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Zodiac - Die Spur des Killers (2007)

Eine Kritik von Bretzelburger (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 01.06.2007, seitdem 2468 Mal gelesen


Die Suche nach dem Unbekannten war schon immer ein Urtrieb des Menschen und unzählige Filme haben spannungsgeladene Geschichten darüber erzählt, die uns Zuschauer nach einer Auflösung gieren ließen. In einer letzten extatischen Szene wurde im Idealfall eine Lösung präsentiert, die den Täter überführte, die die zuvor gezeigten Stränge logisch und einleuchtend erscheinen ließ und uns vielleicht erschütterte, aber letztendlich befriedigt aus dem Kinosaal entließ. Gerade Fincher's "Seven" war ein Paradebeispiel für diese Art der Erzählung.

Doch was ist, wenn es keine Erklärung gibt ? - Wenn immer ein Zweifel bleibt und uns die erhoffte Erlösung vorenthalten bleibt ? - Fincher befindet sich mit "Zodiac" auf den Spuren von "Seven", aber er beschreibt die Selbstzerstörung nicht mehr an Hand einer plakativen Darstellung der menschlichen Abgründe, sondern spürt diese deutlich subtiler in dem inneren Zwang auf, Klarheit (und damit eine Erlösung) erlangen zu wollen. Hier entsteht die Spannung nicht durch eine sich immer mehr nähernde Auflösung, sondern dadurch, daß die damit verbundene Katharsis den Ermittlern (und dem Zuschauer) dauerhaft vorenthalten werden könnte. Eine Ahnung davon gibt Fincher schon mit seiner ersten Einblendung, die erläutert, daß dem Film eine wahre Begebenheit als Grundlage diente.

Ähnlich zu seinem früheren Meisterwerk, konzentriert sich Fincher auch in "Zodiac" hauptsächlich auf die Ermittler, während die Opfer nahezu keine Rolle spielen. So wird - anders als in den meisten Kriminalfilmen - die Intention der Ermittler nie mit dem Schutz der Bevölkerung erklärt oder gar Rache für die Opfer eingefordert, sondern immer scheint der Antrieb dazu, den Killer fassen zu wollen, nur aus einem inneren Zwang heraus zu erfolgen. Einher geht diese Vorgehensweise mit einer sehr kühlen, fast lakonischen Art der Beschreibung der Morde. Fincher schildert die Verbrechen nur mit wenigen Konzessionen an das klassische Spannungskino. Die Opfer sind und bleiben dem Zuschauer unbekannt und Fincher versucht kaum Mitgefühl mit ihnen zu erzeugen. Viel mehr charakterisiert er den Täter durch die exakten und in ruhigem Tempo geschilderten Abläufe, die zwar nur eine Ahnung des "Zodiac"-Mörders vermitteln, aber gleichzeitig die Faszination erhöhen, diesem Massenmörder auf die Schliche kommen zu wollen.

Und hier liegt der größte Unterschied zu "Seven", der Fincher's Reifeprozess verdeutlicht. Zwar verklausulierte er den Täter in "Seven" auch schon als sogenannten "Durchschnittsmann", aber dessen Beweggründe werden mit der Zeit klar ersichtlich. Dagegen bleiben Zodiac's Intentionen immer im Dunklen - man kann sich nicht einmal sicher sein, welche Morde tatsächlich auf sein Konto gehen und auch seine Spielchen, die er mit der Presse, dem Fernsehen und der Polizei treibt, bekommen nie einen klaren Hintergrund. An dieser Stelle wird auch offensichtlich, warum Fincher zu diesem realen Fall griff, anstatt sich eine ähnliche Geschichte auszudenken. Durch diesen Kniff bekommt er eine Authentizität in den Film und in die darin verankerte anhaltende Ungewissheit, wie er sie nie durch eine fiktive Geschichte erreicht hätte.

Mit diesem Schritt erneuert Fincher tatsächlich das Serienkiller-Genre. Anders als bisher üblich, verzichtet er hier auf den genreüblichen Voyeurismus, der sich an den reihenweise abgeschlachteten Opfern delektierte. Wir werden ,auch anders als in "Seven" , aus gespannten Beobachtern zu unmittelbar Beteiligten.
Die Sucht, die in "Zodiac" die Polizeibeamten David Toschi (Mark Ruffalo, so überzeugend wie nie) und William Armstrong (Anthony Edwards) , den Journalisten Paul Avery (Robert Downey Jr.) und besonders den Karikaturisten Robert Graysmith (Jake Gyllenhaal) erfasst, überträgt sich auch auf den Betrachter. Ähnlich wie die Protagonisten, die die Kontrolle über sich mehr und mehr verlieren und deren Leben damit aus den Fugen gerät (großartig Chloe Savigny als Graysmiths Frau) ,interessieren auch wir uns nur noch dafür, das Rätsel endlich zu lösen. Das Privatleben verschwindet auch in Fincher's Film immer mehr im Hintergrund...

Dadurch gelingt Fincher etwas Einmaliges - obwohl die Morde schon sehr früh gezeigt werden, anders als in dem hier zitierten "Dirty Harry" nicht auf vordergründige Emotionen gesetzt wird und dazu noch eine unendliche Menge an Details vor unseren Augen ausgebreitet wird, entsteht eine ungeheure Spannung, die regelrecht körperlich zu spüren ist. Zu verdanken ist das neben der Kameraführung mit überraschenden Blickwinkeln, vor allem einer äußerst exakten Schilderung, die trotz der komplexen Handlung nie die Übersicht verliert und den Spannungsbogen bis zuletzt aufrecht erhält.

Fazit : Sehr intelligenter und psychologisch überzeugend inszenierter Thriller, der an Hand eines realen Serienkiller-Falles erzählt wird. Anders als bei ähnlich gearteten Filmen, interessiert sich Fincher hier weniger für den Mörder oder seine Opfer, sondern begleitet uns in die seelischen Abgründe der Ermittler, an deren an Sucht grenzende Suche nach dem Killer wir unmittelbar teilhaben.

"Zodiac" ist streng genommen eine Abkehr vom typischen Thriller und erwartet vom Betrachter eine entsprechende Aufgeschlossenheit, wodurch sich auch der geringe Erfolg beim Kinopublikum in den USA erklärt. Denn Fincher geht es nicht um Erlösung, sondern um die Konfrontation mit dem Ungewissen - eine Konstellation, die ihre Spannung quasi aus sich selbst heraus erzeugt und im Betrachter nachwirkt (9/10)


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