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Full Metal Jacket (1987)
Eine Kritik von niklas90 (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 25.04.2009, seitdem 428 Mal gelesen
Matthew Modine spielt einen jungen Amerikaner, der während seiner knallharten Ausbildung zum Marine von seinem erbarmungslosen Ausbilder, gespielt von R. Lee Ermey, nach und nach zu einer gewissenlosen Killermaschine geformt wird. Nach Abschluss seiner Ausbildung kommt er in Vietnam als Kriegsberichterstatter zum Einsatz, wo er auf chaotische Zustände aus Zerstörung und Grausamkeit trifft, die jenseits jeder Menschlichkeit liegen.
Nachdem Michael Cimino mit "Die durch die Hölle gehen" aufzeigte, wie sich seine Hauptfiguren durch das erlebte Trauma in Vietnam veränderten und sich Francis Ford Coppola in seinem Antikriegsalptraum "Apocalypse Now" dem Begriff des Kriegsgrauens, des Wahnsinns genähert hatte, brachte Oliver Stone 1986 mit "Platoon" einen realistischen Einblick in den Alltag eines Soldaten in Vietnam, also einige neue Aspekte des Krieges, auf die Leinwand. Umso erstaunlicher ist es, dass Stanley Kubrick, der sich sieben Jahre nach "Shining" zurückmeldete, mit "Full Metal Jacket" einen eigenständigen, einzigartigen und innovativen Meilenstein des Genres abliefern konnte, nachdem im Grunde alle Möglichkeiten bereits ausgeschöpft waren.
Kubrick befasst sich in der ersten Filmhälfte mit der Ausbildung der Soldaten, was Cimino, Coppola und Stone komplett vernachlässigten. Er zeigt schonungslos und eindringlich auf, wie die zukünftigen Marines während ihrer Ausbildung knallhart gedrillt werden, ihrer Individualität beraubt werden und zu einer Art Tötungsmaschinerie zusammengeschweißt werden, wobei sie körperlich an ihre Grenzen getrieben und psychisch des bis aufs Äußerste gedemütigt werden. Zwar wirken die Szenen, in denen die Soldaten von ihrem Ausbilder angeschrieen und erniedrigt werden, auf Dauer ein wenig redundant, aber die krassen Bilder, mit denen die Szenen von Kubrick auf die Leinwand gebracht werden und die hervorragenden Darsteller sorgen doch dafür, dass das Geschehen fesselt und zum Nachdenken anregt, da er die allmähliche Wandlung der Charaktere hin zu gewissenlosen Killermaschinen ausführlich darstellt und am Beispiel des übergewichtigen Private Paula verdeutlicht, welche enormen psychischen Schäden die zukünftigen Marines dabei nehmen können. Knallhart und schonungslos; "Full Metal Jacket" beginnt enorm viel versprechend.
In der zweiten Hälfte des Films, die nach einer deutlichen Zäsur folgt, wobei sich hier natürlich ein dramaturgischer Bruch ergibt, der dem Film, gerade als der Höhepunkt des bisherigen Spannungsbogens erreicht war abrupt mit einer neuen Ausgangssituation starten lässt, kippt der Film dann ein wenig ab, auch wenn er auf hohem Niveau bleibt. Die chaotischen und menschenunwürdigen Bedingungen in Vietnam skizziert Kubrick treffend, enthüllt die Fratze des Krieges also durchaus, wobei sich der Altmeister hier leider sehr kurz fasst und in dieser Beziehung nicht die Schonungslosigkeit anderer Meisterwerke erreicht. Im abschließenden Kriegsszenario zeigt Kubrick dann deutlich auf, welche Spuren die Ausbildung in der Hauptfigur hinterlassen hat, als sie, eigentlich als Berichterstatter eingesetzt, schließlich doch noch die Chance erhält, einen Gegner zu töten, die sie ohne jeden Skrupel nutzt. Darüber hinaus ist die Kritik Kubricks am Krieg zu jeder Zeit spürbar, unter Anderem, wenn sich die Berichterstatter darüber unterhalten, wie sie die Geschehnisse für die Presse beschönigen können. Dennoch bleibt das Gefühl, dass Potential durch die Zäsur und die etwas schwächere, sehr schnell erzählte zweite Hälfte verschenkt wird, so übertrifft Kubrick im Endeffekt nicht einmal seinen eigenen Antikriegsfilm "Wege zum Ruhm".
Inszenatorisch gibt es an Kubricks Arbeit, die, wie gewohnt, kaum versierter sein könnte, nahezu nichts zu bemängeln. Die Musik ist treffsicher gewählt und unterlegt den Film zu jedem Zeitpunkt passend. Die Bilder, die zwar nicht ganz den großartigen Eindruck wie bei "Odyssee im Weltraum" erwirken, sind sehr drastisch und bleiben im Gedächtnis, man denke nur an die Inszenierung der finalen Schießerei.
Der Cast weiß ebenfalls zu überzeugen. Matthew Modine spielt die Hauptrolle souverän, bleibt zu jedem Zeitpunkt distanziert genug, dass er keine Identifikationsfigur darstellt und so den Zuschauer in eine objektive Beobachterrolle drängt, und leistet sich keine Fehler, die man ihm anlasten könnte. Die Darstellung, die wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlässt, ist jedoch vielmehr die von Nebendarsteller R. Lee Emry, der tatsächlich vor seiner Schauspielerkarriere beim Militär tätig war und mit seiner Rolle des Gunnery Sergeants Hartman praktisch verschmilzt. Vollkommen mimikarm, aber doch sehr ausdrucksstark, mit einer erdrückend großen Leinwandpräsenz, einem beängstigend autoritären Charisma und seiner enorm kantigen Art, ist seine Leistung einfach grandios und definitiv die beste seiner Karriere. Auch der restliche Cast ist gut besetzt, wobei vor allem Vincent D`Onofrio, der die charakterliche Veränderung von Private Paula, hin zum psychischen Wrack gut auf die Leinwand bringt, lobend zu erwähnen ist.
Fazit:
"Full Metal Jacket" zeigt die Ausbildung der Soldaten knallhart und schonungslos auf, stellt dar, wie aus ihnen Tötungsmaschinen geformt werden und ist sowohl unter darstellerischen, als auch unter inszenatorischen Gesichtspunkten ein grandioser Anti-Kriegsfilm, der nachdenklich machenden Stoff liefert und durchgehend fesselt. Dennoch wird Potential in der zweiten Hälfte verschenkt, die zu schnell und flüchtig erzählt wird und so qualitativ nicht mehr ganz an die erste anknüpfen kann.
80%
 | "Surprise me!" BETA |
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