Parfum - Die Geschichte eines Mörders, Das (2006)
Eine Kritik von niklas90 (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 01.08.2009, seitdem 111 Mal gelesen
Ben Whishaw spielt Jean Baptiste Grenouille, der von seiner Mutter auf einem Fischmark geboren wird und nur durch Zufall überlebt, weil Besucher des Marktes ihn finden, bevor er von seiner Mutter entsorgt werden kann. Im Waisenhaus aufgewachsen, entwickelt er einen extrem feinen Geruchssinn, weswegen er bei einem bekannten Parfümeur, gespielt von Dustin Hoffman, in die Lehre geht, nachdem er an einen Gerber verkauft worden war. Die Düfte, die er dort erfindet, reichen ihm jedoch nicht aus: Er will das perfekte Parfüm kreieren, wofür er schließlich sogar über Leichen geht.
Der deutsche Film ist international zwar recht anerkannt, aber auch nicht derart erfolgreich, wie etwa der französische, oder der britische und auch in Asien, Südamerika und anderen europäischen Ländern ist Konkurrenz vorhanden. Umso wichtiger sind gelegentlich Filme von Weltformat und einen solchen wollte man mit "Das Parfum", natürlich nach einem der meistgelesenen deutschen Romane, drehen. Daher übernahm kein geringerer, als Erfolgsproduzent Bernd Eichinger die Produktion, der wiederum mit Tom Tykwer einen der besten deutschen Regisseure engagierte. Die deutschen Constantin-Studios ließen für den Film stattliche 60 Millionen Euro Produktionskosten springen, wobei sich einige Filmstiftungen an den Kosten beteiligten, darüber hinaus holte man sich mit Dustin Hoffman und Alan Rickman zwei internationale, große Namen in den Cast.
Und es hat fast den Anschein, als wollte man mit aller Macht den Eindruck erwecken, dass "Das Parfum" auch das Meisterwerk geworden ist, das es werden sollte, so gab es zahlreiche nationale Filmpreise wie etwa den Bambi und den deutschen Filmpreis, von der TV Movie mal eben den so hoch gepriesenen goldenen Stern und erst letztens war ein Artikel zu lesen, in dem das Einspielergebnis von 135 Millionen Dollar als Indikator dafür angeführt wird, dass der deutsche Film international enorm erfolgreich ist (auch wenn davon gerade einmal 2,2 Millionen aus den vereinigten Staaten kamen). Wer sich jedoch nicht davon beeinflussen lässt, dass die Vorlage von Süskind stammt, zur Weltliteratur gehört, von den deutschen Kritiken blenden lässt, oder vom Sat.1-Trailer, der sich sogar erdreistete, den deutschen Psycho-Thriller in einem Atemzug mit "Das Schweigen der Lämmer" zu nennen, das sinnstiftenderweise im Anschluss gesendet wurde, um nach dem Pseudo-Meisterwerk zumindest ein handfestes nachreichen zu können, der wird feststellen, dass der Film in einigen Belangen, darunter auch an den eigenen Ansprüchen, scheitert und nicht besser unterhält als der "Tatort", der auch ohne Hoffman, Tykwer, Eichinger und Filmfördermittel auskommt.
So werden bereits bei der Charakterzeichnung gewaltige Fehler gemacht. Mit Jean Baptiste, der einige psychopathische Charakterzüge hat und ohne jede Reue zu Morden beginnt, fehlt eine Identifikationsfigur, die durch den Film führt. Im Grunde ist der Charakter nicht einmal verständlich, sein Schicksal fesselt nicht, woran aber auch Whishaw mit seinem beinahe apathischen Spiel erheblichen Anteil hat. Allerdings fehlt auch die Konsequenz, die Hauptfigur noch diabolischer, brutaler und skrupelloser darzustellen, als es hier der Fall ist, dazu hätte eine brutalere Darstellung der Morde gehört und der Verzicht, doch noch gelegentlich Mitleid für den Waisenjungen, der in seiner Kindheit und Jugend ausgenutzt und verkauft wurde, immer ein Außenseiter war und keine rechte Liebe zu empfinden vermag, zu erzeugen. Außerdem wäre dies eher im Sinne der literarischen Vorlage gewesen. So hätte man ein Feindbild und eine wesentlich düsterere Geschichte gehabt, aber so ist die Hauptfigur leider genauso farblos und steril, wie der gesamte Film, während es vor allem die Nebenfiguren sind, die das Geschehen mitunter etwas unterhaltsamer und nicht ganz so langweilig gestalten.
Weitere Fehler unterlaufen Tykwer auf narrativer Ebene. So ist die Geschichte des Mörders anfangs noch recht flüssig erzählt, die Thematik ist in der ersten Filmhälfte zudem gar nicht mal so uninteressant, außerdem trägt Dustin Hoffman "Das Parfum" teilweise im Alleingang. In der zweiten Filmhälfte wird das Erzähltempo dann jedoch immer langsamer, das Geschehen zieht sich immer mehr in die Länge, bis in der letzten halben Stunde, in der die Hauptfigur im Grunde kein einziges Wort mehr spricht und Tykwer allein durch optische Eindrücke zu unterhalten versucht, im Grunde nur noch gähnende Langweile zu spüren ist, nach der auch das Finale, das eigentlich ernüchternd und bewegend sein sollte, nicht mehr so recht zündet. Und diese extremen Längen und Lücken können auch durch den Erzähler im Hintergrund, der die Geschichte wiedergibt, kaum kompensiert werden.
Einzig die visuelle Komponente ist mehr als gelungen. So überzeugt der Film durchaus durch die stilvollen Kulissen von Paris und anderen französischen Städten des 18. Jahrhunderts, sowie durch die stimmig gewählte Maske, die Garderobe und die sonstige Ausstattung, die sich durchaus sehen lassen kann. Und auch die Art, mit der Tykwer die Gerüche und Eindrücke zu visualisieren versucht, ist durchaus gelungen und kann sich sehen lassen. So gibt es sowohl ästhetische, teilweise auch erotische Einstellungen, etwa von schönen Frauen, aber auch gegensätzliche, mitunter ekelerregende Einstellungen, vom Dreck in den Gossen, toten Tieren, oder den Morden. Präsentiert wird das ganze in Hochglanzoptik und weiß damit durchaus zu gefallen, auch wenn spätestens nach einer halben Stunde erste Verschleißerscheinungen auftreten und der sterile Film so auch kaum noch zu retten ist.
Ein Fest für die Sinne, wie es "Das Parfum" gern wäre, ist es dennoch nicht geworden, denn die akustische Komponente ist ebenfalls misslungen. So sind die melancholischen, eintönigen Klänge auf Dauer nahezu zermürbend und spätestens in der zweiten Filmhälfte, in der das Tempo immer zäher wird, nervt die monotone Musik zusehens, zumal es zu wenig stille Momente gibt. So wird der Optik leider kein gebührender Rahmen geboten und damit ist der Film dann doch genauso blass, farblos und geruchlos, wie seine Hauptfigur.
Ob es nun am mangelnden Talent des eher unbekannten Darstellers Ben Whishaw liegt, dass die Hauptrolle derart schlecht verkörpert wird, oder an Tykwer, der eine solche Darstellung gern sehen wollte, sei mal dahingestellt, aber das, was geboten wird ist schlecht. Whishaw wirkt mehr apathisch als beängstigend, ist zu keinem Zeitpunkt wirklich überzeugend und hat auch nicht das bedrückende, eiskalte Charisma, das einen psychopathischen Killer, wie wir ihn hier haben, für gewöhnlich ausmacht. Hier hätte man einen Hannibal oder einen Jigsaw gebraucht und keinen Killer-Verschnitt vom Rain Man. Dafür ist Dustin Hoffman gewohnt stark und füllt das sterile Geschehen in der ersten Filmhälfte zumindest teilweise mit Leben, während auch Charakter-Routinier Alan Rickman mit gewohnter Leinwandpräsenz voll und ganz zu überzeugen vermag. Darüber hinaus wären noch die solide Rachel Hurd-Wood sowie der starke Kurzauftritt von Karoline Herfurth zu erwähnen.
Fazit:
Mit seiner schwach konstruierten Hauptfigur, die weder als Feindbild, noch als Identifikationsfigur herhalten kann, den zahlreichen narrativen Mängeln und der monotonen akustischen Unterlegung ist das deutsche Pseudo-Meisterwerk "Das Parfum" steril, zäh und langweilig. Da der biedere Film nicht den Mut zu wirklich düsteren Momenten und brutalen Einstellungen hat, genauso, wie zur Dämonisierung des Killers, nutzt ihm auch die gute Optik nicht mehr allzu viel, zumal auch der Hauptdarsteller kläglich scheitert. Ein paar nette Bilder und gute Nebendarsteller, mehr wird hier nicht geboten.