"Saw III" war seit langem mein intensivster und fesselndster Kinobesuch. Bei diesem Film erleben wahrlich viele Zuschauer ihre Grenzen, was Gewaltdarstellungen sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Von der satirischen Selbstparodie des Genres, wie sie in den 90ern in Form der klassischen "Slasher" "Scream" und "I know what you did last summer" und ihrer unzähligen Nachfolger nebst Parodien der Parodie wie "Scary Movie" durch die Horrorszene fegte, ist so gut wie nichts mehr übriggeblieben. Vielleicht infolge einer veränderten Weltsicherheitslage ist das Moment des Überlebenskampfes wieder stark präsent.
Was "Saw III" groß macht, ist nicht unbedingt der Härtegrad der gezeigten Gewalt. Es findet ja meistens nicht mal Gewalt in dem Sinne von "Mensch gegen Mensch" oder "Tier/Monster gegen Mensch" statt, wie sie uns der Horrorfilm immer gezeigt hat, sondern die blutigen Akte werden von gesichtslosen Maschinerien durchgeführt, rostmetallenen Mechanismen, die sich nicht ansprechen oder in irgendeiner Form manipulieren lassen. Es handelt sich um eine Intensivierung der tödlichen Bedrohung vor dem Hintergrund eines Zeitalters, in dem dem Menschen seine technischen Kreaturen entgleiten und ein Eigenleben entwickeln. Die Beeinflussbarkeit durch die Testpersonen, denen "Jigsaw", Zeremonienmeister der virtuosen Zerstückelungsmechanismen, vom Krankenlager aus gebietet, ist prinzipiell noch gegeben, aber der Sog der Vernichtung reißt am Ende doch so ziemlich alles mit, was da lebt und atmet.
Das hochtechnisierte Zeitalter unserer Gegenwart wird in Form der "Jigsaw"schen Tötungsmaschinerien böse reflektiert, aber auch kontrastiert; die Fallen sind zwar hochintelligent gebaut, jedoch rostig, widerlich und in jedem Baudetail die Perfidie des Erbauers widerspiegelnd. Hinzu treten auch die schrecklichen Kräfte der Natur - tödliche Kälte bringt die eine, den ekelhaften Hauch der Zersetzung die andere Falle. Die "Engelfalle" wird in ihrer Tätigkeit geradezu hingebungsvoll und in idealisierender Perspektive in Szene gesetzt. Es ist ein Feuerwerk diabolischer und in ihrer Art hochästhetischer Grausamkeit, das sich vor uns entfaltet und aufgrund seiner Intensität und Kompromisslosigkeit das ungerechtfertigte Attribut "Gewaltporno" einheimst. Leute, wenn das ein Porno ist, dann aber ein verdammt guter. Sicher ist der Handlungsanteil ausgedünnt - was aufgrund der klaustrophobischen Ausgangslage nur konsequent ist -, aber die durchschlagende Optik und Akustik reißt mit. Die Kreativität, mit der die neuen Bosheiten "Jigsaws" ausgedacht und ins Bild umgesetzt worden, lässt kaum Wünsche an konsequente Plastizität im Horrorgenre unerfüllt. Hier geht es wirklich ans Eingemachte, und die ständig präsente Atmosphäre düsterer, verfallener alter Fabrikhallen und Werkstätten trägt nicht wenig zum stimmigen und umwerfenden Gesamtbild bei.
Tobin Bell, Shawnee Smith (deren Figur "Amanda" hier stark ins Zentrum rückt), Dina Meyer und andere liebgewonnene Akteure der Reihe wissen auch hier wieder für sich einzunehmen. Mit Angus MacFadyen und Bahar Soomekh kommen zwei neue Gesichter ins Spiel. MacFadyen überzeugt weniger als seine Mitstreiter, aber insgesamt wird hier gute Arbeit geleistet. Auch die Filmmusik weiß für sich einzunehmen, besonders wenn das geläufige musikalische Thema der Reihe in neuer Instrumentierung wieder aufgenommen wird.
Insgesamt nach "The hills have eyes (2006)" wieder ein Markstein der neuen Konsequenz im Horrorkino. Optisch fulminant und grausam detailliert. Wer plastischen und intensiven Horror mag, ist hier genau richtig!