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Crank (2006)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 24.09.2006, seitdem 3825 Mal gelesen


Das nenn’ ich mal ’ne geile Show! Angesichts der fortwährenden Flaute auf dem Actionsektor kann „Crank“ gar nicht genug gelobt werden, denn so eine effektiv umgesetzte Prämisse hat man schon seit längerer Zeit in diesem Genre nicht mehr sehen dürfen.
Aus dem Nichts heraus debütieren Mark Neveldine und Brian Taylor im Duett als Autor und Regisseur mit einem verschwindend kleinen Budget von 12 Millionen Dollar und zeigen gleich, was mit einem kreativen Konzept und einem ideal besetzten, charismatischen Hauptdarsteller so alles machbar ist.

Immerhin gute 80 Minuten Vollgas zu geben und dabei durchgängig den Filmspaß ohne Durchhänger aufrecht zu erhalten, ist nicht ganz einfach, aber „Crank“ erweist sich als Musterbeispiel mit Kultpotential, dem weder die Puste noch die Ideen ausgehen und der, wenn nötig, immer noch einen Scheit nachlegen kann.
Jason Statham („The Transporter“, „Cellular“), der sich unlängst einen Stammplatz in meinen persönlichen Top 5 abonniert hat, findet nach eher schwächeren Filmen („Transporter 2“, „Revolver“, „Chaos“) der jüngsten Zeit in die Erfolgsspur zurück und profiliert sich endlich wieder als momentan einziger echter Actionstar.
Als Profikiller Chev Chelios wird er im Schlaf mit einem chinesischem Synthetikcocktail vergiftet, der seinen Adrenalinfluss hemmt. Als er aufwacht und sich eigenartig fühlt, wartet eine erklärende Videobotschaft seines Mörders auf ihn. Nun ist Chev gewaltig angepisst, stinksauer und denkt gar nicht daran so einfach den Löffel abzugeben. Eigentlich soll er innerhalb der nächsten 60 Minuten sterben, aber so einfach lässt er sich nicht unterkriegen. Also versorgt er sich selbstständig mit regelmäßigen Adrenalinkicks, um am Leben zu bleiben und sich an seinem Killer zu rächen. Wer sich ihm dabei in den Weg stellt, hat eben Pech.

Von nichts anderem als diesem Minimalplot handelt „Crank“ und Statham dreht so richtig auf. Das Szenario ist eine denkbar ideale Bühne für den charismatischen Briten, der seinen staubtrockenen Humor ausspielt und offensichtlich in seiner Rolle vollkommen aufgeht. Sparsam in Mimik und Gestik reichen da oft schon einzelne Blicke und Aktionen, um Publikumslacher zu provozieren.
Der Humor erweist sich ohnehin als wichtiger Bestandteil, denn Chev nimmt sein drohendes Schicksal gelassen mit einer gehörigen Portion Sarkasmus hin und zielt eigentlich nur darauf ab seinen Killer zu töten und seiner naiven Freundin Eve (Amy Smart, „Rat Race“, „The Butterfly Effect“) zu erklären, wer er wirklich ist. Leider versteht die Gute aber alles falsch...

So hat er als Todeskandidat regelmäßig die Lacher auf seiner Seite, hetzt ständig durch Los Angeles von einem Ort zum nächsten und stellt natürlich die irrwitzigsten Dinge an, um den Adrenalinfluss aufrecht zu erhalten, während er sich nicht nur Killer vom Leib hält, sondern irgendwie noch seiner begriffsstutzigen Freundin die Wahrheit klarmachen muss.

Chev befindet sich also auf einem furiosen Trip und genau so inszenieren Mark Neveldine und Brian Taylor „Crank“ auch. Passende Songs kommentieren ironisch die irrwitzigen Situationen während undenkbare Aktionen jeglichen Realismus aushebeln. Schnelle Schnitte, Farbfilter, verfremdende Effekte, fetzige Musik und furiose Kamerafahrten entsprechen dabei in etwa Chevs Zustand, der seinen Körper mit allen möglichen Drogen und zu viel Epinephrin konfrontiert, so dass er bald mit einer Dauerlatte durch die Straßen rennt. Die Polizei hält ihn währenddessen schon für einen Amokläufer und die sensationslüsternen Medien beginnen auch fleißig zu berichten. Dazu gibt es Splitscreens und Untertitel, die sich auch schon einmal direkt ins Bild verirren können, und jede Menge cooler Kommentare. Mark Neveldine und Brian Taylor bombardieren ihr Publikum geradezu mit einer unablässigen Reizüberflutung, die kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Aber die hat Chev ja auch nicht...

Die Action schließt sich dem bisweilen schon comichaften Charakter des abgedrehten Geschehens an und geizt nicht mit blutigen Gewaltausbrüchen und schwarzem Humor („Al Qaida! Al Qaida!“). Viele Schießereien gibt es eigentlich gar nicht, aber Jason Statham stellt eben die eigentümlichsten Dinge an, um irgendwie seinen Adrenalinspiegel anzukurbeln. Notfalls prügelt er sich mit einer Horde gewaltbereiter Schwarzer oder rast auf der Flucht vor der Polizei durch ein Einkaufszentrum und parkt sein Auto auf der Rolltreppe. Von Sex in der Öffentlichkeit vor Dutzenden Touristen über den Blowjob beim Autofahren bis hin zur Zweckentfremdung eines Defibrillators hat das Drehbuch allerhand Ideen in Petto. Ersatzweise werden Energy-Drinks gekippt oder er zieht sich Dutzende Packungen Nasenspray rein, die für die nächsten Minuten ihre Wirkung tun und Statham unter Volldampf in die nächste Raserei schicken. Mein persönlicher Favorit ist sein Manöver im Krankenkittel mit nacktem Popo auf dem Motorrad.

Immer hart am Gas und nie mit frechen Ideen geizend, weist sich „Crank“ damit durchgehend als äußerst kurzweiliger Actionthriller aus, der mit seiner ungezügelten Experimentierfreudigkeit sicherlich nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird, mich persönlich aber in einer Tour abfeiern ließ. Schon lange nicht mehr so viel Spaß im Kino gehabt... Das liegt neben einigen tollen Dialogen vor allem auch an Statham, der immer wieder die nötige Ironie unterbringt, sich zum Affen macht und nach Plan schnell wieder den nächsten Unfug anstellt, um am Leben zu bleiben und die letzten Minuten seines Lebens zu ordnen.

So viel muss man zu „Crank“ dann auch nicht mehr sagen. Der Film versteht sich als ein überinszenierter Trip und das soll in diesem Fall positiv verstanden werden. Aus der unverbrauchten Prämisse wird maximale Kurzweiligkeit extrahiert, indem die Macher auf die Tube drücken und Jason Statham in keiner Sekunde des Films zum Stillstand kommen lassen. Da stören ausnahmsweise nicht einmal die clever integrierten Product Placements von Red Bull oder Google Earth.


Fazit:
Mark Neveldine und Brian Taylor haben mit „Crank“ wirklich ganze Arbeit geleistet. Ich hoffe inständig, dass man bald wieder etwas von den beiden hört. Fast 85 Minuten powern die beiden Jason Statham durch einen extrem kurzweiligen Actionthriller, der sich weder um Realismus noch um Logik kümmert, sondern einfach nur Spaß machen will.
Der schräge Witz und die guten wie harten Actioneinlagen treiben das innovative Szenario genauso voran, wie die stets sorgfältig ausgewählte Musik.
Von Anfang bis Ende exzentrisch inszeniert und tollen Dialogen versetzt, harmonieren alle Elemente perfekt miteinander, so dass „Crank“ eigentlich jedem Fan humoriger Actionthriller ans Herz gelegt werden kann. Der ironische Jason Statham selbst erweist sich natürlich einmal mehr als eine Bank. Hoffentlicht legt er mit „Rogue“ (auch wieder von Lions Gate) nächstes Jahr entsprechend nach. Schnell, witzig, überdreht, actionreich und mit einem markigen Hauptdarsteller. Einfach spitze.

P.S.: Bis nach dem Abspann sitzen bleiben ;-)


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