Schwulenklischees in Filmen sind schon lange nicht mehr aus der typischen US-Komödie wegzudenken, wenngleich sie einem nicht selten auf die Nerven gehen. Denn immer ist es der gleiche Brei, der einem da vorgesetzt wird, sei es tuckiges Verhalten, die ewige Gier nach Sex oder der Drang danach sich in Frauenfummel zu schmeißen, der Schwule ist im US-Film ein Stereotyp sonders gleichen. Ob der Simpsons-Produzent Mike Reiss nun ein Fan oder ein Hasser dieses typischen Verhaltens im Umgang mit Homosexualität im Film ist, mag ich nicht beurteilen, doch mit seiner Erfindung der "Queer Duck" schießt er all diese Klischees nun mit einer Panzerfaust ab und suhlt sich in diesen Klischees ohne Rücksicht auf Verluste. Herausgekommen ist dabei an Film, der sich vor Lachern kaum retten kann, trotz oder gerade wegen des eigentlich immergleichen.
"Queer Duck" erzählt die Geschichte eines Enterichs, der schon seit seiner Geburt weiß, dass er Schwul ist. Zusammen mit seinem Liebhaber "Arlo 'Openly' Gator" wohnt er glücklich zusammen, bis er eines Tages auf die adrette Diva Lola Buzzard trifft, welche ihn heiraten will. Seiner Sexualität gar nicht mehr so sicher, begibt sich Queer Duck zu einem Quacksalber, der ihn schnurstracks in einen Hetero verwandelt. Doch schwul bleibt schwul, da helfen keine Pillen und das muss unser Held, genauso wie sein Umwandler, schnell feststellen... Wie man schon beim Lesen der Inhaltsangabe merkt, ist die Geschichte nichts anderes, als eine Anderandereihung von einem Schwulenklischee an den Anderen. Jeder, aber auch jeder Gag zielt genau auf sein Ziel, sich über Andere lustig zu machen, ohne das es auch nur einmal verfehlt wird. Man könnte also fast meinen, es mit einer unendlichen Attacke gegen Schwule zu tun zu haben. Doch genau da täuscht man sich.
Denn auch wenn "Quer Duck" wirklich einen Schwulenwitz nach dem Anderen präsentiert, so will er mitnichten diese vorführen oder sagen wir nur diese. Denn "Quer Duck" haut wirklich überall drauf. Hinter jeder Homo-Karikatur verbirgt sich hier im gleichen Atemzug auch eine Attacke auf das typische 08/15-Denken des Heterosexuellen, über homosexuelle Mitbürger. Jedes Klischee was durchbadet wird, wird im gleichen Atemzug zurückgeschleudert, so dass wirklich jeder sein Fett wegkriegt, wenn es hier ab geht. Weder werden hier Schwule mit Watte eingedeckt, dafür sind nicht wenige der Witze wirklich heftig, noch sollten sich "Normale" in Sicherheit wiegen. Denn auch wenn hier fast alles unter die Gürtellinie geht, was nicht niet und nagelfest ist, immer werden beide Sichtweise zeitgleich attakiert.
Die Gags selbst baden sich dann teilweise auch in herrlicher Naivität und vor allem auch in einem Sprachwitz, den man in einem US-Film so höchstens bei "South Park - Der Film" das letzte Mal erlebt hat. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen und dreckig geredet, dass es nur so eine Freude ist. Dabei verschießt "Queer Duck" nicht nur gegen die beschränkte Denkweise der meisten Menschen in Sachen Sex, sondern vergreift sich auch immer wieder an so manchem Filmklassiker. "Der Exorzist", "Titanic", "Uhrwerk Orange" und noch so manch anderer Streifen muss dran glauben und wird in einer meist gelungenen Parodie durch die rosarote Brille betrachtet. Highlight ist dabei definitiv die Verulke von "A Christmas Story", in der Queer Duck den kleinen Timmie dazu auffordert den großen Dildo aus dem Schaufenster des Sexshops an der Ecke zu kaufen, der der größer ist als Timmie selbst. Das Meiste davon wird übrigens in Musicalform abgeliefert, um ja auch das letzte Klischee noch zu untermauern. Kurzum wirklich alles wird von "Quer Duck" klein gemacht.
Die Animationen sind dabei allerdings sehr gewöhnungsbedürftig. Gut, nun kann man argumentieren das es der Film selbst auch sei, aber so billige Animationen hätte es dann vielleicht doch nicht gebraucht. In "South Park" waren die billigen Animationen irgendwie fast eine kleine Revolution, doch hier hat es man es doch ein wenig auf die Spitze damit getrieben. Zumal man auch anmerken muss, dass der Rundumschlag auch nicht immer funktioniert. Das die meisten Gags abgedroschen sind, ist zwar vollste Absicht, doch so mancher Joke, wie die Verarsche von "Brokeback Mountain" zum Schluss, bringt dann doch eher rollende Augen zum Vorschein. Aber nun gut, dafür ist das Ganze, zumindest im Original, doch recht trefflich synchronisiert.
Fazit: "Quer Duck" ist, ohne Frage, ein recht heftiger Angriff auf den guten Geschmack, der sich zum Ziel gesetzt hat, wirklich alles und jeden zu attackieren und dabei meist doch eine recht gute Figur macht. Der Film trieft nur so vor Schwulenklischees, welche hier nicht nur bis zum erbersten ausgespielt werden, sondern im gleichen Atemzug auch als Bummerang genutzt werden, um die doch häufig sehr beschränkte Sichtweise der Menschen zu attackieren, egal ob Homo- oder Heterosexuell. Dazwischen noch so manch gelungene Filmparodie, nicht wenige nette Musicaleinlage und fertig ist der schräge Animationsspaß, der vor nichts und niemanden halt macht. Homosexuelle, die sich davon auf den Schlips getreten fühlen, haben dabei das Ganze genauso wenig verstanden, wie Heterosexuelle die meinen, dass damit nun die ultimative Attacke gegen "die Anderen" durchgeführt wurde. Denn im Endeffekt ist es eher ein Aufruf zum Hände reichen, wenn auch ein sehr, sehr schräger!
Wertung: 7/10 Punkte