Borat - Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen (2006)
Eine Kritik von alpha&omega (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 22.11.2006, seitdem 1338 Mal gelesen
Der "kasachische Kulturschockfilm", der die Massen polarisiert!
„Borat“
Lustig lustig ist es wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Mal im Ernst, wir haben es nicht anders verdient mit unserer eigenen Dekadenz mal wieder filmisch konfrontiert und angespieen zu werden. Wer glaubt, dass die Amerikaner, welche „Borat“ selbstsuffisant auf Kosten eines sogenannten Schwellenlandes auf den Arm nimmt, alleinig so degeneriert sind, der täuscht sich gewaltig. Aber das nur mal so am Rande.
Wir sind ja nach unserem fettleibigen USA Kritiker Michael Moore einiges gewohnt, doch „Borat“ machts hier auf (s)eine zum Teil geschmacklose(re) Tour. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Kasachstan aufs äußerste verunglimpft wird, so dass der unreflektierte Zuschauer sicherlich denkt, dass ohne Feuer kein Rauch entsteht und somit auch was wahres dran sein muss. Genauso peinlich und geschmacklos, sind die verbalen Ausdünstungen über das Volk der Juden. Irgendwie ziemt sich das historisch gesehen wirklich nicht. So Aussprüche wie: „Wie, am 11 September waren das nicht die Juden gewesen?“ Sind einfach nur meinem Gusto nach stark deplaziert. Da Cohen selbst jüdischer Abstammung ist darf er sich das vielleicht erlauben, so wie Afroamerikaner zueinander „Nigga“ sagen dürfen, doch geschmacklos ist es.
Dies sind die größten und maßgeblichen Schwachstellen in diesem Film, die natürlich auf meinem Humorverständnis basieren. Wo wir schon beim Thema wären: „Humor“. Ganz ehrlich, ich hab sehr oft gelacht und werde mir „Borat“ sicherlich noch einmal auf DVD anschauen. Gestik, Mimik und der herrliche Dialekt sind echt der Hammer (und mir ist es ziemlich egal, ob ich dann das kognitive Niveau eines Vierjährigen habe). Auch die vulgäre und zum Teil ausschweifende Art Cohens bewegen sich im Rahmen des üblichen Ali G indahouse Humorspektrums!
Darstellerisch ist Cohen in der Rolle des kasachischen Reporters ziemlich gut und weist auch eine gute Menschenkenntnis auf, wie man puritanische Amerikaner beim „Perfekten Dinner“ foppt, wie man „Die Schwulenparade“ unsicher macht, wie man Enttäuschung zeigt, wenn man rausfindet das Pam nun doch keine Jungfrau mehr ist, wie man Feministinnen unbedarft irritiert und natürlich wie man chauvinistische Republikaner in einer Rodeoarena zum Platzen bringt! Dies sind Momente, wo man als Zuschauer einfach lachen muss und sich definitiv nicht mehr halten kann, doch dann kommen wieder Geschmacklosigkeiten über ethnische Minderheiten, die einem den Brechreiz in den Rachenraum jagen, weil man sich beim Lachen verschluckt.
Fazit:
Den Film auf eine der beiden Facetten zu reduzieren wäre schlichtweg falsch und so muss man sich letztendlich entscheiden, ob die Tendenz eher in Richtung gut oder schlecht geht.
Die negativen Aspekte (Vorurteilsbildung gegenüber der kasachischen Bevölkerung und antisemitische und frauenfeindliche Bemerkungen) wiegen ziemlich schwer. Doch mal im Ernst: Humor geht meistenteils auf Kosten von Subjekten oder Objekten. Bedarf es einer Grenzsetzung, was man nun verscheißern darf oder nicht? Künstlerische Freiheit könnte damit unterbunden werden- ein Grundrecht für das Mensch-Sein. Eine Fragestellung, die wohl egal mit welcher Aussage beantwortet werden würde, kategorisch falsch wäre.
Die positiven Aspekte von „Borat“ sind, dass man doch ziemlich oft lacht (auch ab und an mit reinem Gewissen) und das ist für eine Komödie wesentlich.
Deshalb gibt es von mir, trotz viel Kritik an der Degradierung von Kasachstan und den antisemitischen und frauenfeindlichen Parolen, 6 Punkte!
So bleibt mir nur zu sagen:
"Political not correct-aber korrekt zum Totlachen!"