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Letzte Mohikaner, Der (1992)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 22.04.2004, seitdem 2011 Mal gelesen


Michael Manns erstes Großprojekt erreicht zwar nicht ganz die Klasse seiner späteren Meisterwerke „Heat“ und „The Insider“, zeigt aber bereits deutlich, was für ein begnadeter Regisseur er ist. Mit „The Last of the Mohicans“ nahm er sich einem historischen Stoff an, in dem sich, wie in seinen folgenden Filmen auch, ein Mann, couragiert für seine Ansichten einsteht und dafür viel in Kauf nimmt.

Mitten im Kolonialkrieg des 18. Jahrhunderts wird der weiße, von Indianern groß gezogene Nathaniel (Daniel Day-Lewis) widerwillig, eigentlich stets darum bemüht sich herauszuhalten, in den Konflikt zwischen Engländern und Franzosen verstrickt. Als er zusammen mit seinem Ziehvater und dessen leiblichen Sohn den beiden Töchter des hochrangigen Colonels Munro, die in einen Hinterhalt geraten, zu Hilfe eilt, steckt er unversehens mitten drin.

Audiovisuell trägt „The Last of the Mohicans” schon die Handschrift Manns, auch wenn das Gezeigte noch nicht ganz so ausgefeilt wirkt. Dank seines Stammkameramanns Dante Spinotti sind besonders die, von Trevor Jones und Randy Edelmans Kompositionen begleiteten, Schlachten und Scharmützel beeindruckend. Nicht zuletzt durch die doch recht rohe und nicht sonderlich zimperliche Gewaltdarstellung und dem daraus resultierenden Gefühl sich stets mitten im Getümmel zu befinden.

Kritisch wird nicht nur das „Einspannen“ von verfeindeten Indianerstämmen thematisiert. Auch die Ausnutzung der Siedler, die, um endlich unabhängig zu sein, schon das riskante Leben im Grenzland auf sich nehmen, dennoch trotzdem als Kanonenfutter verheizt werden, wird kritisiert. Längst ist der Westen nicht mehr das freie Land, das so viele Western glorifizierten, sondern ein großes Stück Erde, um das sich europäische Nationen balgen.

Untypisch für Mann ist hier der straffe Handlungsablauf, lieferte er später doch keinen Film mehr ab, der keine Überlänge besaß und jede wichtige Figur bis ins kleinste Detail analysierte. Szenenweise wirkt der Film recht gehetzt und insgesamt betrachtet kommen fast alle Charaktere, bis auf Nathaniel und Cora Munro, hier viel zu kurz. Wer die Literaturvorlage kennt wird schnell feststellen, dass aus James Fenimore Coopers Klassiker sehr viel heraus gekürzt wurde. Insbesondere dem nach „Dances with Wolves“ wieder furios und herrlich fies aufspielendem Wes Studi hätte man wesentlich mehr Screentime einräumen können. So sind die englischen Offiziere alles engstirnige Unsympathen, denen die Krone über alles geht, die Franzosen sprechen durch die Bank weg mit einem schwulen Akzent und die sich doch recht plötzlich entwickelnde Liebe der beiden Hauptfiguren ist mehr als nur unglücklich.

Doch auch wenn die Handlung, aufgrund ihrer Raffung, nicht ganz überzeugen kann, ist „The Last of the Mohicans” ein optisches Erlebnis, was er nicht zuletzt dem intensiv spielenden Daniel Day-Lewis und, der in der deutschen Synchronisation mit Demi Moores Stimme etwas unglücklich ausgestatteten, Madeleine Stowe zu verdanken hat. Die Kameraschwenks und die dazugehörigen Naturaufnahmen wie auch pompösen Schlachten sind allein schon einen Blick wert.

Fazit:
Michael Manns erster „Großer“ ist noch nicht der große Wurf, aber ein spannend erzähltes, prächtiges Abenteuerdrama, das mit großartigen Bildmotiven aufwarten kann. Dank der hervorragenden Schauspieler und den spektakulären Auseinandersetzungen, fällt die extrem geraffte Handlung nicht ganz so stark ins Gewicht. Dennoch hätte, vor allem was Charakterzeichnung angeht, hier einiges ausführlicher ausfallen dürfen.


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