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Crank (2006)
Eine Kritik von Hey_Yo (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 01.09.2006, seitdem 841 Mal gelesen
„Transporter – The Mission“ meets „Running Scared“ meets „Falling Down“…
Irgendwo dazwischen anzusiedeln ist der neue Action-No-Brainer mit Jason Statham („Revolver”), der im Gegensatz zu seiner zweiten Transportmission durchgehend unterhalten kann, im Gegensatz zu Walkers Waffenjagd genau richtig, an der Laufzeit gemessen, ausfällt. Denn hier gibt es kein Beiwerk, nichts Ausschmückendes, keine vorgestellten Charaktere, Charakterzeichnung erst recht nicht, geschweige denn sich entwickelnde Personen - nur 80 Minuten Vollgas. Dass dabei die Anspruchsleiste leer bleibt, ist bei dem Hauptdarsteller aber fast schon vorauszusehen…
Dumm gelaufen: als Chev (Jason Statham) verwirrt in seiner Wohnung erwacht und eine DVD mit der Aufschrift „Fuck you“ findet, ahnt er schon Böses. Die DVD zeigt die ersten Minuten von Chevs letzten anbrechenden Stunden. Der Kriminelle Ricky Verona (Jose Pablo Cantillo) hat ihn k.o. schlagen lassen und spritzte ihm einen chinesischen Giftcocktail, der ihn recht schnell schwach werden lassen wird, bis er wenige Stunden später tot sein wird. Nachdem Chevs Fernseher dran glauben musste, rast er also los; getrieben von Rachegelüsten und immer wieder auf der Suche nach dem Kick, denn abgesehen von Adrenalinschüben kann ihn nichts vor dem sicheren Tod retten…
Wie schon Michael Douglas’ „Falling Down“-Tag ist auch Chevs Tag ein ganz beschissener, zum Amoklauf ausartender.
Wie schon Paul Walkers „Running Scared“-Nacht entpuppt sich Chevs Ausflug in L.A. zu einem blutig-brutalen.
Wie schon Stathams Frank Miller, der Transporter, ist er in der neusten Rolle ebenfalls zum Großteil gelassen und cool.
Man nehme von allen besagten Filmen einen Teil und stopfe sie in diese belanglose Story.
Und schaffe damit hervorragende Leinwandaction…
Zwar ist es wieder einmal Selbstjustizaction, die alle Moralprediger aufschreien lassen wird, gibt es hier doch keine Story im ausgefeilten Sinne, keinen tieferen Sinn, sondern zählt hier alleine die Rache an den Menschen, die Chev ins Jenseits geschickt haben. Die Gewaltdarstellung ist dabei schon gängigerweise sehr detailliert, wenn auch nicht ausufernd oft präsent.
Dieser Fakt und die comicartigen Einspielungen, die immer wieder für Erheiterung sorgen (Chev steht vor einem von Veronas Männern: „Mir steht doch nicht Idiot auf der Stirn geschrieben…“ –> Effekt: es gibt eine kurze „Idiot“-Einblendung auf beschriebenem Körperpart), nehmen dem Film etwas an Ernsthaftigkeit, wodurch alle Apostel wieder nach Hause gehen können und nicht auflaufen müssen. Somit erhöht sich auch zeitgleich der Funfaktor, der in diesem Kinojahr noch nie so hoch war wie bei „Crank“.
Resultierend daraus dass es keine Nebenplots sowie keine sinnlosen, überflüssigen Dialoge gibt, wird einem hier nur das Wichtigste präsentiert, gaugelt der Film somit keinen Anspruch vor und weiß, dass er storytechnisch nichts zu bieten hat, weswegen er sich auf das Wesentliche bei Vertretern dieser Art konzentriert: Action, Spaß, Tempo.
Und alle drei Sachen harmonieren wunderbar zusammen.
Dank der hervorragenden Kameraarbeit, die mit vielen technischen Spielereien aufwartet („24“-ähnliche Splitscreenaufnahmen, ruckelige Egoperspektiven, Texteinblendungen, seltene Farbfilter) und nie zu hektisch im Kampfgetümmel wird, so dass alles gut zu bewundern ist, fühlt man sich direkt in die Szenerie hineinversetzt.
Die Action ist zwar nicht minutiös vertreten, aber immer, wenn mal wieder Zeit dafür ist, geht’s los. Gegeizt mit blutigen Details wird hier nicht: eine abgehackte Hand und eine, die ihren Weg unter eine Nähmaschine findet, neben Kopfschüssen und einem von einer Handgranate zerfetzenden Körper wirken nicht besonders reichlich, aber ausreichend.
Es wird wie üblich gekloppt, mehr geschossen, geballert und kommt dabei glücklicherweise ohne Zeitlupeneffekte aus, die in letzter Zeit in Mode sind (man erinnere sich an das Actiondebakel „Born to Fight“).
Da Chev aber langsam am Gift dahinsiecht, hat er diese Einlagen auch bitter nötig, ging er ohne diesen Adrenalinanstieg doch sofort vor die Hunde.
Was er sich aber einfallen lässt, um sich aufzupushen, ist abwechslungsreich, bisweilen ausgefallen und wirkt in seiner Situation schon sehr komisch.
Zur Aufpushung wird schon mal eine Palette Red Bull weggezischt, sich unter Waffengebrauch mal eben mittels Defibrillator geschockt oder eine ganze Spritze Epinephrin (die dann zuviel des Guten ist) injiziert, was zu ungewollten Nebenwirkungen führt. Die Krönung ist dabei eine Szene in Chinatown, in der er mit seiner Freundin Eve (Amy Smart; „The Butterfly Effect“, „Road Trip“) durch die Gegend läuft, er gerade schwächelt und Sex die letzte für ihn mögliche Alternative zu sein scheint. Wehrt Eve sich anfangs noch, mitten zwischen den Leuten ein Nümmerchen zu schieben, haben sie bald ihren Spaß auf einem Zeitungsstand, wodurch Chev kurzzeitig wieder bei Kräften ist und die Massen um sie herum sie bejubeln.
Nebenbei probiert er jegliche Form von Drogen aus, die ihm aber mit zunehmender Laufzeit auch nicht wenig zusetzen - Halluzinationen und Verwirrung von nun an inklusive.
Der Humor ist dann auch nicht jedermanns Geschmack, zwischenzeitlich böse und schwarz (unvergesslich die Szene, in der er einen Taxifahrer vor ein Café schmeißt und „Al-Qaida! Al-Qaida“ ruft). Viele weitere Szenen wird man wohl länger in Erinnerung behalten.
Als er Eve abholt und nach draußen bringt, nähert sich ein Gangster und es kommt zum kleineren Gerangel. Während Eve ihre Tasche, die von Chev ausgekippt wurde, um sie abzulenken, aufsammelt (und ihrer Dummheit ein weiteres Sternchen hinzufügt, bekommt sie doch nichts von der Rauferei hinter ihrem Rücken mit), kloppt Chev sich, wobei ein Schuss sich löst und Omis Piepmatz in der Wohnung gegenüber von der Stange schießt. Solche Kleinigkeiten lassen nie Langeweile aufkommen.
Aber auch fernab davon ist kaum Zeit für Verschnaufpausen, da der Blick immer nur auf Chev und seinem Rachefeldzug ruht und immer etwas los ist – humoristisch oder actionbetont. Nur sehr selten kommt es zu kurzen Längen, die nicht stören, da es in der Sekunde, in der man beginnt, sich zu fragen, wann wieder was Aufregendes kommen mag, etwas passiert.
So paart sich hier nicht nur Jason mit Amy, sondern auch Humor mit heftigen Actioneinlagen.
SPOILER bezüglich des Endes:
Wieder einmal gab es am Ende böse Worte von den Leuten, die im Kino neben mir saßen. Und ich bin wieder der, der das Ende befürwortet.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Ist der erste Gedanke, den man angesichts der schnulzigen Happy Ends und des immer siegenden Guten in 99% aller Filme haben wird („Er findet sowieso ein Gegenmittel.“), nach gut einer Stunde des Films verworfen, da es tatsächlich keine Rettung zu geben scheint, so schließt man mit Chevs Leben daraufhin ab - irgendwann wird er am Gift einfach tot umfallen. Aber auch da wird man noch überrascht, denn das Ende kommt relativ unerwartet. Als es in einem Helikopter zum letzten Teil des Showdowns kommt, fliegen Verona und Chev aus besagtem Fortbewegungsmittel und stürzen ohne jegliche rettende Möglichkeiten der Straße entgegen. Chev schafft es gerade noch, sich von Eve telefonisch zu verabschieden, bevor er auf dem harten Asphalt aufprallt…
Chev ist hart, böse und schließt gelassen mit seinem Leben ab – die letzten Punkte auf der Coolnessskala…
SPOILER Ende
Schlussendlich ist der Zuschauer genauso außer Atem wie Chev den ganzen Film lang. Länger hätte das Tempo nicht auf solch konstant hohem Niveau gehalten werden können und damit ist der Film da zu Ende, wo es konsequenterweise sein muss. Das Ende versprüht fast schon eine tragische Romantik, aber Jason Statham ist dafür umso cooler. Hatte ich ihn nach der zweiten, missglückten Transportermission schon wieder ein wenig abgeschrieben, hat er sich hiermit eindrucksvoll zurückgemeldet als ungemein cooler, Oneliner um sich schmeißender Krimineller, der mal gerne Amok läuft. Die Action ist hart, brutal und fragwürdig, aber wer wäre nicht sauer, wenn man im Schlaf ein Gift gespritzt bekommt? Dazu gesellen sich ein Anflug schwarzen Humors, ein klasse Soundtrack, der auch mal härtere Töne anstimmt, Amy Smarts Rolle als Chevs Freundin, die zwar dumm wie Brot ist, aber gut aussieht, und die Kameraarbeit, die einen das Geschehen sehr nah bringt. Negativ fällt höchstens die nur zweckmäßige Story auf, die ein Kompromiss für den Unterhaltungswert ist, der dadurch aber bestens funktioniert.
Minimale Längen ohne Action und keine Oscaranwärter in Haupt- und Nebenrollen stören bei dieser kurzweiligen Amokfahrt nicht sonderlich, denn eins steht fest: Geht gut ab das… (7,5/10)
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