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Parfum - Die Geschichte eines Mörders, Das (2006)

Eine Kritik von Maichklang (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 23.09.2006, seitdem 468 Mal gelesen


Ich glaube, der Mensch vernachlässigt im Allgemeinen seinen Geruchssinn und misst ihm wenig Bedeutung bei. Wir sind nun mal Augentiere, denn wenn ich eine hübsche Frau sehe, dann spricht mich natürlich als erstes ihr Erscheinungsbild an, es braucht aber viel länger (und mehr Nähe) ihren individuellen Eigengeruch wahrzunehmen.
Und doch ist er am Ende mit entscheidend, denn nicht umsonst spricht man vom „sich riechen können“.

Doch die Welt der Gerüche, insbesondere von Parfüms, fasziniert uns, vielleicht auch ein Grund dafür, warum Millionen von Lesern Süskinds gleichnamigen Roman verschlungen haben.
Ich habe ihn nicht gelesen und gehe deshalb komplett unbedarft an Tykwers Verfilmung heran. So kann ich mich im Nachhinein nicht über veränderte Handlungsstränge beschweren, muss allerdings auch Dinge hinterfragen, die der Film nicht deutlich zu Tage fördert.

Das, für deutsche Verhältnisse, riesige Budget sieht man dem Werk allerdings sofort an.
Die Kulisse des Pariser Lebens um 1740 ist eindrucksvoll ausgefallen, die Bauten, Requisiten, Kostüme und vor allem das Make-up der Figuren sind detailverliebt und lassen keinen Zweifel an Realitätsnähe aufkommen.
Speziell das Setting des Fischmarkts löst assoziativ üble Gerüche beim Zuschauer aus, alles voller Dreck, abartig, mit Massen von Fischkadavern und fast noch widerlicher aussehenden Verkäufern.
In diesem Schlamassel von Suhl und Eingeweide wird Grenouille geboren, unsere Hauptfigur.

Er ist der Mann, der keinen eigenen Körpergeruch besitzt, im Gegenzug aber über einen übermenschlichen Geruchssinn verfügt und Tausende von Gerüchen über weite Entfernung einzuordnen weiß. Doch er kennt nur ein Ziel: Den Duft von Unschuld konservieren, um ein einzigartige Parfüm zu erschaffen, auch wenn viele junge Mädchen dabei ihr Leben lassen müssen.

Die erste Filmhälfte hat mich am meisten angesprochen, wie Grenouille auf den schrulligen Parfümeur Baldini trifft, er in die Kunst der Konservierung eingeführt wird und selbst beginnt, mit Material (auch wenn das mit der Katze nicht so astrein war) herumzuexperimentieren. Die lebendige Substanz liefert hier Dustin Hoffman, dem die Darstellung des alten Duftmischers ganz offensichtlich große Freude bereitet hat.
Über die Zusammensetzung von Parfüms hätte ich tatsächlich gern mehr erfahren, denn der Abschnitt bringt immerhin spezifische, wenn auch veraltete Einblicke in das Handwerk.

Doch mit dem Umzug der Hauptfigur von Paris nach Grasse, kommen zwar ein paar wunderschön eingefangene Landschaftsaufnahmen, aber auch ein wenig Leerlauf, der erst mit der Einführung Richis und seiner hübschen Tochter Laure endet.
Grenouilles Ziel wird konkreter, seine Herangehensweise auch, nur die biedere Darstellungsweise Tykwers bleibt gleich, leider.
Die Szenen sind nicht abstoßend, noch nicht einmal in meiner Fantasie, es bleiben vage Andeutungen in schnellen Zwischenschnitten, während der herbeigerufene Bischoff die aufgebrachte Bevölkerung in Grasse zu beruhigen versucht, es wurden schließlich schon mehrere Frauenleichen aufgefunden.
Aber ich will ja auch keine vordergründige Gewalt sehen, sondern den Weg eines Sonderlings, der sich durch seinen Geruchssinn definiert.

Darin liegt allerdings das Problem, denn ich konnte bis zuletzt keine Bindung zu Grenouille aufbauen. Zu wenig erfährt man von seinen Gedanken, auch wenn die angenehme Off-Erzählstimme Otto Sanders bemüht ist, ein paar Dinge klarzustellen, dieser Grenouille ist mir egal.
Ich habe mir sagen lassen, dass er im Roman etwas Diabolisches an sich habe, etwas sehr fieses und unberechenbares, - davon ist im Film wenig zu spüren.
Mag sein, dass Jungdarsteller Ben Whishaw nicht genügend Charisma mitbringt, obgleich er darstellerisch nicht unglaubwürdig wirkt, nur emotional ansprechend ist seine Figur nicht.
Er ist weder böse, noch lieb, man erfährt nichts von seinen Gefühlen, rein gar nichts, wie ein Leerkörper, der einfach nur seine Aufgabe erfüllt, insofern tun einem auch seine Opfer nicht leid, da ohnehin keine Bindung zu ihnen aufgebaut wird.
Tykwer lässt zwar starke Bilder sprechen, aber keine Gefühle.

Allerdings überwiegt am Ende der positive Eindruck, der durch die ansprechende Atmosphäre und durch die hochinteressante Grundidee gebildet wird.
Die Visualisierung einiger Gerüche ist fantastisch, der Score sehr variabel und in seinen verträumten Passagen einfach umwerfend und die gesamte Ausstattung angenehm detailverliebt.
Auch wenn ich nicht in Ansätzen glauben mag, dass es einen Duft gibt, der Tausende von Menschen zu ekstatischen Sexbedürftigen macht, und das ohne Ausnahme. Wenn es allerdings so im Roman steht, sollte ich ihn doch mal lesen.

So bin ich im Vorfeld dann wohl doch zu sehr von einem sensationellen Film Tykwers ausgegangen, von dessen literarischen Vorlage alle so schwärmen.
Keine Frage, ein ansprechender Film, vor allem handwerklich, aber so richtig begeistert hat mich der Trip in die Welt der Düfte dann doch nicht.
Denn einfach nur schöne Bilder ohne Identifikationsfigur und Emotionen sind mir persönlich etwas wenig.
6,5 von 10


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