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Schlachtnacht (2006)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 08.12.2008, seitdem 260 Mal gelesen


Holland liefert uns nicht nur Käse...

Der Slasherfilm „Schlachtnacht“ aus den Niederlanden hätte ein toller kleiner Beitrag für die nimmersatte Fangemeinde solcher Werke werden können. In einem Mix aus „Witchboard“ und „Blutiger Valentinstag“ bekommen wir einen Film serviert, der in der ersten Hälfte oft zu überraschen weiß. Der Erzählstil selber ist eng am amerikanischen Stil orientiert, eine Liebe zu unnötigen aber unterhaltungsfördernden Details in Dialog und Handlung verweisen aber dennoch auf europäische Herkunft und sorgen dafür, dass der Film nicht so 08-15 wirkt, wie er eigentlich ist. So dürfen wir zu Beginn z.B. einen sehr ruhigen und langen Rückblick erleben, in dem wenig gesprochen wird und in dem atmosphärisch dicht die Vorgeschichte zu dem, was wir gemeinsam mit der Heldin erleben werden, erzählt wird. Dabei spart man auch nicht mit Grausamkeiten, schönen Bildern und Mühe zur Authentizität.
Die Einführung in die Hauptgeschichte ist mit ebensoviel Liebe zu Details und Unnötigkeiten umgesetzt. Das mag manchen Filmfan erschrecken, beginnt der eigentliche Horrorpart doch damit erst recht spät, nach geschätzten 45 Minuten, ist für den sensiblen Zuschauer, der sich an Kleinigkeiten ergötzen kann, den die Masse übersieht, aber eine tolle Möglichkeit sich in die Situation hineinzufühlen. Ständig lenken die Regisseure mit ruhigen Szenen ab, um dann mit dem Holzhammer eine böse Situation zu kreieren. Das haut nicht immer hin, ab und an aber sehr wohl. Zudem wird des öfteren Hollywood nicht kopiert, sondern mit deren Regeln gespielt. Die plötzliche Hand auf der Schulter, eine Szene die nun wirklich in jedem US-Slasher enthalten ist, und nur noch ganz zarte Gemüter erschrecken kann, wird beispielsweise völlig soft eingebracht, in einem Stil der betont, dass man gerade niemanden erschrecken will. Wie auch, ist eine solche Szene doch seit Urzeiten ausgelutscht und völlig ungruselig. In diesem Moment kommt man ins grübeln, ob hier ein parodistischer Unterton herrscht, oder ob man schlicht einfach mal zeigen wollte, dass selbiges auch anders geht.
Noch unten im Bergwerk bleibt die wunderbare Grundstimmung des Streifens erhalten. Wir nehmen mit den Protagonisten gemeinsam an einer Führung untertage teil, die vom Leiter dieser Aktion durch dessen Ausführungen interessant gehalten wird. Eine Gruselgeschichte verdeutlicht noch einmal was man in der Vorgeschichte sichten durfte. Das wäre nicht nötig gewesen, ist aber so schön erzählt, dass es keinen Grund zum maulen gibt.
Wenn die Kids nun alleine unten im Bergwerk hocken, der Führer unterwegs zu einem Rettungsausstieg ist, und die Zurückgebliebenen sich die Zeit mit einem Hexenbrett vertreiben, haben wir den letzten richtig schönen Moment des Filmes erreicht. Denn von nun an begehen die Verantwortlichen einen Fehler, der nicht hätte sein müssen, und der die komplette zweite Hälfte zerstört. In jeder Horrorszene, in der etwas passiert, wackelt die Kamera wie blöde rum. Was bei manch anderem Werk zu verzeihen ist, meist weil der Kamerastil dort pausenlos hektisch gehalten ist, ist für „Schlachtnacht“ das Abrutschen in die Mittelmäßigkeit. Ewig bekommt man ruhige Bilder vor die Nase gesetzt, dann wird gnadenlos geruckelt. Dies wechselt sich von nun an ab, je näher man Richtung Finale kommt, je mehr Geruckel gibt es freilich zu sehen. Dieses Wackeln ist derart penetrant, dass man selbst stark konzentriert kaum etwas erkennt. Noch während des Guckens frage ich mich, wie man seinen eigenen Film derart kaputt machen kann mit einem solch unnötigen Kamerastil. Das ewige Ruckeln nervt mich bereits schon in Filmen, in denen es noch akzeptabel ist, so a la „28 Weeks Later“. Ich frage mich wann Filmemacher endlich wieder von dieser Methode ablassen.
Der Unterhaltungswert geht nun rapide nach unten, wird aber noch etwas aufrecht erhalten durch die Frage, was denn da nun Böses im Stollen hockt. Ist es der Geist des Kerls aus der Vorgeschichte? Ist es ein Psycho, der dies glauben machen will? Ist alles das blutige Endprodukt halluzinierender Teenager, die nach dem Einnehmen einer beliebten Technodroge vollkommen den Sinn zur Realität verloren haben? Das Rätselraten ist leider nur von kurzer Dauer, recht schnell liefert „Schlachtnacht“ eine Antwort. Von nun an verläuft die weitere Story nach gewohnter Routine. Hier ist der Film von einem amerikanischen Vergleichskandidaten nicht mehr zu unterscheiden, was für eine nette Horrorunterhaltung auch nicht gravierend wäre, wenn das olle Geruckel nicht wäre. Jede kleinste Popelaktion, in der mal etwas die Post abgeht, ist von diesem Kamerastil befallen. Jeder Tropfen Blut und jede besessene Person bleibt undeutlich zurück, so dass man sich an den eigentlichen optischen Horrorelementen nicht erfreuen kann. Und die gehören ja nun wirklich zu den Gründen, warum man ein solches Werk einschaltet. Immerhin kann man objektiv beobachten, dass der Film ohne Wackeloptik noch wunderbar unterhalten hätte, einfach so wie er sonst gedreht war. Wäre schön, wenn das Geruckel erst nachträglich eingebracht worden wäre und in irgendeinem Archiv noch eine Fassung liegen würde, die ruhige Aufnahmen nicht in unruhigen Momenten meidet. Umgekehrt muss man aber auch einräumen, dass ab da wo der eigentliche Horrorpart beginnt auch nur noch fröhlicher Durchschnitt herrscht. Vorbei die innovativen Momente, lebe Wohl halbwegs eigener Stil! Von nun an gibt es flüchtende und kämpfende Teens, wie es sie schon hundertfach zu sehen gab. Wie erwähnt ist dies kein echtes Manko, das wird es erst durch das bescheuerte Einfangen der Bilder.
Zuschauer, die mit Wackeldackel-Optik so gar keine Probleme haben, können einen Freudensprung machen und sich diesen Film organisieren. Für diese Cineasten lohnt sich das Reinschauen auf jeden Fall, auch wenn die Qualität zur letzten halben Stunde auf Durchschnittsniveau sinkt. Alle anderen sollten lieber nicht zugreifen. Es ist einfach zu schade diese toll gemachte erste Hälfte zu sehen, um dann mit angucken zu müssen, wie ein moderner Kamerastil alles zunichte macht, was zuvor an Atmosphäre aufgebaut wurde.

Fazit: Leicht unter Durchschnitt!


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