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Parfum - Die Geschichte eines Mörders, Das (2006)
Eine Kritik von MC-Duke (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 22.09.2006, seitdem 384 Mal gelesen
Das Parfüm? - Nicht schon wieder...!
So oder zumindest so ähnlich, wird jeder reagieren, der, wie auch ich, irgendwann mal die gymnasiale Oberstufe besucht hat. Wenn man dann auch noch Leistungskurs Deutsch (Ja! Auch ich war einer von denen, die es sich leicht machen wollten.) hatte, stehen die Chancen bei 99.99% das man sich mit Patrick Süskinds Werk beschäftigt hat. Und was haben wir dieses Buch gehasst. Nichtmal weil das Buch schlecht war, sondern vielmehr da man es zu Tode diskutiert und analysiert hat. Ich kann sogar noch heute die ein oder andere Passage auswendig. Aber gerade deshalb war ich gespannt, wie Tom Tykwer die Umsetzung letztendlich gelungen ist. Und vielleicht wird ja auch durch diesen Film, den nachfolgenden Generationen das Lesen dieses Buches im Unterricht erspart. "Lesen? Ich leih mir die DVD..."
Jean Baptiste Grenouille wird am ekelhaftesten Ort geboren, den man sich vorstellen kann. Einem Fischmarkt im 18. Jahrhundert. Wie schon ihre 4 Kinder zuvor, bekommt seine Mutter das Baby einfach auf dem Boden des Marktes und lässt es dort auch liegen. Doch an diesem Baby ist etwas anders. Im Gegensatz zu seinen Quasi-Geschwistern stirbt es nicht, sondern lebt. Als Passanten das Baby finden, kommt es in ein Weisenhaus und die Mutter wird kurzerhand aufgehängt. Schon bald zeigt sich das Jean Baptiste anders ist. Denn er ist in der Lage Gerüche wahrzunehmen die niemand sonst riecht und diese auch zu speichern. Doch in seinen ersten Jahr hat er nicht viele Möglichkeiten dazu. Er wird als Sklave in eine Gerberei verkauft, wo er bis zum Umfallen schuften muss. Doch durch seine Zähigkeit gewinnt er das Vertrauen des Sklaventreibers und darf Lieferungen in die Stadt machen. Dort riecht er dann zum ersten Mal den schönsten aller Düfte. Der Geruch einer Jungfrau. Getrieben von dem Gedanken, diesen Duft zu konservieren geht er bei dem Parfümeur Guiseppe Baldini in die Lehre und schon bald häufen sich die Todesfälle unter jungen Mädchen...
Schon in den ersten Minuten merkt man, das mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Die stinkenden Gassen von Paris sind unglaublich realistisch dargestellt. Der Zuschauer kann den Mief, der dort herrschen muss förmlich riechen. Unterstrichen wird das Ganze noch von schnell hintereinander eingefügten Bildern, die von verfaulenden Ratten bis hinzu kotzenden Pennern alles ekelhafte dieser Zeit zeigen. Mit dieser Technik hat es Tykwer wirklich geschafft dem Zuschauer die Gerüche die auch die Hauptfigur wahrnimmt vorstellbar zu machen. Doch das bezieht sich nicht nur auf die stinkenden Gerüche. Auch die schönen Düfte sind bildlich dargestellt. Die Jungfrauen die Grenouille zu Parfüm verarbeitet, wirken als seien sie aus einem barocken Gemälde entflohen. Ihre Haut scheint aus Porzellan zu bestehen und durch die roten Haare bekommen sie etwas engelsgleiches. Die Stadt Grass in der sich die zweite Hälfte abspielt ist das genaue Gegenteil von Paris. Umgeben von einem Meer aus Blumen und bestehend aus wunderschönen Villen, kriegt der Zuschauer hier eine andere Seite des 18.Jahrhunders gezeigt.
Sowie auch die Bilder, wurden auch die Charaktere des Buches erstklassig umgesetzt. Äußerlich hätte ich mir Jean-Baptiste zwar degenerierter vorgestellt, aber das Verhalten entspricht dem des Buches vollkommen. Ben Wishaw meistert seinen schwierigen Part mit Bravour und spielt in allen Szenen auf höchstem Niveau. Am herausragendsten ist jedoch Dustin Hoffman, der den Baldini erschreckend echt spielt. Hier war ich zum ersten Mal mit einem Buch-Zu-Film-Charakter rundum zufrieden. Alan Rickman bleibt leider ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück. Bis auf die Szene in der er Grenouille zum ersten Mal gegenüber steht, bleibt er relativ blass. Da hätte ich mir mehr gewünscht.
Neben der Optik, kann auch die Musik auftrumpfen. Diese ist nämlich erfreulich unscheinbar und unterstreicht das Geschehen ganz dezent. In manchen Szenen erinnert sie sogar an das ein oder andere Stück aus einem Gruselschocker. Trotzdem bleibt sie stets dezent und lenkt nicht von den grandiosen Bildern ab.
Tykwer hat es wirklich geschafft das Buch zu verfilmen. Er nimmt sich viel Zeit für seine Charaktere, zaubert ein wunderschönes Bilderspiel auf die Leinwand und arbeitet stets nah am Buch. Das er den Film zu abrupt enden lässt, wie oftmals behauptet wurde, finde ich nicht. Die Länge ist genau richtig gewählt und das Ende dem Buch entsprechend.
Ich kann den Film nur jedem empfehlen, Völlig egal ob Kenner oder Nichtkenner der Buchvorlage. Es würde mich nicht wundern, wenn "Das Parfüm" nächstes Jahr bei den Oscars ins Rennen geht.
9/10
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