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Unbequeme Wahrheit, Eine (2006)

Eine Kritik von Mr. Vincent Vega (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 29.09.2006, seitdem 1590 Mal gelesen


Die neueste Klimastudie der UN belegte es: Nach Einschätzung von Wissenschaftlern wird sich das Klima zum Ende des Jahrhunderts so stark verändert haben, dass selbst hierzulande mit Temperaturen weit über 40 Grad Celsius, Hitzwellen und Dürreperioden gerechnet werden muss. Die Hoffnung, diese Entwicklung verhindern zu können, wurde ebenso gleich im Keim erstickt, selbst wenn der Ausstoß an Treibhausgasen nun schlagartig verringert würde. Eine unbequeme Wahrheit.

Al Gore, ehemaliger Senator und Vizepräsident der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten, präsentiert unter der Regie von Davis Guggenheim („24“) einen selbst ernannten Dokumentarfilm, der auf diese Gefahren der globalen Erwärmung hinweist und wissenschaftliche Zahlen und Fakten vorlegt, nach denen es voraussichtlich sogar nur noch 10 Jahre dauern wird, ehe die weltweite Katastrophe in Form von noch extremeren Wetterbedingungen, Überschwemmungen ganzer Städte und Epidemien losbricht. In einer Vortragsreise durch die USA über Europa bis nach Asien, versucht Gore mit seiner "Traveling Global Warming Show“ in informativer wie unterhaltsamer Weise auf die Gefahren des Treibhauseffektes hinzuweisen, möchte wachrütteln, bewusst machen.

Der Film schildert repräsentativ einen dieser Vorträge, regelmäßig unterbrochen durch Momentaufnahmen des Politikers im Büro, Flugzeug oder an Plätzen seiner Kindheit, begleitet von einem nachdenklichen Off-Kommentar. "Wenn ein Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser springt, hüpft er gleich wieder heraus. Wenn Sie den Frosch in kaltes Wasser setzen und dieses langsam erwärmen, wird er sitzen bleiben, bis es zu spät ist. Und in dieser Situation sind wir.", heißt es in einem der eingespielten Cartoons. Der Zuschauer wird vermutlich auch sitzen bleiben, wenn er erst einmal in diesen Film gegangen ist, man möchte ja doch wissen, wie diese unangenehme Selbstdarstellung enden wird, ob „An Inconvenient Truth“ vielleicht noch etwas mehr zu erzählen hat, außer dass Al Gore als Kind ein Pony und einen Hund besaß, und die Dinge des Lebens immer schon etwas rebellisch hinterfragte.

Unbequem ist nicht jene Wahrheit, dass die Polarkappen abschmelzen, dass unsere Umwelt- und Energiepolitik rücksichtslos voranschreitet, ohne regenerativ vorzusorgen, sondern das Konzept des Films, die Tatsache, dass man als Zuschauer mehr oder weniger zum Narren gehalten wird. Denn die Produzenten (darunter Lawrence Bender, „Pulp Fiction“) servieren hier nicht mehr als eine fleißig abgefilmte Diashow, einen statisch auf die Leinwand übertragenen Vortrag, dessen zweifellos wichtiges – und beachtlich aufbereitetes - Thema durch die Selbstanpreisung Al Gores in den Hintergrund rückt. Genau an den Stellen, wo der Film zum Film wird, folgen polemische, unerträglich fehlplazierte Szenen, die sich dem Menschen Gore widmen sollen, wie er sich besinnt, wie er vermeintlich selbstreflexiv Momente seines Lebens Revue passieren lässt. Und schlimmer noch: Wie er die Präsidentschaftswahl 2000 gegen George W. Bush verlor, mit 250 000 Stimmen faktisch jedoch vor ihm lag.

Guggenheims Film verrät seine lobenswerte Intention somit formal wie auch inhaltlich, indem er diskussionswerte, wichtige politische und gesellschaftliche Themen aufgreift, die besonders dem US-amerikanischen Publikum zu Gehör gebracht werden sollten, sie aber für ein propagandistisches Politikum missbraucht. Einer stringent inszenierten, gern auch humorvollen Dokumentation zieht „An Inconvenient Truth“ ein individualisiertes Selbstporträt mit wahrlich fragwürdig deplatzierter Botschaft vor. Al Gore wird in seinem Narzissmus leider vergessen haben, dass nicht seine Person, sondern die objektive Darstellung und Zusammentragung von Erkenntnissen, aus denen es zu lernen gilt, interessiert. So wichtig ihm das Anliegen als langjähriger Umweltaktivist auch sein mag, dieser Versuch ging mächtig daneben.


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