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Kalifornia (1993)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 04.01.2005, seitdem 1339 Mal gelesen


Sein Mauerblümchendasein wird „Kalifornia“ wohl ewig fristen, denn um ihn noch zum Klassiker zu erheben, braucht er eine Mundpropaganda, die sich aufgrund seines Alters als sehr schwierig gestalten dürfte. Der Film ist ein viel zu unbekanntes Kleinod, das vielmehr Beachtung verdient hätte. Dem inzwischen für durchschnittliche Hochglanzactioner verantwortlichen Dominic Sena („Gone in Sixty Seconds“, „Swordfish“) gelang mit seinem Regiedebüt gleich ein Volltreffer, den er nicht nur der brisanten Konstellation, sondern auch seinem erstklassig aufgelegten Schauspielerquartett zu verdanken hat.

Der abgebrannte angehende Autor Brian Kessler (David Duchovny, „Akte X“, „Playing God“) kommt dem Wunsch seiner Freundin Carrie (Michelle Forbes, „Escape from L.A.“, Messiah“), eine erfolglose und deshalb seelisch angefressene Fotografin, nach und brennt mit ihr nach Kalifornien durch. Um dem Plan einen Sinn zu geben, wollen sie diverse, auf dem Weg liegende, Schauplätze der grausamsten Morde in der amerikanischen Geschichte aufsuchen. Brian schreibt zurzeit sein erstes Buch zu genau diesem Thema und Carrie soll das Bildmaterial liefern - ein einfacher Plan. Da jedoch das Geld knapp ist, beschließt Brian ein weiteres Pärchen mit auf die Reise zu nehmen. Das soll sich als Fehler herausstellen, denn mit Early Grayce (Brad Pitt, „Se7en“, „Fight Club“) nimmt ein mordendes Musterexemplar auf der Rückbank Platz.

In „Kalifornia“ knistert es von Beginn an. Man wartet förmlich darauf, dass die Situation in der nächsten Minute eskaliert. Die laszive Carrie ist von der Idee Fremde mitzunehmen wenig begeistert, gibt sich ablehnend und wortkarg. Brian verhält sich dem entgegenwirkend sehr freundlich und bringt Verständnis für das geistig zurückgebliebende Paar auf. Während die naive Adele (Juliette Lewis, „Natural Born Killers“, „From Dusk Till Dawn“) auf Durchzug schaltet, versucht der undurchschaubare Early das Vertrauen des Paares zu gewinnen. Bei Brian gelingt ihm das zunächst auch...

In meist sehr düsteren und leicht surrealen, blassen Bildern dreht Sena an der Spannungsschraube und liefert nebenher mit einen die Geschehnisse rückblickend kommentierenden Brians ein paar interessante, etwas zu vergeistigte, Aussagen zu den Themen Mord und Töten ab. Zugunsten der Dramaturgie enthält der allwissende Kommentar dem Publikum zwar einige Szenen vor, der Spannung tut das jedoch keinen Abbruch.

Sena nutzt die Umstände eines solchen Roadtrips voll aus, verlegt das Finale auf ein verlassenes Atombombentestgelände und hüllt die besuchten Orte mehrmals mit einfachen Mitteln (Regengüsse, Blitz und Donner) in einen Mantel des Grauens. Auch wenn die Taten Jahre her sind, ist der hier einmal vorherrschende Wahnsinn immer noch sehr präsent. Für wissenden den Zuschauer sorgt der skrupel- und mitunter auch motivationslos mordende Early für weiteres Unbehagen.

Sehr präsent ist auch Brad Pitt, der hier als schmieriger, zurückgebliebener Soziopath kaum wieder zuerkennen ist. Pitt gefällt diese Abwechslung. Die Rolle des psychopathischen Killers ist mit Sicherheit eine seiner besten. Auf seine heruntergekommene Art strahlt er später, vor allem wenn man ihm in die Augen schaut, etwas unkontrollierbar Böses aus.
Juliette Lewis nervt im Gegensatz dazu nur und ist auch das größte Ärgernis hier. Sie trägt zu dick auf, nervt mit ihrem Geplärre und stößt in ihrer Naivität irgendwann auch auf Unverständnis.

Dreckig, fies, bösartig und knallhart ist „Kalifornia“. Ihm fehlt es nur ein wenig an Abwechslung, denn abseits des Quartetts passiert nicht viel. Der Trip durch Amerika wird durch einige brutale des manchmal fast animalisch agierenden Early unterbrochen, bis final dann die Sache eskaliert. Seine Chance vergibt der Film leichtfertig in den zum Ende sich häufenden Dialogen zwischen Brian und Early. Brian, noch immer sich in die Mörder hinzudenken versuchend, sieht in Early plötzlich die universelle Antwort. Leider vermag der die Triebfeder nicht zu erklären und drückt seinem Fahrer die Waffe in die Hand, damit der selbst Erfahrung sammelt. Dabei schlug „Kalifornia“ vorher noch den richtigen Weg ein und zeigte ziemlich eindeutig, dass solche Psychopathen aufgrund ihres Verhaltens nicht immer sofort zu erkennen sind und sich hinter wirklich jedem Gesicht so ein krankes Wesen verbergen kann.


Fazit:
Spannender, harter Psychotrip auf den endlosen Highways Amerikas, der dank hervorragender Schauspieler zum Geheimtipp wurde. Dominic Sena inszeniert nicht nur trostlos und bedrohlich, sondern hat zudem noch ein Händchen für die Dramaturgie. Die sich zuspitzende und schließlich eskalierende Situation wird im Verlauf des Films zwar etwas überreizt, bietet jedoch etliche Momente, in denen die Anspannung der Figuren herauszubrechen droht. Für alle, die für einen Roadtrip noch eine Mitfahrgelegenheit suchen.


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