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Score, The (2001)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 30.08.2007, seitdem 175 Mal gelesen


VORSICHT! SPOILER!
Dieser Film beweist mal wieder, dass es keiner großen Story bedarf um einen guten Film zu machen. Wie in einigen Reviews zu lesen war, waren viele vom Fehlen einer tiefergehenden oder actionreicheren Handlung enttäuscht, warscheinlich ging es der Masse so. Aber zum Glück wird nicht jedes Werk für die Masse gedreht, und so freud es den Außenseiterfilmfan, der auf Niveau und Logik genau so steht wie auf Guckspaß, dass hin und wieder auch mal ein Film für ihn gedreht wird. Das versteckt hervorragende liegt nämlich im Falle von "The Score" in seinen auf dem ersten Blick und von vielen vorgeworfenen "Fehlern". Aber dazu erstmal später.
Zunächst haben wir hier hervorragende Schauspieler, die zeigen was in ihnen steckt. Klar hatte DeNiro schon schwierigere Rollen, aber auch in diesem kleinen Film zeigt er, wie man einem Charakter mehr Tiefe verleihen kann, als es für diesen Film mit dieser Handlung eigentlich nötig wäre. Dieser Mann hat sich seinen Charakter derart zu Ende gedacht, dass es unmöglich sein kann, dass er nur das Drehbuch nachgespielt hat. Dafür ist seine Rolle viel zu ausgearbeitet, insbesondere in den Feinheiten erkennbar die jeder selber entdecken muß, aber auch im Groben wie der ewigen Vorsicht, auf die sich der Profieinbrecher ständig stützt.
Zu Edward Norton muß man eigentlich genau so wenig sagen wie zu DeNiro, neben DiCaprio zählt er ganz klar zu den wenigen Anwärtern, die DeNiro schauspielerisch das Wasser reichen können. Und das darf er hier mit seiner Rolle sehr wohl beweisen. Wirkte der Behinderte in der ersten Szene noch zu aufgesetzt (Oh weh, wollen die nun krampfhaft zeigen was Norton kann?) so wird man im weiteren Verlauf der Geschichte eines besseren belehrt und dabei enttarnt, wie man wieder mal zu voreilig maulte. Eine Krankheit vieler Reviewer, zum Glück aber auch nicht aller *g.
Die Freundin der DeNiro-Hauptrolle hüpft nur einige Male durchs Bild, sorgt weder für ein echtes Fortschreiten der Geschichte noch für ernsthafte dramatische Tiefe und theoretisch ginge der Film auch ohne sie. Aber genau das ist es, was mir an dieser Rolle so gefällt. Man versuchte nicht krampfhaft eine Frau in die Geschichte zu integrieren, machte auf der anderen Seite aber auch nicht den Fehler diese Rolle komplett zu streichen. Da könnte so mancher Film, wie z.B. "Nur noch 60 Sekunden" von lernen. Da wußte man ja nun gar nicht, was Jolie da überhaupt zu suchen hatte, und wer was fürs Auge braucht hat im Notfall monatlich seine neue Playboy-Ausgabe. Nein, "The Score" machte es richtig und beschränkte die Rolle auf das was es war: Das geringe Privatleben des Profidiebes.
Neben guter Schauspieler haben wir hier auch einen ex-guten Schauspieler. Unser ehemaliger Pate Brando zeigt sich hier höchstens mittelmäßig. Er hat zwar eine nette Rolle, spielt diese aber so mau, dass man auch einen No-Name-Darsteller hätte nehmen können. Und das hätte dem Film auch sicher besser getan. Dass ausgerechnet er es gewesen sein soll, der die Dreharbeiten mit endlosen Geduldsspielen des Regisseurs behinderte ist ein Witz bei dieser mangelhaften Leistung. Nun ist sein Part aber zum Glück recht klein ausgefallen und sorgt immerhin für eine der Wahrscheinlichkeiten, was am Überfall falsch laufen könnte.
Mit dieser Aussage sind wir beim Spannungsbogen. Dieser entsteht eben nicht durch eine bahnbrechende aufwendige Geschichte, sondern durch die langsame Erzählweise des Fortschreiten eines Coups, der zwar immer schwieriger wird, aber stehts scheint gemeistert werden zu können. Also ist der Zuschauer nonstop in der Situation zu rätseln was nun schief gehen könnte. Und dass was schief gehen wird ist sicher, die Story ist ja genau darauf ausgelegt. Dass der Auslöser des Schieflaufens nichts überraschendes ist ist dabei nicht wichtig. Dafür gibt der Film einem aber auch mindestens 3 mögliche Warscheinlichkeiten vor. Welche es davon nun ist erfährt der Zuschauer erst beim Betrachten. Der letzte Spannungsnervenkitzel entsteht freilich beim Einbruch selber. Dieser passiert recht spät. Aber da man ja nicht weiß woran der Coup scheitern wird zittert man ja vorher schon an anderen Fragen, so z.B. an der, ob es die Rolle des Norton schafft dauerhaft als Behinderter durchzugehen. Nicht nur, dass er einen Fehler in dem was er tut oder redet machen könnte, er könnte ja auch außerhalb der Arbeit mal gesehen werden. Der Spannungsbogen steht fast immer im Raum und wird nur für wenige Szenen unterbrochen. Wer Action oder Pseudopsychologie braucht um mitzufiebern der hat massig andere Hollywoodwerke zum Gucken, dieser Film erzeugt es durch feine Psychologie (wenn auch nicht extremst vertreten) und hauptsächlich durch die Art der Erzählweise.
Das Ende ist dann auch wieder eine Sache für sich. Ebenso wie viele im "Blair Witch Project" spotteten: Ööööh, da war keine Hexe zu sehen, maulten andere bei "The Score" öööööh, da gabs keinen Showdown zwischen Norton und DeNiro, wie blöde. Aber gerade das war ja nun wieder mal der Clou. DeNiro warnt Norton vor der Gier, Norton hält sich für schlauer und verspottet dabei nicht nur DeNiros Warnung sondern übersieht auch dessen ewige Vorsicht. Dass DeNiro von keiner Kamera gefilmt wurde und so Norton nun der einzige ist, der sich nicht mehr auf die Straße trauen darf ist doch viel besser, als ein olles Duell zweier Diebe. Die Beweise, dass ein DeNiro je am Diebstahl beteiligt war gibt es nicht, nicht mal mehr die Werkstatt in der vieles geplant wurde. Es ist nur eine Frage der Zeit bis Norton geschnappt wird. Bei den Großen hat er es sich vergeigt, da kann er nicht untertauchen. Mit dem Ende des Films beginnt die Phantasie des Zuschauers. Es macht Spaß sich die einzelnen Möglichkeiten auszudenken, wie es für den Jungdieb nun weiter gehen könnte. Wieder mal ein Pluspunkt für Filmfreunde, die sich eben nicht alles vorkauen lassen wollen.
Dass Filme wie "Verlockende Falle" einen mehr an den Überfallsvorbereitungen teilhaben ließen als "The Score" kann ich nicht bestreiten. "The Score" teilte dafür in Pseudohandlung getarnt die charakterlichen Karten aus.
Die Filmwelt ist schon eine verdrehte Welt. Da gibt es Filme wie die Matrix-Fortsetzungen die scheinbar viel erzählen und am Ende doch nur recht simpel waren (inhaltlich wie auch vom Tiefsinn) und dann gibt es auf der anderen Seite Filme wie "The Score" die eigentlich nichts aufregendes erzählen, die hinter dieser öden Fassade aber um so tiefer gehen. Dass dies bei "The Score" jetzt extremst der Fall wäre sage ich hiermit nicht, er ist keine philosophische, psychologische oder niveauvolle Erfüllung, aber er ist es halt mehr als ihm immer angekreidet wird, und das wollte ich mit diesem Review hervorheben.


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