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Host, The (2006)
Eine Kritik von sectionse7en (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 10.04.2007, seitdem 1292 Mal gelesen
Die Einleitung im Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Im Februar
2000 wurden auf Anordnung des in einer US-Basis angestellten Bestatters
Albert McFarland 120 Liter Formaldehyd in das Kanalisationssystem
Seouls geschüttet, die dann ihren Weg in den Han-Fluss fand. Dies,
schon an sich ein Skandal, löste noch mehr Proteste aus, als das
US-Militär die Aushändigung McFarlands an ein koreanisches Gericht
verweigerte. Die Bevölkerung war entrüstet über die Unfähigkeit des
eigenen Staatsapparates, auf koreanischem Boden begangene Verbrechen zu
verfolgen und zu verurteilen. Der Vorgang fand schließlich 2005 ein
Ende, nachdem McFarland dann doch von einem koreanischem Gericht
verurteilt wurde, wobei er jedoch nie eine Strafe verbüßen musste.
Nach „Barking dogs never bite“ und dem vorzüglichen „Memories of
Murder“ wartete man gespannt auf den nächsten Streich des 37-jährigen
Joon-ho Bong, und um es kurz zu machen: Das Warten hat sich gelohnt!
„The Host“ ist mit ca. 100 Mio. US-Dollar der erfolgreichste Film aller
Zeiten in Korea und annähernd jeder 3. Koreaner hat diesen Film im Kino
gesehen. Vieles an diesem Monsterfilm ist ungewöhnlich, ja teilweise
seltsam, aber es fügen sich alle Elemente wunderbar zusammen und zurück
bleibt das Gefühl, einen wahrlich tollen Film gesehen zu haben.
Ungewöhnlich, dass nicht mit der üblichen Erwartungshaltung des
Zuschauers gespielt wird, wie wohl das Monster aussieht. Nein, nach
nicht einmal 15 Minuten ist das Biest in voller Pracht zu bewundern.
Der erste Auftritt der Kreatur bei Tageslicht und inmitten der
Einführung in die Geschichte wirkt völlig surreal - und
bedrohlicher, weil die Situation eigentlich so alltäglich ist. Ein cooler Einstieg!
Der große Unterschied gegenüber vielen B-Movies mit ähnlicher
Geschichte liegt bei „The Host“ in der weiteren Entwicklung der
Charaktere und der Vermischung vieler Genres. Es gibt keine strahlenden
Helden oder Spezialeinheiten der Armee, die das Monster zur Strecke
bringen wollen, sondern eine Familie, die am sozialen Rand der
Gesellschaft steht und aus Verzweiflung das Schicksal selbst in die
Hand nimmt. Die Charakterzeichnung
ist sowieso gelungen. Kang-du als typischer Loser, der keine andere
Wahl hat, als über seinen Schatten zu springen, wenn er seine Tochter
retten will. Ebenso sein Bruder, der zwar von Kang-du wenig hält, sich
aber nicht eingestehen kann, dass er trotz Studium ohne Arbeit
gesellschaftlich nicht besser steht.
Überhaupt übt der Film auf zynische, unterschwellige Weise Kritik an
Gesellschaft, System und Militär. Regisseur und Drehbuchschreiber
Joon-ho Bong zeigt die Teilnahmslosigkeit und das Desinteresse des
Staates gegenüber seinem Volk, ohne den gefürchteten moralischen
Zeigefinger zu benutzen. Die über den gesamten Film eingestreuten
schwarzhumorigen Einlagen sind etwas absurd, fügen sich aber nahtlos in
den Genremix von Science-Fiction, Drama und Komödie mit
sozialkritischer Tendenz ein. Dabei verliert der Regisseur nie den
Überblick und die Spannung wird über die gesamte Laufzeit hoch gehalten.
ACHTUNG SPOILER:
Die Szene, wo der Großvater aufgrund eines Fehlers Kang-du’s stirbt,
treibt einem die Tränen in die Augen. Ergreifend auch, dass das
Mädchen, welches heldenhaft den ganzen Film über in der Höhle des
Biestes ums Überleben kämpft, entgegen aller Monsterfilmregeln am Ende
stirbt.
SPOILER ENDE.
Kang-du wird von einem meiner Lieblingsschauspieler Südkoreas verkörpert. Kang-ho Song, diesmal mit längst
aus der Mode gekommenen blondgefärbten Strähnen, spielt wie immer sehr
gut. Man hat sowieso manchmal das Gefühl, dass es in Südkorea nur eine
Handvoll Schauspieler gibt. Es tauchen irgendwie immer nur die gleichen
30 bis 40 Leute in den Hauptrollen auf. So auch in „The Host“. Die
gesamte restliche Familie, bestehend aus Hiebong Byeon ( „Crying Fist“
„Another Public Enemy“), Hae-il Park ( „Memories of Murder“ ), Du-na
Bae ( „Sympathy for Mr.Vengeance“, „Ring Virus“ ) und Neuling Ah-sung Ko,
liefert eine überzeugende Vorstellung ab und trägt den gesamten Film.
Jeder von ihnen bekommt genug Screentime, um nicht als blasser
Nebencharakter unterzugehen.
Aber letztendlich steht und fällt ein Monsterfilm mit seinen visuellen
Tricks und da haben die Jungs der Effektschmiede „The Orphanage“ ( „Sin
City“, „Hellboy“ ) ganze Arbeit geleistet. Das ursprüngliche Design der
Kreatur stammt von WETA ( „Herr der Ringe“ ) aber nach Differenzen hat
„The Orphanage“ die Arbeit an den Effekten übernommen. Das wie eine
verunglückte Kaulquappe aussehende Vieh ist großartig animiert.
Lediglich in den Szenen mit dem brennendem Biest sieht man die digitale Herkunft aus
dem Rechner. Das unbeholfene Gehen an Land und die flüssigen,
schwingenden Bewegungen entlang der Brücken dagegen sehen sehr
realistisch aus und lassen das Wesen weniger „überböse“ erscheinen.
Wer jedoch ein Actionspektakel wie „Aliens – Die Rückkehr“ oder eine
Effekthascherei wie Emmerichs „Godzilla“ erwartet, liegt falsch. Wir
haben es hier mit einem Monsterilm mit Grips zu tun, der auf mehreren
Ebenen funktioniert und für mich zu einem der besten Filme 2006 zählt.
Einfach großartiges Kino!
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