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Teen Lover (1989)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 10.04.2009, seitdem 451 Mal gelesen


Mal wieder ein Beispiel dafür, dass Titeleindeutscher das einheimische Publikum für des englischen minderbegabt halten: Aus „Say Anything“ wurde hierzulande „Teen Lover“.
Potentieller Mr. Lover Lover ist Lloyd Dobler (John Cusack), Highschool-Absolvent und wohnhaft bei seiner Schwester Constance (Joan Cusack), da die Eltern berufsgebunden in Europa sind. Lloyd, der All America Boy, steht auf Diane Court (Ione Skye), die Klassenbeste seines Abschlussjahrgangs. Diese geht nicht viel aus und lebt bei ihrem geschiedenen Vater James (John Mahoney). „Say Anything“, Cameron Crowes Debütfilm, schlägt direkt eine Schneise in die sonstigen Teenieklischees der 80er, mit intakten Durchschnittsfamilien ist hier nichts – als unglücklich werden die Protagonisten trotzdem nicht gezeichnet.
Lloyd kann Diane zu einem Date überreden und tatsächlich verguckt sie sich in den smarten jungen Mann. Doch für sie steht nach dem Ende der Sommerferien Internat in England an, während Lloyd so vor sich hin lebt. Es bleibt die Frage, wie lange das gut geht…

Man merkt Cameron Crowes Debütfilm direkt das Gespür des Regisseurs an viel über Bild und Ton zu erzählen, gerade die ausgewählten Popsongs sind mal wieder große Klasse. Vor allem Peter Gabriels „In your Eyes“ funktioniert als romantische Hymne wunderbar, ansonsten darf man sich über „Stripped“ von Depeche Mode, „Toy Box“ von Soundgarden und ähnliche Zeitgeist-Hits freuen, die einfach ein bestimmtes, ausgesprochen authentisches Lebensgefühl vermitteln und „Say Anything“ zu einer ausgesprochen sympathischen Angelegenheit machen.
Ebenso großartig ist die Besetzung. Gerade John Cusack spielt zwar an sich wieder nur seine Paraderolle als schluffiger Charmebolzen, aber er kann es nun einfach phantastisch. Ione Skye überzeugt als ebenso kluges wie hübsches Love Interest, dem es einfach etwas an sozialer Kompetenz mangelt, während John Mahoney als Vertreter der alten Garde überzeugend mithält. In Nebenrollen überzeugen Lili Taylor als Lloyds beste Freunde und Joan Cusack in der Schwesternrolle, welche sie ihre Karriere hindurch begleitete. Doch selbst in den kleinsten Rollen finden sich (spätere) größere Namen: Eric Stoltz als Partyveranstalter im Hühnerkostüm, Jeremy Piven als Schüler und Philip Baker Hall als IRS Boss. In einer kurzen Szene tritt auch Don ’The Dragon’ Wilson als Sparringspartner des kickboxenden Lloyd auf. Lustigerweise erwähnt Lloyd in einer Szene Wilson sowie Benny ’The Jet’ Urquidez als führende Kickboxer – gegen letzteren durfte er dann in „Grosse Pointe Blank“ antreten.

Doch all diese Vorzüge verschleiern nur teilweise, dass „Say Anything“ eine Romantic Comedy jener Sorte ist, wie man sie in den 80ern sehr häufig sah. Tatsächlich bricht Crowe ein wenig mit jener heilen Welt, in der ein nerviger großer Bruder das schlimmste Ärgernis ist: Lloyd und Diane haben beide Zukunftsangst, James wird von der Finanzbehörde IRS unter die Lupe genommen. Letzteres ist jedoch eher ein Problem für den Film, da diesem Subplot im letzten Drittel reichlich Raum gewährt wird, während man Lloyd, die eigentliche Hauptfigur, bisweilen sehr an den Rand drängt.
Am Ende steht dann ein Happy End. Ein kleines, eingeschränktes sicherlich, aber trotzdem happy. Insofern geht Crowes Bruch mit Konventionen also nicht zu weit. Wo „Say Anything“ etwas zulegen könnte, ist beim komödiantischen Timing: Die Gags sind eher stiller Natur, teilweise aber zu ruhig, zu dünn gesät. Da sind geniale Einzelsätze wie „I gave her my love and she gave me a pen“ eben nicht genug, um dieses Manko komplett auszugleichen.

So bleibt ein kleiner, netter 80er Jahre Film, der vor allem durch seine Besetzung und Cameron Crowes Regie zu unterhalten weiß. Ganz nett ist auch der Bruch mit einigen Stereotypen (und das Einbringen des Kickbox-Sports), die Geschichte allerdings ist reichlich konventionell und bisweilen würde man sich das Ganze auch etwas witziger wünschen.


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