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Borat - Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen (2006)
Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 22.11.2006, seitdem 548 Mal gelesen
Um es vorweg zu nehmen: Borat ist der vielleicht lustigste Film, den ich seit Jahren gesehen habe, gleichzeitig aber auch einer der erschreckendsten - ich erwähne hier mal nur die mittlerweile berühmt berüchtigte Kampfszene im Hotel, die auf einer Hypothekenbankervernastaltung ihr jähes Ende findet.
Man sollte aber aufpassen, denn Borat ist nicht die intelligente Satire, als die er dem nichtsahnenden Konsumenten angepriesen wird, stattdessen ist es eine aberwitzige fäkalhumorige Odyssee durch ein Land (zufälligerweise US of A) mit einigen wenigen satirischen Spitzen.
Warum ist er dann trotzdem so gut?
Borat kennt keine Hemmungen und bleibt dabei aber immer schön menschlich, man kann gar nicht anders ihn ins Herz zu schließen.
Borat ist zwar auf den ersten Blick nicht sonderlich intelligent, aber bei genauerem Blick ist er intelligenter als sein Zuschauer:
Es gelingt ihm, dem Zuschauer allgegenwärtige Vorurteile vorzuhalten, überspitzt diese, so dass es komisch wirkt, und der Zuschaeuer lacht sich über die idioten im Film halbtot, ohne zu merken, dass er selbst veräppelt wird.
Das beste Beispiel hierfür ist, dass der Film in Amerika spielt, so dass der gemeine (sagen wir mal) Europäer geneigt ist zu denken, sowas kann ja nur in Amerika passieren, diese Deppen!!! Borat bezieht also die allgemeine momentan vorherrschende negative Einstellung gegenüber Amerika völlig zu seinen Gunsten und kassiert dadurch nur noch mehr Kohle ab.
Tatsache ist jedoch, alles was Borat da in Amerika tut, kann man auf die eine oder andere Weise leicht varriiert überall auf der Welt anweden. Es gibt nicht wenige Zuschauer, die das einfach nicht einsehen wollen: DAS KANN JA NUR DORT PASSIEREN!
Dann der Humor, bzw. Selbstironie, -humor.
Noch der bevor der Film anlief, kam es bereits zu Klageschriften und anderen Anklagen: Rassistisch sei er und Volksverhetzend.
Nun ja, sowas haben Satiren manchmal an sich, dass sie Eigenarten einer Gesellschaft nun mal auf's Korn nehmen, d.h. nicht dass der Film vollumfänglich dahinter steht.
Bestes Beispiel hierfür ist, dass Borat offensichtlich homophob ist - wohl wegen seiner Erziehung - aber dauernd in diese Szene reinrutscht, weil es ihm dort so gut gefällt, ohne dass er weiß, was ihm so gut gefällt, bis er von einem hochrangigen Politiker aufgeklärt wird.
Was den Humor noch betrifft, muß man aber auch festhalten, dass die angeblich ach so doofen Amerikaner den Film weitaus besser beurteilten als die Europäer und auch dadurch bewiesen haben, dass sie über sich selbst lachen können.
Wo die Europäer - insbesondere die Deutschen - teilweise Probleme haben, über die derben Witze zu lachen, haben die Amis überhaupt keine Probleme.
Wäre Sasha Baron nicht selbst Jude, dann hätte sich wohl auch der Zentralrat der Juden eingeschaltet, aber wie gesagt, man sollte vielleicht ein bisserl lockerer werden dürfen.
Erst mal soviel dazu. Nun noch zu einem anderen Punkt:
Borat ist gleichzeitig auch ein Plädoyer für mehr Toleranz gegenüber jedem, der sein Geld auf die eine oder andere Art und weise verdienen muß, am besten dargestellt als Borat eine Dinnerparty sprengt und stattdessen lieber mit einer fetten Hure den Abend verbringt.
Und diese Szene hat in mir eine Zigeunerträne hervorgerufen, so rührend war das.
Sicherlich, Borat ist kein Meilenstein der Filmgeschichte, richtig groß ist er auch nicht, aber er ist weitaus mehr als auf dem ersten Blick.
Und er ist verdammt witzig. Da kann Michael Moore mit seinen politischen Hetzkampagnen noch so einiges von lernen, wie man Leute wirklich bloßstellt.
Und ich bin mir sicher, die DVD-Veröffentlichungen werden Borat kommerziel mit etlichen Fassungen noch richtig ausschlachten: Director's Cut, Special Extended Cut, Ultimate Edition, noch nie veröffentlichte Szenen, Doppel- und Tripple-DVD-Edition.
Und wer das alles mit sich machen läßt, der verdient es auch nicht anders.
8 Punkte.
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