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Parfum - Die Geschichte eines Mörders, Das (2006)

Eine Kritik von Tyler Durden! (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 25.09.2006, seitdem 548 Mal gelesen


Wie ich Kinos hasse. Mit Sicherheit kann man Glück haben und vielleicht bin ich überempfindlich. Aber meine Generation scheint sich nur noch an schnellen Filmen ergötzen zu können. Möglichst viel Action, möglichst viel Blut. Möglichst viel nackte Haut. Letzteres kann „Das Parfum“ bieten, die anderen Komponenten allerdings nicht. Das hat zur Folge, das besagte Zuschauergruppe nach einer Viertelstunde Film anfängt, unruhig im Sessel herumzuwackeln, geht in provokativ laute Gespräche mit dem Nebenmann über und endet nach etwa einer Stunde mit dem Kommentar, den ich nicht mehr hören kann: „Alter, ist das langweilig!“
Was diese Nervensägen erwartet haben, als sie sich entschieden, in diese Art Film zu gehen, ist mir schleierhaft. Dennoch habe ich meine gesamte Konzentrationsfähigkeit gebündelt und versucht, mich nicht ablenken zu lassen.

Patrick Süskind ist der deutsche Autor, der den Roman verfasst hat, der Grundlage für diesen Film sein sollte. Viele Regisseure wollten ihn verfilmen, Süskind zögerte jedoch, die Rechte an seinem Buch zu verkaufen. Wir reden von großen Namen wie Martin Scorsese oder Stanley Kubrick. Am Ende schaffte es Bernd Eichinger, die Rechte an sich zu reißen und gab die Regiearbeit an Tom Tykwer ab. Insgesamt sollte es drei Jahre dauern, bis die Verfilmung im Kasten war.

Ich muss gleich dazu sagen, dass ich das Buch von Süskind nie gelesen habe. Daher kann ich mich nur auf den Film beziehen und keine Parallelen oder Vergleiche mit dem Roman anstellen. Erzählt wird die Geschichte von Jean Baptiste Grenouille (Ben Wishaw). Er wurde auf einem Fischmarkt in Paris geboren. Ein Ort, an dem der Gestank nahezu unerträglich sein soll bis man sich nicht daran gewöhnt hat. Grenouille kam mit einer besonderen Gabe auf die Welt: Er erfasst Gerüche wie kein Zweiter, hat also ein ganz feines Näschen. Das ist nicht immer eine Freude für ihn, es ist auch sein Leid. Denn in ihm entsteht, nach beschwerlicher Jugend, der Drang, Gerüche festzuhalten. Zu diesem Zwecke gelingt es ihm, eine Stelle bei Guiseppe Baldini (Dustin Hoffman) zu ergattern. Der ist zunächst skeptisch, stellt Grenouille aber ein und macht mit ihm ein Vermögen. Der Junge muss feststellen, dass er durch Destillation nicht alle Gerüche konservieren kann. So führt ihn sein Weg weiter nach Grasse, der Metropole der Gerüche. Dort erlernt er die Methode „Enflourage“, um alle Düfte gewinnen zu können, die er will. Zum Verhängnis wird ihm, dass er ein Parfum erstellen will, für welches er die Gerüche von 13 Frauen benötigt. Grenouille holt sich diese gewaltsam...

Die Geschichte ist unheimlich interessant und wird vor allem in den ersten 45 Minuten fantastisch umgesetzt. Der Fischmarkt wird in seiner widerlichen Form perfekt und die Passion des jungen Hauptakteurs wird einnehmend dargestellt. Das Problem des Films ist, dass er es irgendwann überreizt. Zu häufig gibt es Szenen, in denen Grenouille aus der Ferne ein langsam ablaufendes Geschehen beobachtet und seine Augen schließt, um die Gerüche perfekt in sich aufzunehmen. Anfangs wirkt es noch gut, wird aber zu häufig verwendet, wodurch der Film zwischendurch sehr zäh wirkt mit seinen über 2 Stunden Laufzeit.

Schauspielerisch wurde ich voll und ganz überzeugt. Die Rolle des Mörders einem unbekannten Briten zu geben, war meiner Meinung nach eine gute Idee. Einen Orlando Bloom hätte ich an dieser Stelle nun wirklich nicht gerne gesehen. Ben Wishaw macht seine Sache gut, vor allem sein Laufstil am Anfang hat mich amüsiert. Im Film wird er eigentlich mehr als Opfer als als Mörder gezeichnet, ich glaube nicht, dass das auch im Buch so war. Der Zuschauer akzeptiert, dass Grenouille diese ganzen Frauen umbringen muss, da er Geisel seines eigenen Talentes ist. Er würde zu Grunde gehen, wenn er die gewaltsamen Taten nicht vollbrächte. Sympathischer ist dann noch Baldini. Ich bin kein großer Dustin Hoffman-Fan, aber in die Rolle des alternden Parfumeurs hat er perfekt gepasst und wurde zum Sympathieträger.

Der klassische Soundtrack ist ebenfalls ansprechend gelungen, in den wichtigen Momenten aber verzichtet man auf musikalische Untermalung und überlässt den Zuschauer einer provokanten Stille. Das hat seinen Zweck nicht verfehlt und insgesamt ist eine gute Mischung gelungen.

Fazit: Die Verfilmung des Bestsellers von Patrick Süskind ist gelungen. Die Geschichte eines Mörders ist vor allem optisch hervorragend geglückt und ist wirklich fesselnd. Schauspieler und Score können ebenfalls überzeugen. Spannend ist der Film eigentlich auch, allerdings wird er an vielen Stellen unnötig in die Länge gezogen. Über 2 Stunden Laufzeit waren mir zu lang, sind aber nachvollziehbar: Angeblich hatte man über 30 Stunden Material zur Verfügung. Von meiner Seite 8 Punkte. Euer
Don


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