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Zodiac - Die Spur des Killers (2007)

Eine Kritik von Grüne Spritze (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 01.06.2007, seitdem 542 Mal gelesen


Lange musste man auf den neuen Film von David Fincher warten; ständige Verschiebungen stellten die Geduld der Fans auf eine harte Probe. Hat sich das Warten gelohnt? Ja, unbedingt. Nur ist „Zodiac“ ein Film, von dem man leicht enttäuscht sein kann, wenn man mit den falschen Erwartungen herangeht. So sollte man nicht mit einen weiteren Hochspannungs-Thriller von Fincher der Marke „Sieben“, „The Game“ oder „Fight Club“ rechnen; Filme, die den Ausnahmeregisseur in den 90er-Jahren in Hollywoods erste Liga katapultiert haben und zurecht als Klassiker gelten.

Fincher hat aber mehr auf dem Kasten, als immer nur das gleiche Schema anzubieten. Dabei macht er es dem Zuschauer mit seinem aufwendig recherchierten Film über den Zodiac-Killer, der nie gefasst wurde, nicht gerade einfach. Statt einen weiteren „Sieben“ abzuliefern, setzt er einem mit „Zodiac“ einen zweieinhalbstündigen Brocken vor, der schon etwas Durchhaltevermögen voraussetzt und auf Plakativität, überraschende Handlungswendungen und ähnliches gänzlich verzichtet. Fincher selbst bezeichnet seinen Film als „Zeitungsfilm“. Das soll heißen, dass es sich um einen Recherchefilm handelt, in dem es um Ermittlungsarbeit, akribische Spurensuche und –auswertung geht statt um beklemmende Täter-Opfer-Situationen oder dramatische Höhepunkte. Ein paar Morde zeigt Fincher im ersten Akt des Films – danach ist mit der Gewalt so gut wie Schluss. Erschwerend kommt noch hinzu, dass nicht klar ist, wer der Täter wirklich ist und es auch am Schluss nicht eindeutig aufgelöst wird (wie auch, wenn er in Wirklichkeit nie geschnappt wurde). Das US-Publikum hatte die falsche Erwartungshaltung an den Film, so dass „Zodiac“ dort gefloppt ist. Und wenn ich davon ausgehe, wie leer das Kino, in dem ich den Film geschaut habe, war, wird es bei uns leider ähnlich sein.

Das ist sehr schade, denn dadurch verpasst man einen der bisher besten Filme des Jahres. Eigentlich hätte „Zodiac“ in die Oscarzeit gehört, denn der Film hätte zumindest meiner Meinung nach in diversen Kategorien Chancen auf eine Nominierung gehabt (inklusive Bester Film). Ein März-Start (in Nordamerika) bzw. Mai-Start (international) liegt jedoch ziemlich ungünstig für die nächsten Awards-Verleihungen. Die Chancen, dass der Film dann (im nächsten Winter) übergangen wird, ist sehr groß, obwohl er es absolut nicht verdient hat.

Da wäre zunächst Fincher selbst als Regisseur, der den nicht einfachen Stoff über die lange Spielzeit so unterhaltsam inszeniert hat, dass keinerlei Langeweile aufkommt. Der Film hat zwei, drei kurze beklemmende Szenen, bei denen der Regisseur die Spannungsschraube enorm anzieht; den Rest der Zeit hat Fincher dem Film jedoch die Art von konstanter Grundspannung verpasst, die andere sehr gute Ermittlungsfilme wie beispielsweise „Die Unbestechlichen“ mit Dustin Hoffman und Robert Redford auszeichnet. Mit diesem Film kann man „Zodiac“ auch wesentlich besser vergleichen als mit „Sieben“ oder „Fight Club“, obwohl Finchers neuer Film ebenfalls seine unverkennbare eigene Handschrift trägt. Fincher selbst hat in monatelanger Kleinarbeit alle Fakten zu dem Thema zusammengetragen – wahrscheinlich auf ähnlich besessene Art wie die von Jake Gyllenhal verkörperte Hauptfigur des Films.

Gyllenhal selbst ist oscarverdächtig, genauso wie Robert Downey Jr. als Reporter mit Alkoholproblem und Mark Ruffalo als ermittelnder Polizist. Was diese drei Personen mit den Hauptpersonen aus „Sieben“ gemeinsam haben, ist ihr Scheitern; hier jedoch auf weit weniger spektakuläre, sondern realistischere und menschlichere Art als dort. Auf die zahlreichen, exzellent besetzten Nebenrollen möchte ich nicht weiter eingehen; aber auch dort gibt es jede Menge herausragende Leistungen zu bewundern. Das Drehbuch ist sowohl vom Handlungsaufbau, als auch von der Detailfreudigkeit und vor allem was die flüssigen, glänzend geschriebenen Dialoge betrifft (auch die deutsche Synchronisation ist sehr gut), eine Klasse für sich.

Weiterhin preisverdächtig ist wie immer bei Fincher die Kamera; auch hier zeigt sich der Regisseur gereift und verzichtet weitgehend (aber nicht ganz) auf besonders extravagante Spielereien. Dennoch oder gerade deswegen gehört die Kamera, die sehr glaubwürdig das 70er-Jahre-Flair einfängt, zum Besten, was man in der Hinsicht in diesem Jahr bisher zu sehen bekam. Apropos 70er-Jahre-Flair: Die Ausstattung, Kostüme und das Make-up des Films, angefangen von den Büros, Autos, Straßen, den Frisuren, der Kleidung usw., wirken derartig glaubwürdig, dass man wirklich den Eindruck hat, einen Film aus den 70ern zu sehen. Wenn da nicht die Kamera wäre, die dem Film zur nötigen Modernität verhilft, ohne die Authentizität zu zerstören. Man könnte noch auf den Schnitt, die Musikauswahl und weitere Punkte eingehen, aber ich denke, das reicht erst einmal.

Tja, ein kommerzieller Misserfolg ist wohl auch in unseren Kinos vorprogrammiert. Zwischen den mehr oder weniger enttäuschenden Mega-Sequels „Spider-Man 3“, „Fluch der Karibik 3“ und „Shrek 3“ wird der Film wohl ignoriert werden. Dazu trägt natürlich auch bei, dass der Film vom Zuschauer verlangt, sich auf ihn einzulassen, und man sein Gehirn an der Kasse nicht wie bei der Konkurrenz gegen einen Eimer Popcorn eintauschen darf. Bleibt zu hoffen, dass der Film später auf DVD sein Publikum finden wird und in einigen Jahren, wenn die Piraten längst vergessen sind, die Leute immer noch fasziniert.


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