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Borat - Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen (2006)
Eine Kritik von Loxxy (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 28.04.2007, seitdem 208 Mal gelesen
BRACHIALE, POLITISCH UNKORREKTE UND DOCH DOKUMENTATIVE FÄKALCOMEDY
Wenn man einen solchen Film in internationale Kinos entlässt, legt man es sicherlich vor allem darauf an, Kontroversen zu erzeugen, was generell in meinen Augen immer schon mal positiv zu werten ist.
Leider meldet sich hierzulande vor allem die bis zum Erbrechen politisch korrekte Fraktion zu Wort, die das Werk sogar mit so bösen Termini wie "klischeebeladen" oder gar "diskriminierend" belegt; ein Umstand, den man so nicht unkommentiert stehen lassen kann.
Noch bis vor ein paar Jahrzehnten war es wohl noch Gang und Gäbe, sich in Form von Humor die jeweiligen Sitten und Lebensumstände fremder Kulturen gewärtig zu machen, was heutzutage im Zuge diverser an sich richtiger Anti-Diskriminierungskampagnen selbstverständlich nicht mehr möglich ist.
In genau diese mentale Wunde sticht Sacha Baron Cohen mit "Borat", einem kasachstanischen TV-Reporter, dessen Odyssee durch die USA zum Kenntniserwerb kultureller Verbesserungen in einem grob an die Stilistik von den inhaltlich völlig anders gelagerten "This is Spinal Tap" (Rob Reiner), "The Blair Witch Project" (wenn auch dankenswerterweise wesentlich professioneller) oder "The last House on the left" (Wes Craven) erinnernden semi-dokumentarischen Gewand über die Leinwand flimmern (mit dem feinen Unterschied, das "Borat" an vielen Stellen tatsächlich Doku-Charakter durch über die filmischen Absichten uniformierte Mitwirkende Passanten und Gesprächspartner aufweist) und dazu noch dankenswerterweise im Originalton (welche Flachpfeife hatte eigentlich seinerzeit den brillanten Einfall, Cohen im Filmvorgänger "Ali G's in da House" von VIVA-Moderator Mola Adebisi synchronisieren zu lassen und somit jeglichen Humor im Keim zu ersticken??).
Gleich zwei Umstände also, die den Hi-Tech-verwöhnten Neo-Mainstream-Cineasten zu einer drastischen Änderung seiner sonstigen Sehgewohnheiten zwingen, weshalb manche vielleicht schon an diesem Punkt kapitulieren.
Zudem fährt Cohen in der Rolle des kasachstanischen Journalisten tatsächlich schwere Geschütze auf, welche die Grenzen der politischen und moralischen Korrektheit weit hinter sich lassen. Dabei gleitet er tatsächlich bisweilen in Fäkalhumortiefen ab, die von vielen als selbstzweckhaft verschrieen werden. Letztendlich ist jedoch oftmals auch nur die übertreibende, satirische Polemik der einzig richtige Weg, soziale Absurditäten in ihrem vollen Umfang verständlich aufzuzeigen, wie man es ja auch bereits von Zeichentrick-Beispielen wie "South Park" oder den "Simpsons" gewöhnt ist, wobei sich Cohen auch nicht scheut, sich selbst bis hin zur Entblößung der eigenen Genitalien der Lächerlichkeit preiszugeben. Wie will man jemandem böswillige politische Understatements anlasten, der sich also offensichtlich noch nicht einmal selbst ernst nehmen kann??
Dementsprechend liegt die filmische Intention hier nicht im Verunglimpfen östlicher Nachbarländer, sondern auf den oft wesentlich reaktionäreren bis rassistischen Reaktionen der unbedarften Interviewpartner, wenn diese sich in Form von Baron's Filmcharakter mit ihren eigenen Stereotypen konfrontiert sehen, zumal Borat am Schluss des Films auch nur recht fragwürdige Trenderscheinungen als "kulturelle Verbesserungen" für sein Dorf mitbringt. Die ökonomische Globalisierung kam also offenbar doch ein paar Jahrzehnte zu früh und globalökonomische Kulturgüter wie McDonalds sind manchmal vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluß, doch dies nur am Rande...
Eben so kann ich mir auch nur die vielen schlechten Benotungen aus Deutschen Landen erklären: Wahrscheinlich ist es dieses bohrende schlechte Gewissen, dass Borat's Erfahrungen, gäbe es ihn denn wirklich, hierzulande zum Teil sogar nicht allzu stark differieren würden...
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