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Air Force One (1997)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 13.07.2004, seitdem 839 Mal gelesen


Wenn George W. Bush zum Einschlafen mal eine Wichsvorlage braucht, wird er sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Wolfgang Petersens („Das Boot“, „Troy“) „Air Force One“ ansehen. Ausgerechnet von einem deutschen Regisseur kommt das wohl überpatriotischste, aber handwerklich ordentlich gemachte Filmstück der jüngeren Filmgeschichte. Seien wir mal ehrlich, der Plot wäre sogar für ein B-Movie eine Beleidigung. Wer würde sich heute noch trauen die „Air Force One“ von osteuropäischen Terroristen entführen zu lassen und dann den Präsidenten in allerfeinster „Die Hard“ – Manier im Alleingang einen nach dem anderen auszuschalten zu lassen?

So flach der Plot auch ist, das Szenario gewinnt schnell an Fahrt und bietet dann auch spannende Unterhaltung. Doch vorweg muss Präsident Marshall (Harrison Ford, „Indiana Jones“, „Star Wars“) eine Rede zum Thema Terrorismus (*hust, hust*) halten, sich an Bord als Football-Fan, Kumpeltyp und Vorzeigefamilienvater outen, sowie einen Seitenhieb auf Saddam Hussein vom Stapel lassen. Das amerikanische Publikum dürfte ihn lieben und geliebt haben, da er zudem noch Kriegsveteran ist. Weit weniger lieb gewonnen haben ihn die Terroristen um Ivan Korshunov (Gary Oldman, „The Fifth Element“, „Léon“ ), denn die wollen ihm ans Leder und ihren General Ivan Radek (Jürgen Prochnow) freipressen.

Kaum abgehoben, beginnt der Terror an Bord. Ein verräterischer Bodyguard (ironischerweise „24“ - Star Xander Berkeley) sorgt für Ablenkung, so dass die ideologisch Verpeilten den Rest der Besatzung dezimieren oder als Geisel nehmen können. Nur Marshall, der vermeintlich mit einer Rettungskapsel entwischt ist, bekommen sie nicht in ihre Finger.

So vorhersehbar und typisch die Szenen um den Krisenstab und Vice-President Glenn Close auch sind, so temporeich ist die Chose an Bord. Der Stop auf Ramstein schlägt fehl und während Schurke Oldman die ersten Geiseln hinrichtet, muss Washington feststellen, dass ihr Präsident noch an Bord ist, worauf fleißig mit der Verfassung an seinem Stuhl gesägt wird. Immerhin ist er persönlich in den Ärger verwickelt und somit nicht mehr frei entscheidungsfähig. Für ihn gefreut wird sich am Ende aber natürlich trotzdem.

Fast wie eine Beleidigung des Zuschauer-Iqs fällt die sich nun lostretende Handlung aus. Marshall schaltet nicht nur einen Terroristen nach dem anderen aus, sondern erklärt per Telefon nebenbei auch noch seinem Stab wie das Problem am Besten zu lösen ist. Die Shootouts sind semiblutig, die Konfrontationen wirken sehr realistisch. Vor allem dann, wenn die Waffen mal beiseite gelegt werden und sich gegenseitig die Fresse poliert wird, merkt man, dass hier kein Rambo-Verschnitt, sondern ein um sein Leben kämpfender Präsident die Fäuste schwingt.

Abwechslung wird ab der Entführung kaum geboten. Das Finale wird noch mal heraus gezögert, Gary Oldman geht zu früh über den Jordan und die CGI-Kreationen um die F-16-Staffel, die angreifenden MIGs und die finale Bruchlandung sehen doch noch sehr künstlich aus. Zu der Zeit waren die Effekte aber natürlich auch noch nicht so weit entwickelt.

Der für Kevin Costner in die Bresche gesprungene Harrison Ford schlägt sich in der Rolle des U.S. – Präsidenten recht ordentlich, hat in seiner Rolle aber auch kaum Zeit irgendwelche schauspielerischen Glanzpunkte zu setzen. Während man ihm in dieser körperlichen Verfassung noch einen vierten „Indiana „Jones“ – Film zugetraut hätte, darf nach seinem letztjährigen „Hollywood Homicide“ doch schon ein bisschen daran gezweifelt werden.
Der inzwischen leider in der Versenkung verschwundene Gary Oldman präsentiert sich hier einmal mehr als einer der Vorzeigebösewichte der Neunziger und darf mit seiner harten Gangart viel Härte, sowie Gnaden- und Skrupellosigkeit ausstrahlen. Nebenfiguren wie Glenn Close, müssen sowieso nur verzweifelt aus der Wäsche schauen.

Fazit:
Extrem dummer, aber wenn man sich nicht zu sehr über die Prämisse aufregt, unterhaltsamer „Die Hard“- Rip-Off, der, trotz Drehbuchschwächen im letzten Drittel, dank der temporeichen Inszenierung gut zu unterhalten weiß. Ein wenig mehr Abwechslung und eine Einschränkung der Heldenglorifizierung in Bezug auf den Präsidenten hätten trotzdem nicht geschadet.


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