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Premutos - Der gefallene Engel (1997)

Eine Kritik von Rohrgehirn (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 16.04.2007, seitdem 402 Mal gelesen


Schon mal was von Olaf Ittenbach gehört? Wer diese Frage jetzt mit einem klaren, eindeutigen Nein beantwortet, interessiert sich entweder nicht für den deutschen Horrorunderground oder hat soeben eine Bildungslücke entdeckt.
Olaf Ittenbach ergötzt seit einigen Jahren die internationale Splattergemeinde mit ausgesprochenen blutigen Streifen, die selbst bei abgebrühten Allessehern zur härteren Gangart zählen. Nach „Black Past“ und „Burning Moon“ pflanzte er mit seiner dritten Produktion „Premutos – der gefallene Engel“ endgültig sein blutbefrachtetes Feldzeichen im internationalen Splatterunderground auf und rekrutiert seitdem eine ständig wachsende Schar ausgesuchter Gorehounds.

Nicht nur Luzifer wurde als Engel einstmals verstoßen. Schon lange vor ihm musste Premutos den himmlischen Arbeitsplatz räumen. Seitdem taucht er immer wieder auf der Erde auf, um, wie es sich für einen gefallenen Engel gehört, ordentlich Tod und Zerstörung über die Lebenden zu bringen. Ob im Mittelalter, auf den Schlachtfeldern von Stalingrad, sogar bei der Kreuzigung Jesu, überall hatte Premutos seine modrigen Finger im Spiel. Oft war sein Auftritt zwar deftig, aber nur von kurzer Dauer. Denn um seinen misanthropen Neigungen folgen zu können, musste er erst einmal einen menschlichen Körper in seine Gewalt bringen. Starb dieser Körper hat auch Premutos vorerst nichts mehr zu sagen, zumindest bis zur nächsten Auferstehung.
In kleinen Nest, irgendwo zwischen Ingolstadt und Fürstenfeldbruck bei München findet ausgerechnet an seinem Geburtstag Landwirt und Waffenfetischst Walter eine alte Kiste auf seinem Grundstück nicht ahnend, dass er damit alle Ingredienzien an Händen hält, die den rabiaten Ex-Engel auf die Erde zurückholt. Während die illustren Geburtstagsgäste eintrudeln, sorgt sein Sohn Matthias aus Versehen dafür, dass Premutos zielgenau von ihm Besitz ergreifen kann. Der so Zurückgekehrte verliert auch prompt keine Zeit und rekrutiert eine zünftige Zombiearmee, die der Geburtstagsgesellschaft einen Überraschungsbesuch abstatten. Die eher konservativen Gäste allen voran Gastgeber Walter greifen daraufhin zu allem was Werkstatt und Waffenkammer hergeben um möglichst rasch den dörflichen Frieden wiederherzustellen. Happy Gemetzel

Mit Premutos drehte Olaf Ittenbach eine Thrash Granate reinsten Wassers. Die Darsteller agieren auf dem Niveau einer mittelmäßigen Laienspielschar, die Dialoge verdienen mit Fug und Recht das Prädikat „besonders unterirdisch“ und die Dramaturgie entwickelt streckenweise einen recht absonderlichen Charme. Ittenbach versucht seine Story auf mehreren Ebenen zu erzählen, bedient sich dabei diverser Rückblenden und Zwischenszenen, was allerdings streckenweise recht konfus und konzeptlos wirkt. Dafür sind die diversen Metzeleien und Goreeskapaden umso geradliniger und von einer derart ausgesuchten Härte, daß selbst Kultstreifen wie Braindead geradezu blutarm erscheinen. Der Zuschauer wird den Eindruck nicht los, dass mindesten 2/3 des knappen Budgets – Premutos kostete eben mal knapp 100.000 Euro – für Kunstblut draufging. Angesichts dieses überdrehten Overkills nimmt sich Premutos zu keiner Sekunde ernst oder sollte gar ernst genommen werden. So kann man sich bei Premutos herausragend amüsieren, vorausgesetzt man verfügt über den entsprechend schwarzen Humor einer übergroßen menschenfressenden Kartoffel. Weiterhin erweist sich Premutos als fröhlicher Zitatenreigen. So sind Parallelen von dem bereits erwähnten Braindead, über Lambertos Bava’s Dämonenfilmen oder auch zum unsterblichen Tanz der Teufel nur schwerlich zu übersehen. Allerdings beschränkt sich die Macher nicht darauf ihre Vorbilder zu kopieren, Ittenbach drückt allem schon eine eigene unverwechselbare Handschrift auf. Es bleibt der Spekulation jedes einzelnen überlassen, was entstehen könnte, wenn man dem Schöpfer von Premutos mal ein ordentliches Drehbuch und eine professionelle Schauspielercrew an die Hand gäbe, denn bei allen Schwächen, die Premutos als Amateurproduktion aufweist, schimmert hier durchaus auch ein Gespür für starke Bilder und Stimmungen durch.

So ist aber Premutos ein stockmakaberer Partyfilm, den man mit guten Freunden und ausreichend Bier goutieren sollte, denn schließlich muss man ja den latenten Blutgeschmack, der sich hier innerhalb kürzester Zeit einstellt, effizient hinunterspülen.


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