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Black Book (2006)
Eine Kritik von Grüne Spritze (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 09.04.2007, seitdem 778 Mal gelesen
Egal ob Hollywood oder Holland – Paul Verhoevens Stil ist unverkennbar. Nach einer Hollywood-Karriere voller Hochs („RoboCop“, „Basic Instinct“, „Total Recall“) und Tiefs („Showgirls“) hat es den Regisseur wieder in seine Heimat verschlagen. „Black Book“ ist Verhoevens unterhaltsamster Film seit seinem SF-Splatter-Klassiker „Starship Troopers“ – obwohl das auch keine Kunst ist, denn zwischen den beiden Filmen lag nur der mäßige Thriller „Hollow Man“. Allerdings ist „Black Book“ wesentlich ambitionierter als sämtliche Hollywood-Verhoevens zusammen.
Angesiedelt im von den Deutschen besetzten Holland des Jahres 1944 erzählt „Black Book“ (bzw. „Zwartboek“, wie er im Original heißt) eine rasante Geschichte um Widerstand, Verrat, Gewalt, Sex und Überleben. Die Hauptdarstellerin Carice van Houten wird hiernach sicherlich mit Rollenangeboten aus Hollywood überhäuft werden. Denn sie sieht nicht nur gut aus (und ist ziemlich zeigefreudig), sondern sie schafft es mühelos, den gesamten Film auf ihren Schultern zu tragen. Unterstützt wird sie dabei unter anderem Sebastian Koch, der letztes Jahr in „Das Leben der Anderen“ glänzte und der hier als SS-Offizier ein weiteres Mal überzeugt.
„Black Book“ ist kein schnödes europäisches Weltkriegsdrama, sondern ein echter Verhoeven durch und durch. Der Regisseur mischt hier europäisches Autorenkino mit Elementen des Hollywood-Thrillers, Exploitation und einem Schuss Romantik. Verhoeven ist ein genialer Geschichtenerzähler, der es mit seiner furiosen Inszenierung schafft, dass der Film einer der spannendsten der letzten 12 Monate ist. Über fast zweieinhalb Stunden fiebert und leidet der Zuschauer ohne Verschnaufpause mit. Verhoeven, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich war, packt immer neue überraschende Wendungen aus und geizt natürlich nicht mit jeder Menge nackter Haut und Gewalt. Das jedoch nicht so selbstzweckhaft, dass der Anspruch des Films verloren gehen würde.
Mit einem Budget von 16 Mio. Euro ist „Black Book“, der auch für Holland ins diesjährige Oscarrennen ging, sicher eine Nummer kleiner ausgefallen als Verhoevens 100-Mio.-Dollar-Produktionen, aber der Film sieht zu keiner Sekunde nach Low Budget aus. Für eine europäische Produktion ohne Hollywood-Stars sind 16 Mio. Euro ja auch kein Pappenstiel. Von den Produktionswerten kann der Film also durchaus mit Vergleichbarem wie „Der Untergang“ mithalten. Hoffentlich braucht Verhoeven nicht wieder sechs Jahre bis zu einem neuen Film. Wenn er weiterhin Filme wie „Black Book“ macht, kann er auch getrost in Holland bleiben und Hollywood den Rücken zukehren.
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