|
 |

Ansicht eines Reviews
Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 (2006)
Eine Kritik von art (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 26.09.2006, seitdem 822 Mal gelesen
Einen Sparrow nennt man in England einen Spatzen. Also einen etwas zu klein geratenen und nicht besonders schönen Vogel, der - wenn überhaupt - durch Frechheit und Lautstärke auffällt.
Bei „Fluch der Karibik“ gibt es auch einen Sparrow. Der nennt sich Jack Sparrow (Johnny Depp). Er ist auch nicht besonders groß. Nicht besonders mutig – … ja, es fällt schwer zu sagen, was er eigentlich ist, denn er ist in erster Linie alles mögliche „nicht“. Noch "nicht" mal laut.
Die einzigen Charaktereigenschaften, die ihn auszeichnen, sind: grenzenlose Selbstsucht und chronische Unzuverlässigkeit. Er verrät seine Freunde und seine Mannschaft gewissenlos an die schlimmsten Schurken; versteckt sich bei Kämpfen hinter Säulen und überrascht in normalen Situationen mit tuntigen Bewegungen die ihn allerhöchstens als Kandidaten für eine „Mister Gay“ Show qualifizieren.
Soweit so gut. Gänzlich erfunden ist das nicht. Es gibt tatsächlich solche Leute. Sie sind Architekten, Friseure, Musiker … aber niemals bekleiden sie Ämter in denen blinder Gehorsam notwendig ist. Nie sind sie Offizier, General oder Kapitän. – „Und das ist gut so“ kann man dazu nur sagen.
Denn wieso soll eine Mannschaft einem Kapitän folgen, der sie ins offene Messer laufen lässt? Ja wieso? Das ist wohl die zentrale Frage bei „Fluch der Karibik“.
Gleich in der Eingangsszene, wird über Jack Sparrow gesprochen (der Starauftritt kommt natürlich erst etwas später) und die Akteure sprechen seinen Namen mit der größten Ehrfurcht und Huldigung aus, setzen noch ein „Captain“ vor dem Namen. Und für wen?
Für eine dahergelaufene Tunte, die keinen Ehrbegriff hat. Ein Spatz im wahrsten Sinne.
Auf diesen Spatz hat seltsamerweise auch die Mannschaft des Schiffs Black Pearl sehnsüchtig gewartet. Ja warum eigentlich? Der Captain hat keinen Kurs, keinen Plan, verfolgt kein Ziel. Warum soll er der Mann der Stunde sein?
Inhaltlich bietet „Fluch der Karibik 2“ ein Loch neben dem anderen. Nichts macht Sinn und die Situationen sind bestenfalls grotesk.
Zwar gelingen dabei einige erstaunlich gute Bilder und auch die Maske liefert so manche ungewohnte und gut wirkende Effekte. Aber wo ist die Story? Fragt man sich im gleichen Moment und warum ist die Welt der Piraten so klein wie zu Zeiten des internationalen Luftverkehrs?
Wieso sind die Piraten in Papua Neuguinea und dann gleich danach am Nordpol?
Nachgedacht wurde bei dem Film wirklich nicht. Möglicherweise fällt das manchen erst beim mehrmaligen Schauen auf DVD auf. Aber es gibt ja noch einen dritten Teil.
Toll denkt man sich da. Bestimmt wird das wieder genau so ein Erfolg wie der zweite Teil.
Aber warum eigentlich? Als Paul Newman und Robert Redford damals in den 70ern „Butch Cassidy und Sundance Kid“ spielten, löste das einen gigantischen Boom aus. Der Western galt als tot und dann das. Keiner hätte das vorhergesehen.
Fluch der Karibik hat eine ähnliche Geschichte durchgemacht. Keiner hätte mehr einen Pfifferling auf den Erfolg eines Piratenfilms gegeben. Aber dann diese Erfolgsgeschichte …
Nur warum eigentlich? Bei Fluch der Karibik glänzen die Darsteller "nicht". Die Musik ist mau (kein Hit wie „Raindrops keep falling on my head“). Eine nachvollziehbare Liebesgeschichte gibt es "nicht". Und eine Männerfreundschaft – kann es sowieso nicht mit Jack Sparrow geben.
Das Einzige was bleibt sind sinnlos aneinander gereihte tolle Spezialeffekte in einem insgesamt viel zu langem Film
Und dennoch ist das der mit Abstand erfolgreichste Film des Jahres!!! Welch trauriges Statement über das Publikum ... und seine Ansprüche.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von art
Zurück
 |
 |
|