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Borat - Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen (2006)

Eine Kritik von Schlafzimmerbett (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 11.11.2006, seitdem 679 Mal gelesen


Egal für wie intellektuell anspruchsvoll manche den Film halten: er ist unglaublich witzig. "Borat" ist gemein, dumm, primitiv, darf sich in jeder Situation völlig abartig daneben benehmen. Das wurde angekündigt, das haben wir erwartet und das bekamen wir auch zu sehen. Doch: Das alles bleibt folgenlos. Folgenlos für ihn in erster Linie (das ist das erstaunliche), doch leider auch folgenlos für die Gesellschaft, insbesondere die US und A.

Der Plot ist blöde und vernachlässigbar, dient lediglich als roter Faden für die Einzelszenen im Dokumentarstil, als Begründung für eben jene, wieso man sie einbaut. Diese Einzelszenen sind es, um die es eigentlich geht. Teilweise hochgradig intellektuell (Witzforscher, Feministen, Wohnmobilstudenten), teilweise abartig blöde und auf die niedersten primitivsten Sinne abzielend (Nacktszenen im Hotel, Pamela, Prostituierte). Meines Erachtens ambivalent: auf der einen Seite entlarvt der Film durchaus gekonnt die Stumpfsinnigkeit mancher Südstaatler-Unterschichten. Der Auftritt beim Rodeo-Reiten ist fast wieder blamabel übertrieben, aber die Einzel-Interviews absolut unglaublich - wie Mr. Cowboyhut alle Moslems und Araber am Galgen baumeln sehen will und Borat empfiehlt seinen Schnäuzer abzurasieren ist wirklich phantastisch. Von solchen Primitivlingen hat man viel gehört, aber sie mal "live in action" zu sehen ist wirklich ein besonderes Erlebnis.

Andererseits aber versäumt es Borat in vielen weiteren Szenen eben diese Kritik an Amerika's Gesellschaft herauszuholen. Fast mein man daß all dieser Sarkasmus und Moore'sche Dokustil im Erfolgsfall auf reinem Zufall beruht, denn viele Borat-Aktionen verlaufen unter diesem Gesichtspunkt im Sande. Schade, aber deswegen nicht minder lustig. "Borat" selbst hat sich nie auferlegt "gesellschaftspolitisch korrekt und dokumentarisch-satirisch Kritik zu üben" - Borat will einfach nur unterhalten, und das tut dieser Film in hervorragender, erfrischend hemmungslos witziger Seite. Fast schade, daß erst ein dahergelaufener Ex-Ali-G alias Inseleuropäer Sasha Cohen kommen muß um in diese verklemmte politisch korrekte Welt hineinzuschreien und den ewigen Gutmenschen eine kräftige Ohrfeige zu verpassen - recht so!

Nicht immer wird nämlich nur "dem gemeinen Amerikaner" der Spiegel vor die Fratze gehalten, oh nein - vielmehr hält dieser Film mit seiner Wirkung uns allen den Spiegel vor. Wie man sich gekünstelt über harmlose Satire aufregt, mit Klagen droht, all das zeigt, daß eines nicht verstanden wird: wo Borat über Juden Witze macht geschieht dies auf dermassen primitive Art und Weise, so daß es eigentlich nur zeigt wie daneben all das ist. Selbiges gilt analog für andere "auf deren Kosten gemachte Witze", insbesondere das Land Kazachstan. So übertrieben wie hier bloßgestellt wird kann die Realität nicht sein, auch wenn ein Fünkchen Wahrheit hinter so machem Borat'schen Witz stecken mag.

Sei's drum, jeder wird in diesem Film das sehen, was er sehen will. Der eine findet politische und soziale Kritik, der andere intellektuell-satirischen Anspruch, der nächste primitive Gags und Slapstick, der andere fühlt sich peinlich berührt, und Susi Klawuppke aus Bottrop findet das alles gar nicht lustig und alle blöd, die Borat gut finden. Cohen hat eine Bombe hochgehen lassen, keine Frage - doch das eigentliche Schauspiel findet erst in der Diskussion über diesen Film statt. Wie geht man mit so etwas um? Meist gehörtes Zitat: "Darf der das denn?" Und das ist genau der Punkt: Wenn man das nicht mehr darf, was Cohen hier produziert hat, dann gute Nacht liebe Freiheit.

Borat unterhält in jedem Falle, und auch wenn man den Film auf einfache geistlose Unterhaltung reduziert entdeckt man zahlreiche Lacher, die man nicht versäumen sollte: Das allgegenwärtige Huhn in der Tasche, der Bär im Eiswagen, den mit-wetteifernden Nachbarn "den wirklich niemand liebt" (kennen wir diesen Nachbarn nicht alle?), die Feilscherei im Nobelhotel - einfach herrlich.

Drei Komponenten hat dieser Film, so daß eigentlich für jeden was dabei ist: Intellektueller Anspruch, unterhaltender Humor, schwachsinniger Slapstick - leider findet jeder Anhänger der einen Sparte was an den übrigen Anteilen auszusetzen. Als "rundum gelungen" wird dieser Streifen wohl nie beurteilt werden.

(8/10)


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