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Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 (2006)

Eine Kritik von Gevatter Hein (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 27.07.2006, seitdem 687 Mal gelesen


Es gibt Gesetze, die so zementiert scheinen, daß man mit verzweifelter Inbrunst hofft - nämlich mehr als im Falle eines nicht so "zementierten" -, es würde sich einmal ... ein einziges Mal! ... nicht bewahrheiten. Doch leider, wo es um Geld geht, da werden die Menschen zu stereotypen Abziehbildern und man selbst zum Misanthropen.
Hier ist sie also wieder, die sommerliche Achterbahnfahrt, die Derivatgeschäftsmann Bruckheimer noch mehr Geld in die Firma spielen soll als es der erste Teil getan hat - und dies auch bereits erfolgreich vermochte. Klar, entweder mag man Achterbahnen oder eben nicht, was gibt es da herumzukritisieren? Schon, nur gibt es auch bei diesen qualitative Unterschiede, die durchaus beurteilenswert scheinen. Eine Bildregie zu begutachten hat beispielsweise in einem Film, der zum größten Teil aus computergenerierten Bildern besteht, keinen Sinn. Auch die schauspielerische Leistung ist unerheblich, weil die Figuren möglichst leicht durchschaubare Typen sein müssen. Doch wie sieht es mit dem Ziel, dem Grund der Produktion aus: der Unterhaltung? Natürlich sind auch hier die Geschmäcker verschieden, doch so einfach darf man es sich dennoch nicht machen.
Ich habe das double feature mit dem ersten gesehen und der direkte Vergleich machte es sofort deutlich: hier hat sich das "Matrix"-Syndrom eingenistet: war der erste ein in sich geschlossenes kleines inszenatorisches Meisterstück, das mit der Zeit sogar gewachsen ist, so war der zweite bereits mit solchen Dollarzeichen unterlegt - nämlich in dem Sinne, daß man sich ausschließlich auf das konzentrierte, was man dem Publikum unterstellte, das es sehen möchte: Effekte und dröge Daueraction - daß sich die Enttäuschung bereits unter dem braven Johlen des Premierenpublikums breit machte. Wenn die Berechnungen also stimmen, dann wird Fluch der Karibik 3 eine absolute Filmkatastrophe wie es Matrix Revolutions auch war.
Natürlich hatten auch die jeweils ersten ihre kleinen Fehler, aber es gab noch Inszenierung, es gab den Willen, einen FILM zu machen und nicht zusammengekleisterte Einzelclips von Westernshows aus Pullman City. Die Action in "Fluch der Karibik 2" ist redundant und langweilig. Freut man sich in den ersten 10 Minuten noch an den zunächst nicht unwitzigen Situationen, so wird es schnell zäh und diegetisch kaum gerechtfertigt. Ich bin während der anfänglichen Verfolgung durch die Eingeborenen sogar kurz in Minutenschlaf gefallen.
Technisch natürlich perfekt, sind doch längst nicht alle CGIs kreativ beeindruckend: die Mannschaft der "Flying Dutchman" ist recht gelungen und detailliert, der Kraken hingegen 08/15 Ware, die von "Octalus" mühelos an die Wand gespielt wird. Im Gesamtbild stimmt es aber gar nicht mehr. Die Story verschwindet im Nichts, wird der immergleichen Daueraction untergeordnet und wo man gerne mehr gewußt hätte, wird noch weniger geboten. Wie weit entfernte Sterne in sonst stockdunkler Nacht schimmern okkasionelle Dialogspitzen des comic relief Duos Pintel und Ragetti durch (die beste davon: Will Turner: What vexes all men? Tia Dalma: What, indeed. Gibbs: The sea...? Pintel: Sums...? Ragetti: The dichotomy of good and evil...? Jack Sparrow: A woman!), aber an der Stelle wo dann zuguterletzt alles offen ist und kein Subplot mehr einen Abschluß hat, wird abgebrochen. Einen Cliffhanger nennt man das, glaub ich. Der soll die Leute in die nächste Folge locken, so sie noch ein Interesse haben.
Ein geschickter Cutter hätte aus den zweieinhalb Stunden sogar noch einen recht unterhaltsamen 90minüter zustandegebracht, aber so in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts das "90-Minuten Diktat" herrschte, so regiert in diesen Zeiten das "Auf Keinen Fall Unter Zwei Stunden" - Gesetz, selbst wenn das Drehbuch höchstens Stoff für 80 Minuten hat.
Bruckheimer und seinen Angestellten kann es egal sein. Der liest keine Filmkritiken, sondern Börsenberichte. Und solange da viele Stellen vor dem Komma sind, ist die Sache gelungen, wie tot der Patient auch sein mag. Es ist zwar schlimm, aber auch nicht übler als alle anderen Spekulanten, deren Geldsucht wenigstens eine berechenbare Konstante ist. Was mehr schmerzt - oder weniger dramatisch: verwundert, ist, mit wie wenig sich das heutige Publkum abspeisen läßt. Sind wir so gelangweilt, daß jeder Knall bereits abgefeiert wird als ob es der letzte wäre? Muß jede "Unterhaltung" aus gehörschädigender Laustärke, epileptische Anfälle auslösender Optik und permanentem Gedresche bestehen? Warum schlägt man sich dann nicht einfach mit einem Knüppel auf den Kopf, der kostet nicht mehr als eine Kinokarte und ist mehrfach verwendbar.
Ich bin 36 und daher nicht maßgebliches Zielpublikum, ja, inzwischen sogar ein Klischee des an der Jugend verzweifelnden Opas, aber gerade deswegen laß ich mich nicht mit chemieverseuchtem, nach Pappe schmeckendem Convenience-Food abspeisen.


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