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Pünktlich zum Millenium stand ein Spätausläufer der Mitte Neunziger neu entfachten Slasher Welle in den Videotheken. Gefährlich nah der Vollerotikabteilung platziert, versprach Voyeur.com die Essenz für den lustigen Herrenabend in Form von Titten und Mord zu sein. Big Brother war groß in der Diskussion, Goldgräberstimmung durchzog die New Economy, der beste Zeitpunkt also um beides zu verbinden, bevor das sich noch in der Masse durchsetztende Internet überhaupt ausreichende Bandbreiten bieten konnte, um ein ausreichend ansprechendes Übertragungsergebnis zu ermöglichen.
Da alle wissen, daß the Internet for Porn is, mußte man für die zu erwartende Entwicklung nun auch kein Prophet sein. Und da sich alles .com in dieser Zeit blendend bei Firmen unterbringen lies, war es auch kaum verwunderlich, daß eben auch Voyeur.com schnell Vertrieb fand und dem geneigten Zuschauer in seiner Stammvideothek unter rotem Gütesiegel verfügbar war. Eine super Geschäftsidee.

Wie so oft ist Voyeur.com eine exkremente Seifenblase, die allerdings die bedeutungsschwangere Frage, wie es sei, wenn man so gar nichts kann, zu ganz neuen Dimensionen verhilft und Machwerke der Marke Fantom Killer oder Horrorvision wie tiefgängige Meisterleistungen erscheinen läßt, ja sogar Exploitation Bodensatz wie California Axe Massacre im Kampf um den schlechtesten, gehaltlosesten Film in den Schatten stellt.
In der ultramies gehandhabten Optik eines unverschämt billigen US Plastik Softpornos richten Geeks nach ihrer Geschäftsidee ein Haus mit Kameras ein, in dem unspektakuläre bis widerliche Dumpfbacken eine Erotik WG gründen. Wenn man nun praktisch nichts an versprochener Erotik geboten bekommt, könnte man dies anhand der fehlenden Reizobjekte ja noch verschmerzen, gar ein Abschalten der Probantinnen als Erlösung begrüßen.

Wenn diese dann jedoch endlich mal in Kraft tritt, dann durch einen an Scream angelehnten Kuttenheinz, der ungelenk Teil eines der beliebtesten Amateurfehler wird. Können die besseren No Budget Filme ein nicht vorhandenes Drehbuch noch durch unfreiwillige Komik oder die Bereitschaft der sozialethisch unkorrekten Exploitation - und im besten Fall beidem - kompensieren, so steht Voyeur.com vor folgendem Problem: Er ist strunzlangweilig.
Die vorhandenen, wenn auch nicht sonderlich anregenden, Frauen bekommen trotz erotischem Aufhängers nicht im Ansatz die Gelegenheit, sich anreizend in Pose zu setzen. Die Möglichkeit, aus der Anwesenheit eines Killers wenigstens ein bisschen Suspense herauszukitzeln, wird vollständig ignoriert. Und die Morde selber finden, um das ganze zu toppen, dann auch noch ohne jegliche Effekte statt, sofern man von ein bisschen Kunstblut absieht.

Was ich damals nicht hatte ahnen können: Jahre später wird dieser Auswurf, in dem wirklich absolut Nichts passiert, ausser, daß sich schauspielerische Grätschen 90 Minuten vor einer Kamera aufhalten, um Filmfreunden den letzten Nerv zu rauben, tatsächlich indiziert! Hierbei muß man schon fast von einer Verschwörung des Vertriebes mit den Behörden ausgehen, denn was genau ist an dem Film, der ohnehin ab 18 Jahren freigegeben war und bereits mehrfach im Fernsehen lief, bitte schwerer jugendgefährdend, als an Filmen wie A Nightmare On Elm Street, Lady Snowblood, Death Proof oder Tödliche Versprechen, die allesamt mit einer FSK 16 aufwarten dürfen?
Es ist bestimmt kein falscher Schachzug, die Umwelt vor dieser Zuschauerfolter schützen zu wollen, jedoch ist der eigentliche Effekt einer Indizierung doch wieder der heimliche Werbeeffekt auf dem Einkaufsratgeber für Splatterkids, was Vertrieb und Händlern ermöglicht, Voyeur.com Restexemplare zu verhältnismäßig hohem Preis abzustoßen. Man könnte meinen, der Jugendschutz triebe ein Spiel mit den blutlüsternen Indexlesern, in dem sie regelmäßig übelsten Schund auflisten, um Gewaltmasturbatoren indirekt die Zunge heraus zu strecken.

Vielleicht sollte man darüber mal einen Film machen. Er kann nur besser als dieser hier werden. Laßt ihn in Frieden ruhen. Denkt nicht mal daran, ihn anzusehen. Tut euch den Gefallen. Er ist es nicht wert. Er ist nichts wert. Ihr werdet euch nur aufregen ihn gesehen zu haben. Oder abschalten und euch über die Leihgebühr echauffieren. Wirklich. I mean it!

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