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Neon Genesis Evangelion: The End of Evangelion (1997)
Eine Kritik von sickBoy (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 15.07.2004, seitdem 1045 Mal gelesen
Ich wollte schon immer mal ein Review zu diesem Film schreiben, aber jetzt fällt es mir schwer einen Anfang zu finden. Erst mal eine generelle Spoilerwarnung, wer den Film nicht kennt sollte das besser nicht lesen, da es in diesem Fall glaub ich fast unmöglich ist über den Film zu schreiben ohne wichtige Handlungspassagen Preiszugeben. Obwohl, zur Story selbst werd ich kaum was berichten, da man für den Film zwangsweise die Serie Neon Genesis Evangelion kennen muss, und jeder der die Serie gesehen hat wird Himmel und Hölle in Bewegung setzen um an diesen Film zu kommen. Nur soviel: Welcome to the Apocalypse!
End of Evangelion kam als alternatives Ende zur 26 teiligen TV-Serie Neon Genesis Evangelion in die Kinos. Laut Cover und allgemeiner Meinung ersetzt es die Episoden 25 ("Do you love me?") und 26 ("The beast that shouted I at the heart of the world") durch die neuen Episoden "Air" und "My pure heart for you". Ich persönlich war nie der Meinung, dass der Film eine inhaltliche Alternative zum Originalende der Serie darstellt, man könnte beide zusammenschneiden und es würde immer noch konsistent sein. Zeigt das Finale der Serie was das Ende der Welt für Auswirkungen auf die Charaktere hat, zeigt der Film die eigentlichen Geschehnisse, die dazu führen. Das dies die Intention der Macher war sieht man daran, das schon im Serienfinale Bilder aus dem Film verwendet werden (z.B. Leichen von Misato und Dr. Akagi) und Handlungsstränge begonnen werden welche erst im Film fortgeführt werden (Gendo holt Rei in Episode 25 ab, für was erfährt man erst in End of Evangelion: die Wiedervereinigung von Adam und Lilith). Ich würde das Serienende als Erweiterung und Vertiefung der Traumsequenz betrachten, kurz bevor Shinji aus dem LCL Meer auftaucht, da passt es nämlich außerdem das die Bilder seiner toten Freunde hier zu sehen sind obwohl man in der Serie nie erfährt wie und warum sie sterben.
Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen dass diejenigen, die das Ende der Serie für langweiliges Gelaber hielten, allzu glücklich mit dem Film werden. Die erste Episode "Air" bietet vielleicht all die ersehnte brachiale blutrünstige Action, aber dies dient auch nur als Setup für ein furioses aber gemächliches Finale welches dem Zuschauer unglaublich viel Aufmerksamkeit abverlangt. Asukas letzter Kampf gehört ist die spektakulärste Mecha-Actionszene die ich kenne. Die Choreografie ist klasse und das Verhältnis der Evas zur Umgebung passt immer perfekt dazu die tollen Kameraperspektiven und die geschickt gesetzten Pausen, eine wirklich atemberaubende Sequenz. Ich habe mal gelesen man müsste End of Evangelion duzende male sehen um zu verstehen was vorgeht, und dann in eine einsame Berghöhle emigrieren sich nen Bart bis zu den Zehenspitzen wachsen lassen und ein duzend Jahre meditieren um letztendlich zu verstehen was es bedeutet. Na ja ganz so wild ist es nicht, fand ich aber cool ausgedrückt. Ich muss zugeben nach dem ersten mal Anschauen war ich auch mehr als ein wenig verwirrt, mehr als einmal Anschauen ist schon nötig um sich selbst wirklich Klarheit zu verschaffen. Kritiker mögen dem Film vorwerfen selbstgefällig ohne Rücksicht auf das Publikum seinen spirituellen Hokus Pokus abzuziehen und dadurch nicht nur jeden Mainstream Zuschauer zu verlieren sondern auch die eigentlichen Eva-Fans welche genau diesen Aspekt am Ende der Serie nicht akzeptieren wollten. Also jeder Mainstreamzuschauer ist hier definitiv im ganz falschen Film und Eva Fans sollten bereit sein sich auf spirituelle Gedankengänge und Selbstfindungstrips einzulassen, das ist es doch was Evangelion ausmacht. Wenn ich nur die Mecha-Action sehen will schau ich Gundam Wing, da gibt es deutlich mehr davon.
Ich kenne keinen anderen Film der so viel wer auf Details legt wie End of Evangelion. Jede einzelne Szene ist wichtig und jede einzelne Einstellung ist überlegt und verbirgt eine gewisse Symbolik. Daher macht es immer wieder Spaß den Film zu schauen, da man eigentlich kontinuierlich neues Entdeckt und immer wieder aus neue darüber nachdenkt. In diesem Zusammenhang empfehle ich allen Besitzern der RC-1 DVD unbedingt mal den Film mit dem tollen Audiokommentar von Amanda Lee zu schauen, falls sie das nicht ohnehin schon getan haben, gewisse Details wie die eindeutig zweideutige Symbolik der Landschaft in der Sandkasten-Sequenz wären mir ohne den Kommentar nie aufgefallen.
Die Charaktere waren immer die größte Stärke von Evangelion, sie mögen etwas klischeehaft sein, aber es gibt wenige Filme und Serien die solch scharfe, präzise und zu tiefst ehrliche Charakterzeichnungen abliefern. Aufgrund der komplexen Plotentwicklung und der spektakulären Action bekommt deren Entwicklung nicht ganz den Raum den sie verdient hätte. Die Folge "Air" arbeitet die Hauptdarsteller recht schnell ab um dann Platz für Shinji zu machen, bleibt den Rollen der Figuren dabei aber immer treu. Diesen Job übernehmen die beiden Originalepisoden besser, der Film konzentriert sich auf Shinji, die andere bekommt man nur noch in dessen Vorstellung geboten.
Man kann positivem Sinne behaupten der Film sei eine Aneinanderreihung von Magic Moments. Allein visuell wird hier in 90 weit mehr geboten als in ganzen OVA's oder Animeserien zusammen. Bilder wie die Eva-Serienmodelle um Asuka kreisen, die vom Kreuz stürzende Lilith oder das LCL mehr, von der engelsartigen Lilith in Rei-Gestalt ganz zu schweigen, brennen sich unwiderruflich in die Netzhaut. Bei vielen seiner Lieblingsfilme freut man sich meist auf: "jetzt kommt diese tolle Szene, die mit der tollen Musik", bei End of Evangelion trifft das eigentlich auf die komplette Spieldauer zu, ich wüsste nicht auf welche Szene ich verzichten könnte. (für die Reflektion aufs Publikum müsste man in der DVD Bilder von seinem Sofa oder am PC Bilder von der Webcam einfügen können, dann wird es deutlicher was der Traum von der Realität bedeutet...)
Der Ton trägt einen erheblichen Teil zu diesem Eindruck bei. Auf lizenzierte Klassikstücke wie in der Serie oder dem Death&Rebirth Streifen (den ich mal nebenbei bemerkt für pure Abzocke halte) wird verzichtet, stattdessen kommt nicht minder geniale Originalmusik zum Einsatz. Der Song "Komm süßer Tod" zum Ende der Welt ist eine der genialsten Sountrackideen seit der Erfindung des Tonfilms. Die englischen Sprecher sind hervorragend vor allem von Rei's Stimme kann man gar nicht genug bekommen, die unzähligen Voice-Over Sequenzen gehen direkt durchs Trommelfell ins Gehirn. Das ist nehme ich mal an die Intention dieser Szenen (z.B. die nachdem Shinji Asuka erwürgt oder das Stimmenwirrwarr der ganzen Körbe die Shinji kassiert) und dieser Intention wird das Resultat auf alle Fälle gerecht.
Als Fazit lässt sich auf alle Fälle festhalten, dass dieser Film etwas ganz Besonderes ist. Ganz Besonders freakig, ganz Besonders schwierig, meinetwegen. Auf alle Fälle kenne ich nichts Vergleichbares im animieren oder Realfim-Bereich. Ganz klar nicht jedermanns Geschmack, vor allem da man die Serie kennen sollte und sich wenige den Film allein anschauen werden oder sich extra dafür die Mühe machen werden die Serie zu begutachten, wird dieses Kunstwerk leider nicht von der Mehrheit der Filmfreunde die Lobpreisung erfahren, die es verdient. (Tja meine Lobpreisung hab ich damit wohl verbal festgehalten...)
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