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Parfum - Die Geschichte eines Mörders, Das (2006)

Eine Kritik von alpha&omega (Bewertung des Films: 3/10)
eingetragen am 04.10.2006, seitdem 796 Mal gelesen


Eine Herausforderung einen Film über Düfte zu drehen, wenn der Zuschauer im Kinosessel sitzt und ihm nichts anderes in die Nase kriecht, als Popcorn- und Tortillageruch, was ja anfänglich ganz nett riecht aber einem auf die Dauer doch ziemlich annervt, weil die Gerüche gleich bleiben!

Die Geschichte, um das feine Riechorgan des Jean- Baptiste Grenouille (Ben Whishaw), dem Sohn einer erhängten Fischmarktverkäuferin, kennen wir wohl jetzt alle zur Genüge! Ich glaube es reicht zu sagen, dass er Frauen tötet, um seinen perfekten Duft zu kreieren.

-SPOILERN IST LEIDER NOTWENDIG-

Wie es sich im Kino mit dem Geruch von Popcorn und Tortilla verhält, anfänglich ganz angenehm und zum Ende hin eher müffig, so ergeht es auch dem Film „Das Parfum“.
Zu Anfangs wird der Zuschauer in die damalige Europametropole Paris entführt und erlangt einen Eindruck von den damaligen Gegebenheiten. Von Geruch ist hier jedoch keine Rede, außer der Sprecher, der mit seiner „Es war einmal...“ ähnlichen Tirade anfängt und versucht dem Zuschauer zum Beispiel die stinkige Fischmarktatmosphäre ans Herz zu legen, was aber bei mir nicht funktionieren wollte. Ja, da erschüttert mich selbst imaginär geruchstechnisch nicht, das Frauen gegen die Wand kotzen und Fische entweidet werden. Zumindest wurde hier der Versuch unternommen, was aber im übrigen Film noch weniger gelang als zu Anfang. Ja unser Jean- Baptiste wird größer, killt aus Versehen eine Frau und wird zum Gesellen des ehemals großen Parfumeurs Baldini, gespielt von Dustin Hoffmann. An dieser Stelle gewann der Film für mich an Qualität. Zwar wurde noch immer verzweifelt versucht dem Zuschauer die Geruchswelten des Grenouille näher zu bringen und ihn sympathisch erscheinen zu lassen, was aber neben dem Urgestein Hollywoods, Dustin Hoffmann, gänzlich fehl schlug! Grenouilles Versuche auf den Zuschauer Mitleid, Verständnis und dergleichen zu erregen, waren im wahrsten Sinne des Wortes „für die Katz“. Dustin Hoffmann hingegen brilliert in seiner Rolle des Parfumeurs mit Witz und Charme, so wie man es von ihm gewohnt ist. Leider ist die Ausbildungszeit Grenouilles relativ kurz, und so verschwindet auch der einzig überzeugende Darsteller in diesem Film, zwar pompös, aber leider ziemlich schnell. Weiter geht’s mit unserem unsympathischen Geruchsfetischisten nach Grace, wo er die hohe Kunst der „Enfleurisage“ erlernen will, weil er ja schließlich den „Duft der Frauen“, zumindest von rothaarigen Jungfern, konservieren möchte. Ideenreich ist das Einfetten und die ganze Prozedur die folgt, um den Geruch seiner Duftobjekte einzufangen. Doch eine Identifikation mit unserem Grenouille will immer noch nicht auftreten. Er ist immer noch der wandelnde Riechkolben, der mordet und dumm dreinschaut. Nun gut, irgendwann hat er den Dreh raus und dann kommt es so wie es kommen muss, er mordet einige wohlriechende Geschöpfe des schönen Geschlechts. Das zieht sich übrigens extrem. Doch dann fehlt ihm noch eine ganz besondere Duftnote, die aber vom Vater gut gehütet wird. Natürlich bekommt er sie auch noch, aber das zieht sich auch wieder extrem. Da Grenouille jetzt alle Duftingredienzien zusammen hat, wird es Zeit das „ultimative“ Parfum zu kreieren. Prompt, „what a twist“ wird unser unsympathischer Hauptdarsteller festgenommen, aber er hat ja den perfekten Duft auf Lager.
Auf dem Weg zum Kreuz, an welches er gebunden werden soll und wo ihm sämtliche Gliedmaßen mittels Schlägen gebrochen werden sollen, damit er dann und größter Pein verstirbt, kommt dann die ach so große Überraschung: Grenouille wagt das Experiment und schmiert sich leicht mit seinem Duft, der nicht nur Frauen provoziert, ein und wahrlich, welch ein Wunder, alle liegen ihm zu Füßen und selbst der Henkersmann meint: „Der Mann ist unschuldig!“ Wenn ihr nun meint, dass das klischeehaft und noch dazu kitschig ist, dann wartet mal aufs Ende. Doch zunächst suhlt sich der „wohlriechende“ Grenouille in der Menge, was Schlussendlich im orgiastischen Gruppensex auf dem Marktplatz in Grace endet. Das hat dem Film noch mal einen richtigen Schlag ins Gesicht verpasst. Natürlich, es handelt sich um eine Buchverfilmung, aber ich betrachte hier den Film an sich, der allen Anschein nach schon Verkürzungen und Fehldarstellungen vorgenommen hat, die nicht so in Süßkinds Roman standen. Dementsprechend lasse ich das Buch schon ein ganzes Stück weit außen vor, da Romanverfilmungen eigentlich überwiegend in die Hose gehen, ich dem Film aber eine gerechte Chance geben wollte.
Nach dem regen Rumgebumse kratzt Grenouille die Kurve und macht sich auf den Weg nach Paris, wo es dann zum klischeehaften Ende hoch drei kommt, was ich jetzt nicht verraten möchte, da ich schon die ganze Zeit gespoilert hab.


FAZIT:


Bilanzierend kann ich zu diesem Film sagen, ich lasse bewusst das Buch außen vor (ich hab es zur Sicherheit nicht gelesen, damit ich den Film an sich auf mich wirken lassen konnte), dass der Hype der darum gemacht wurde völlig unberechtigt war. Eine Gute Kulisse und ein herausragender Schauspieler (Dustin Hoffmann), vermögen aus dieser Belletristikverfilmung keinen guten Film machen. Es fehlt die Sympathie zum Hauptdarsteller, es fehlt im Verlauf des Films die gute Beschreibung von Düften, am Besten hätte man Assoziationen gewählt, welche jedem geläufig sind, damit die Düfte zumindest ein wenig geistig repräsentiert geworden wären. Stattdessen schnüffelt unser Hauptdarsteller unbedarft in der Gegend und an toten rothaarigen Jungfern rum, was absolut kein Geruchsfeeling bei mir etablieren konnte. Die Story ist an sich ganz nett, aber verkommt zum klischeebeladenen etwas, zumindest im Film!
Das Hauptproblem bei „Das Parfum“ ist die Laufzeit des Films. Es wird auf Passagen viel Wert gelegt, die mir als Zuschauer echt auf die Nerven gingen, insbesondere am Ende, wo ein langatmiges hin und her mit dem letzten Opfer stattgefunden hat, obwohl es klar war, dass er sie bekommt, auch wenn man das Buch nicht gelesen hat.

Was bleibt ist nicht der anfänglich ganz subtile und angenehme Geruch eines durchschnittlichen Duftes, sondern ein Geruch der eher langweilig, nicht abstoßend, aber sehr belanglos ist und sehr schnell verfliegt!

2,5 Punkte


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