Als allererstes verabschieden wir uns vom deutschen Titel Panik um King Kong. Wie der Originaltitel Mighty Joe Young schon nahelegt, hat der Film nicht viel mit dem unvergeßlichen Klassiker King Kong und die weiße Frau gemein. Das wiederum ist aber auch nur die halbe Wahrheit, findet der geneigte Filmfreund hier doch die vielleicht größtmöglichen Parallelen der im Fahrwasser schwimmenden Affenfilme wieder, ja, könnte man gerechtfertigt behaupten, Mighty Joe Young sei eigentlich das würdevolle Sequel, welches dem hier einen Weltkrieg später unter dem Banner von RKO wieder vereinten Team aus Produzent und Ideengeber Merian C. Cooper, Regisseur Ernest B. Schoedsack, Drehbuchautorin Ruth Rose und Effektmeister Willis O'Brien mit The Son of Kong nur bedingt gelungen ist. Sogar Carl Denham Darsteller Robert Armstrong ist in einer ähnlichen Rolle wieder mit von der Partie; zusätzliche Unterstützung liefern Produzent John Ford, welcher seine Affinität zu berittenen Westmännern einbrachte und der sein animatorisches Spielfilmdebüt gebende Ray Harryhausen, der nach seiner überwältigenden Rezeption King Kongs nicht geruht hatte, bevor er O'Briens Schüler werden konnte.
Nicht zu leugnen ist, daß es auch hier einen Riesenaffen in ein amerikanisches Etablissement verschlägt. Dennoch läßt sich der Film so ganz und gar nicht als Abziehbild abstempeln. In King Kong und die weiße Frau gab es noch kaum Zeit für Kong, seine gefühlvolle Seite zu präsentieren. Das Drama provozierte die wütende Bestie und so in die Enge getrieben konnte die Figur sich nur schwer vom Sinnbild für die Zerstörung befreien. In The Son of Kong spielte die Reue Denhams eine zentrale Rolle, die zu einem Miteinander mit Kong Junior führte. Von beiden Versionen profitiert nun Mighty Joe Young, läßt die urzeitliche Welt von Skull Island außen vor, um in Afrika einen Gorilla zu präsentieren, der, von Jill Young (Terry Moore) adoptiert, vom Säuglingsalter an in menschlicher Obhut aufgewachsen ist.
Es ist wieder Robert Armstrong, der diesmal in der Rolle von Max O'Hara nach Afrika aufbricht, nun allerdings mit lassoschwingenden Cowboys und einer klaren Vorstellung im Gepäck, wilde Tiere für den Nachtclub Golden Safari einfangen zu wollen. Die Begegnung mit dem schmusigen Ungetüm geschieht rein zufällig und daß der ausgewachsene Joe damit nicht einverstanden ist, gefangen zu werden, liegt auf der Hand. Es bedarf allerdings nur einer freundlichen Bitte Jills, ihn zur Ruhe zu mahnen. In den Club nach Hollywood verschlägt es sie erst aufgrund Vertragsverhandlungen, bei denen O'Hara in der noch jungen Jill, die nach dem Ableben ihres Vaters allein auf der Farm lebt, keinen schweren Verhandlungspartner vorfindet.
In Hollywood angekommen werden Jill Young und ihr pelziges Patenkind zu den Stars der Show. Obwohl Mighty Joe in Kraftproben keinen Hehl um seine unglaubliche Stärke macht, so dauert es hier eine ganze Weile, bis der Affe mürrisch wird. In immer wieder neuen Programmen folgt er Jill auf die Bühne. Auch als diese nur aus vertraglichen Gründen noch in den Staaten verweilt, hätte diese Freundschaft nichts erschüttert, doch wesentlich deutlicher als in King Kong und die weiße Frau ist es auch in Mighty Joe Young der menschliche Abgrund, der zu einer Eskalation führt. Beschwippste Banausen entern just des Lokals verwiesen die Kellerräume des Golden Safari, wo sie Joe Young der Rache und des Spaßes willen mit allerlei Hochprozentigem abfüllen.
Erst hier entgleist das Biest und schlägt den Club zu Klump, worauf die Obrigkeit auf eine Exekution des vermeintlichen Monsters besteht. Es sei soviel verraten, daß es zu einem wesentlich freundlicheren Ausgang als noch zu Kongs Zeiten kommt, was den Film ohne ihn der geliebten Action zu berauben gleichwohl familenfreundlicher ausfallen läßt.
Für den Stop Motion Fan bedeutet dies auf nahezu voller Distanz ein komplexes Feuerwerk der Animationskunst, bei dem vornehmlich Ray Harryhausen Hand anlegte und so einen schon kaum nachzuahmenden Stil an den Tag legen konnte. Frame für Frame arrangierte er Front- und Rearprojections mit Miniaturen, wobei insbesondere das Timing bei der Interaktion mit real gefilmten Elementen atemberaubend ist. Da wird Joe Young von Lassos zu Boden gerissen oder verwandelt sich - für das ungeübte Auge unbemerkt - ein in die Gesamtszenerie eingefügter Löwe in seiner Hand zu einer Miniatur, die über den Kopf geworfen wieder als echtes Tier zu Boden fällt. Lianenschwingen oder zusätzlich an Drähten bildweise mit zu bewegende Bruchstücke von zerstörten Gebäudeteilen oder Einrichtungsgenständen lassen am Geisteszustand Harryhausens zweifeln - wer würde sich sonst einen so hohen Aufwand aufbürden, bedarf es doch allein schon 24 einzelner Aufnahmen, um nur eine Sekunde Filmmaterial zu erreichen.
Um dies zu toppen konnte Harryhausen die Expressionen des Affen deutlich verfeinern. Hierbei orientierte er sich nur an wenigen Gestiken King Kongs, sparte die comiclastige Entwicklung von The Son of Kong weitestgehend aus und entwickelte eigenständig das Schauspiel einer Puppe, welches kaum realistischer hätte ausfallen können. Insbesondere die liebevoll umgesetzte Mimik läßt dem Zuschauer das Herz aufgehen und spielt die fleischliche Konkurrenz mühelos an die Wand.
Warum Mighty Joe Young in einer solch stimmigen Kombination aus guter Geschichte und hervorragenden Effekten trotzdem lange nicht so erfolgreich einschlug wie Kollege King Kong vermag wohl niemand definitiv zu beantworten. Zumindest ein Academy Award für die Special Effects war dann doch drin. Dank einer stetigen Nachfrage ist der Film, welcher sich zu den wenigen Monsterstreifen zählen darf, die keine Angriffspunkte für eventuelle Schundvorwürfe bieten, jedoch nie in Vergessenheit geraten. An Unterhaltungsfilmen interessierte Cineasten dürfen so weiterhin ein famoses Meisterwerk entdecken, welchem Mein großer Freund Joe im Computerzeitalter nicht gerecht werden konnte. Ein Grund mehr in unseren Breiten den beschwerlichen Importweg anzutreten, den ein Erwerb des Originals auf DVD momentan immer noch erfordert. Dieser lohnt sich aber absolut und das nicht nur für Fans von King Kong und die weiße Frau, besitzt er doch die Seele, die moderne CGI Produktionen immernoch großteils vermissen lassen.