexenkult und geht dabei speziell auf seine Verfolgung im Mittelalter ein. Da Christensens Werk nicht nur aus reiner Spielfilmhandlung besteht, beschränke ich mich zunächst auf eben diese in der folgenden kurzen Inhaltsangabe.

Die Handlung des Films setzt im Jahre 1488 ein. Der Zuschauer landet in der Hexenküche von Karna, die von einer Frau aus ihrem Dorf um Hilfe gebeten wird. Diese benötigt einen Liebestrank, um den von ihr angehimmelten Mann für sich zu gewinnen. Die Hexe erklärt sich bereit der Frau helfend unter die Arme zu greifen und ebnet durch einen ihrer Tränke den Weg. Ferner begleiten wir diese Hexe auf eine Reise in eine mystische Traumwelt, in der es vor Verlockungen und Gefahren wimmelt. Kurz danach bereits befinden wir uns am Bett eines erkrankten Buchdruckers. Für seinen Zustand werden übernatürliche Kräfte verantwortlich gemacht und so findet seine Frau bald eine Schuldige in der Bettlerin Marie. Daraufhin landet diese vor dem Hexengericht und muss einen Prozess voller Qual und Folter über sich ergehen lassen, bis sie schlussendlich ihre „Schuld“ gesteht. Dabei zieht sie noch andere Frauen mit ins Verderben, indem sie diesen unterstellt sie seien ebenfalls Hexen. Die Familie des Buchdruckers gerät dadurch in den Kreis der Verdächtigen und so muss sich auch dessen Frau dem Hexengericht stellen…

Benjamin Christensen unterteilt seinen Film „Häxan“ in sieben Kapitel, wobei jedes durch Zwischentitel abgegrenzt ist.
Das erste Kapitel bietet eine Art Einführung in die Welt der Hexen und Dämonen und konfrontiert den Zuschauer mit alten Mythen, die sich um diese Wesen ranken. Dafür werden Illustrationen aus verschiedenen Quellen abgefilmt und mit Kommentaren auf Zwischentiteln versehen. Das zweite Kapitel stellt den Anfang der Spielhandlung, wie eingangs beschrieben, dar und erstreckt sich bis ins fünfte Kapitel. Die letzten beiden Abschnitte sind wieder dokumentarisch geprägt und behandeln unter anderem die Foltermethoden der Inquisitoren. Dies bedeutet der Zuschauer bekommt einen reichlich detaillierten Einblick in die Welt der Folterinstrumente und lernt deren Gebrauchmöglichkeiten näher kennen.

Der Film entführt uns in eine Epoche vor unserer Zeit- in eine Welt, in der Magie und Zauberei das tägliche Leben bestimmten und anscheinend keiner vor Tod bringenden Verdächtigungen und übler Nachrede geschützt war. Dem Zuschauer wird ein mit Hang zum Detail ausgearbeitetes Setting präsentiert, sodass es nicht schwer fällt in diese Welt von Hexenküchen mit dampfenden Kesseln, gutbürgerlichen Stuben und exzessiven Dämonenfeiern auf dem Brocken einzutauchen. Untermalt wird die Szenerie des Films von angenehm facettenreicher Musik, die das komplette Spektrum von bedrohlichen, dramatischen bis hin zu heiteren Stücken umfasst. Dabei wirkt die Musikuntermalung niemals aufdringlich, sondern ist stets bemüht die Wirkung des Films zu unterstützen. Hier liegt dann auch der einzige Wermutstropfen, denn nicht zu jeder Zeit schafft es die Musik das Gesehene zu unterstreichen, sondern wirkt teilweise etwas fehl am Platz, was dann leider zu Lasten der Atmosphäre geht.

In optischer Hinsicht hält der Film für den geneigten Zuschauer neben dem bereits genannten Aspekt des Setdesign und der Ausstattung weitere Schmankerl bereit. Christensen spielt gekonnt mit Doppelbelichtungen und verwandelt seine Figuren auf diese Art in geheimnisvolle Schemenwesen. Diese lässt er dann für damalige Zeiten in einer spektakulären Sequenz auf Besen über eine nächtliche Dorflandschaft reiten. Auch kommen in Christensens Film Ansätze der Stopp-Motion-Technik zum Einsatz, die später durch Werke wie „King Kong“ (1933) und „Jason und die Argonauten“ berühmt wurde.
Ein weiterer Pluspunkt des Films ist die wunderbare Arbeit der Maskenbildner, die für die Gestaltung der überaus gelungenen Dämonen- und Teufelserscheinungen verantwortlich sind. Jene übernatürlichen Wesen umgibt eine mysteriöse und überaus beängstigende Aura des Schreckens, die sie mit ungeheurer Bildpräsenz zu verkörpern wissen und so für angenehm atmosphärische Momente sorgen.

Im Bezug auf die schauspielerischen Leistungen der Darsteller lässt sich nicht viel Positives oder Negatives feststellen. Fast keine der Darbietungen blieb sonderlich im Gedächtnis haften, was weder für noch sonderlich gegen die Darsteller spricht. Die einzige Ausnahme, wenn auch zugegebenermaßen durch seine Rolle bedingt, bildet der Regisseur selbst, der es sich nicht hat nehmen lassen, in seinem Werk eine tragende Rolle zu übernehmen. Als gehörnter Leibhaftiger bleibt dieser dem geneigten Zuschauer durch sein Auftreten noch lange im Gedächtnis eingebrannt und sorgt für ein willkommenes Schaudern.

„Häxan“ ist ein Film, bei dem Genrefreunde und Themeninteressierte durchaus einen Blick riskieren sollten, stellt er doch eine interessante Verquickung von Spiel- und Dokumentarfilm dar, die zu gefallen weiß.


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