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Turistas (2006)
Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 30.11.2007, seitdem 297 Mal gelesen
Genau auf solch einen Horrofilm hatte ich mal wieder gewartet. Seit "Hostel" von Eli Roth hab ich keinen so guten Film mehr in diesem Genre gesehen. Ich setzte große Hoffnungen in "Wolf Creek", doch das australische Werk genügte meinen Ansprüchen nicht. Mit "Turistas" schuf Regisseur John Stockwell ein bitterböses Filmchen und überraschte damit, denn zum Beispiel in "Into the Blue" hatte er ausser einer exotischen Optik, knapp bekleideten Frauen und gepflegter Langeweile nichts zu bieten. Eigentlich sollte Eli Roth die Regie übernehmen, doch dank dem schlechteren Sequel "Hostel 2", war er beschäftigt, so überließ man Stockwell die Umsetzung des Drehbuchs von Michael Ross, übrigens sein Erstes. Doch er konnte im Bereich Horror schon Erfahrungen sammeln, denn bei "Wrong Turn" und "2001 Maniacs" war er für den Schnitt zuständig. Unverdient floppte der Film in den amerikanischen Kinos, aus diesem Grund gab es bei uns überhaupt keine Kinoauswertung, nur eine Direct To DVD Auswertung in der R-Rated Fassung.
Durch ein Busunglück mitten im brasilianischen Dschungel, geraten ein paar junge Rucksacktouristen (Josh Duhamel, Melissa George, Olivia Wilde u.a.) an einen kleinen, jedoch idylischen Strand. Dort ist ein kleines Dorf mit Strandbar und man feiert ausgelassen bis in den Morgen. Aber das böse Erwachen folgt, denn die kleine Gruppe wurde von den Einwohnern ausgeraubt. Schließlich kommt es noch zum Streit mit den Dorfbewohnern. Nur durch den Einwohner Kiko (Agles Steib) kann die Gruppe entwischen. Kiko will sie angeblich in das Haus seines Onkels bringen und man wiegt sich in Sicherheit. Keiner ahnt, dass Kiko sie direkt in die Arme eines Organhändlers führt, welcher seinen Opfern die wertvollen Innereien bei lebendigem Leibe entnimmt.
Ähnlich wie bei "Hostel" wird hier das Publikum stark getrennte Wege gehen. Roth brach mit seinem Film einige Tabus und revolutionierte, wie ich finde, den gnadenlosen wie bitterbösen Horror. "Turistas" fehlt ein wenig diese Boshaftigkeit, hat aber die ganze Zeit über Hochspannung zu bieten. Bei all den exotischen Schauwerten, spürt der Zuschauer die ganze Zeit über eine gewisse Bedrohung. Richtig unheimlich wird es dann in dem abgelegenen Haus mit Labor, oder in dem Höhlensystem, wo später eine nervenzerfetzende Jagd stattfindet. Nur mit dem üblichen Manko hat auch dieser Film zu kämpfen, es dauert seine Zeit bis der Spuk losgeht. Der Unfall ist recht schnell geschehen und die ganze Zeit über verstaut Stockwell jede Menge beunruhigende Bilder im Film. Auf die Charaktere wird im Schnelldurchlauf eingegangen, von Tiefe keine Spur. Aber die Darsteller machen einen ordentlichen Job, nur um das typische Teeniegeschwätz kommt man auch hier nicht herum, es hält sich jedoch in Grenzen. Richtig bekannte Darsteller findet man hier nicht, höchstens Melissa George. Auf jeden Fall positiv zu erwähnen sei Miguel Lunardi als herrlich schmieriger und fieser Dr. Zamora.
In der zweiten Filmhälfte kommt dann richtig Schwung rein. Der Spannungsaufbau funktioniert kontinuirlich, wobei man auf Überraschungen ganz verzichten muss. Ein paar neue Einfälle hätten nicht geschadet, wobei die Idee mit den Organhändlern doch ganz nett ist und nicht jedem gängigen Klischee entspricht. Goreszenen gibt es nicht so viele, doch wenn dann explizit und richtig blutig. Auch eine Operation und Extrahierung einiger Organe bekommt man gut sichtlich geboten, natürlich ist das Opfer noch bei Bewusstsein. Ansonsten sind auch noch einige fiese Szenen wie der Holzspieß im Auge, der Fall von einer Klippe mit Aufschlagen auf einem Felsen, oder auch einige Morde mit der Machete zu sehen. Das Finale ist eine lange und blutige Jagd durch den Dschungel und in den Unterwasserhöhlensystemen. Zwar recht vorhersehbar, trotzdem spannend in Szene gesetzt. Ein richtig böser Schlussgag hat mir am Ende noch gefehlt.
Ziemlich gnadenlos, bösartig und sehr spannend. Stockwell inszeniert sehr exotisch, jedoch auch bedrohlich, inklusive ein paar sehr blutigen Momenten. Das ist der "Neue Horror" wie ich ihn mag. Wer schon "Hostel" oder auch "Carbin Fever" gut fand, der muss hier einen Blick riskieren.
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