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Parfum - Die Geschichte eines Mörders, Das (2006)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 22.10.2006, seitdem 808 Mal gelesen
Lange hatte man geplant „Das Parfüm“ von Patrick Süßkind zu verfilmen, Regisseure wie Ridley Scott hatten Interesse angemeldet, doch schlussendlich war es an Tom Tykwer, den Bestseller auf die Leinwand zu bringen.
Im Zentrum der Geschichte steht Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw). Grenouille hat einen fantastischen Geruchssinn, aber keinen eigenen Geruch und lebt nur für das Reich der Düfte. „Das Parfüm“ beschreibt dabei seine Entwicklung zum Parfümeur und zum Mörder bei dem Versuch, den für ihn schönsten aller Düfte, den Geruch junger Mädchen, zu konservieren…
Mit Spannung wurde der Film erwartet und man kann sagen, dass „Das Parfüm“ rein vom Drehbuch her eine ordentliche Umsetzung der Vorlage ist. Tykwer nimmt sich Zeit, insgesamt ca. zweieinhalb Stunden und lässt auch nur wenig weg – vor allem die extrem lange Episode in den Bergen, die fast nur in Grenouilles Kopf stattfindet und filmisch langweilig gewesen wäre. Das macht Sinn und es stört auch nur ein wenig, dass der bewusst böse, amoralische Mörder hier weltfremder ist, teilweise mehr aus Naivität zu handeln scheint. Ein etwas störenderes Zugeständnis ist der Umstand, dass Grenouille nicht verkrüppelt und hässlich ist, sondern man sich doch für einen gut aussehenden Killer entschied.
Doch Ben Whishaw macht trotz dieses Umstandes einen wirklich guten Job und schafft es die ambivalenten Züge des Mordbuben Grenouille zu verkörpern. Dustin Hoffman als Lehrmeister ist große Klasse, Alan Rickman als Vater eines potentiellen Mordopfers gut, aber nicht überragend. Rachel Hurd-Wood als ebenjenes Mädel spielt ganz solide, Jessica Schwarz beweist in ihrer Prostituiertenrolle Mut.
Doch trotzdem vermag „Das Parfüm“ nie so vollends zu fesseln, obwohl gerade der Beginn mit einer stimmungsvoll düsteren Optik und atmosphärischen Szene wie Grenouilles Geburt auf dem Fischmarkt aufwarten kann. Eine Off-Erzählerstimme erklärt vieles und ist teilweise bitter nötig. Dabei wirkt der Märchenonkelton des Erzählers schön sarkastisch, gerade wenn er schildert wie quasi jeder, mit dem Grenouille zu tun hat, einen vorzeitigen Tod stirbt. So überzeugt dieser einführende Part, doch nach einer Weile machen sich erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar.
Dies liegt leider an einer gewissen Einfallslosigkeit im Bereich der Bilder: Für Grenouilles fabelhaften Geruchssinn findet Tykwer quasi stets dieselbe Visualisierung (Nase in Nahaufnahme, Nahaufnahme des gerochenen Objekts), ausgefallenere Ideen wie Baldinis Vision bei Riechen eines Parfüms sind Mangelware.
Ähnliches lässt sich auch in der an sich recht soliden zweiten Hälfte feststellen, sobald Grenouille beginnt Frauen für sein ganz besonderes Parfüm zu töten – immer wieder gleichen sich die Bilder zu sehr, wenngleich die Montage der letzten Morde für ein paar bitterböse Lacher (Bürger erschießen sich aus Paranoia gegenseitig und wenn die Kirche mit Exkommunikation reagiert, ist das nächste Opfer eine Nonne). Zudem zögert „Das Parfüm“ den Moment, in dem Grenouille sein letztes Opfer tötet ähnlich wie der Roman arg lang heraus, aber man weiß schon, dass es sie erwischen wird und so hätte sich der Film schlussendlich etwas kürzer fassen können.
Das arg befremdliche Finale aus dem Buch übernimmt „Das Parfüm“ sogar, doch leider verzichtet Tykwer darauf, dies kurz und knackig zu gestalten. Man mag ja stolz darauf sein, so viele Statisten fürs Finale zusammengetrommelt haben und billig war’s sicher auch nicht, doch „Das Parfüm“ langweilt mit dem ausgewalzten Wirkung des titelgebenden Duftwässerchens, denn die Verzückung des Mobs sowie die anschließende Orgie sind viel zu lang gehalten und dadurch auch leider etwas langweilig.
So ist „Das Parfüm“ schlussendlich ein wirklich akzeptabler Film, bei dem vor allem die düstere erste Hälfte überzeugt. Leider kann Tykwer das Zuschauerinteresse nicht den ganzen Film über so hoch halten, gegen Ende geht leider die Luft aus, was sich gerade im lahmen, überlangen Finale zeigt. Die Schauspielerleistungen lassen aber kaum Platz für Kritik, die Visualisierung ist auch OK, lässt es aber leider an Ideen mangeln.
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