Ansicht eines Reviews

Zodiac - Die Spur des Killers (2007)

Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 08.10.2007, seitdem 513 Mal gelesen


David Fincher hat vor einigen Jahren einen der besten Serienkillerfilme aller Zeiten auf den Zuschauer losgelassen, einen Film der so verstörend wie faszinierend war, einen Film der etliche Nachahmer nach sich zog, ein einzigartiges Phänomen: Sieben.

Nun, nach etlichen Jahren, versucht er sich erneut an diesem Thema, diesmal mit einem anderen Ansatz, einem weniger spektakulären, dafür umso realeren Hintergrund beleuchtend. Und das ist auf dem ersten Blick nur gut so.
Denn es gibt nicht wenige Regisseure, die in ihre eigenen Falle getappt sind und versucht haben, schablonenhaft, einen früheren Hit zu imitieren.

Mit Zodiac hält sich Fincher akribisch an die Vorlagen in Form eines Akribisch recherchierten Buches und eigenen "Ermittlungen", Fincher geht dabei so weit zu sagen, wer der Täter sein könnte - natürlich auf Grund der ganzen gezeigten Indizien - doch er tut dies nicht mit absoluter Überzeugung, da der wahre Täter tatsächlich nie gefaßt wurde. So also auch nicht in diesem Film.

Statt sich also auf eine mörderische Hatz nach dem Täter zu begeben, zeichnet er die Wege der Protagonisten nach, die alle im Laufe der Ermittlungen so langsam privat vor die Hunde gehen. Insofern ist der englische Webeslogan: "Es gibt mehrere Wege, sein Leben an einen Mörder zu verlieren" mehr als nur zutreffend.

Ob Downey Jr.'s Charakter tatsächlich wegen Zodiach drogenabhängig wird, wird nicht genau geklärt, man kann es vermuten. Warum Gyllenhalls Charakter so eine Passion für den Fall entwickelt, wird auch nie deutlich.
Tatsächlich bleibt viel Stückwerk und nur angedeutet.
Auf der anderen Ebene wiederum wird Fincher dafür umso deutlicher, wenn er den Hauptverdächtigen ins Bild rückt.

Mit zweienhalb Stunden Laufzeit ist der Film, dafür dass eigentlich actiontechnisch nicht viel passiert, dennoch sehr spannend und kurzweilig gehalten und man hat das Gefühl, man würde den vielleicht definitiven Beitrag zum Genre sehen.

Gäbe es nicht ein paar Makel, die an diesem Film haften bleiben:

1. Er ist viel zu sehr darauf bedacht, diesen Hauptverdächtigen zu präsentieren. Mag sein, dass es tatsächlich der Täter war, aber beispielsweise das Verhör mit ihm wird sehr stark vom Erinnerungsvermögen der tatsächlichen Ermittler diktiert, die ja im Nachhinein betrachte felsenfest davon überzeugt sind, dass er der Täter gewesen sein muße.
Für eine nüchterne Wiedergabe der Tatsachen ist dies nicht objektiv genug gehalten.

2. Immer wieder ergibt sich Fincher dem Spannungsaufbau nach altem Thriller-Muster, indem er bestimmte Szenen aufzeichnet, die lediglich zum Thrill beitragen, aber der Geschichte nicht groß weiterhelfen. Diese Szenen könnte man getrost vergessen.


Und letztlich muß man dem Film in gewisser Weise einen ganz speziellen Vorwurf machen:
Es gibt da einen etwa drei Jahre älteren koreanischen Serienkiller-Thriller, der ebenfalls auf wahren Tatsachen beruht, dessen Täter auch tatsächlich nie gefunden wurde, wo es tatsächlich auch einen Hauptverdächtigen gab, dem man nie etwas nachweisen konnte, wo die Ermittler auch am Fall auf menschlicher Seite gescheitert sind.
Auch jener Film ist in erster Linie ein Zeitkolorit jener vorherrscheneden Zeit, auch jener Filmbedient sich vieler Thriller-Elemente, auch jener Film läßt einzelne Opfer vor unseren Augen sterben, so dass auch jener Film bis zum Ende spannend bleibt, ob man den Täter irgendwie zu fassen kriegt oder nicht.
Wenn man nun gewisse Szenen in Zodiac sieht, hat man immer mal das Gefühl, diese Szenen wären schon vorher in diesem anderen Film aus Korea drin gewesen, nur besser.
Da ist zum Beispiel die Szene, in der Jake Gyllenhall dem Mörder unbedingt von Angesicht zu Angesicht begegnen will, gibt es in dem koreanischen Film auch auf eine bestimmte Art, nur kraftvoller.
Am Ende geht der Polizist immer wieder zum ersten Tatort, wo er in den Fall involviert wurde. Das ist ein übliches Thriller-Element, was man aus diversen Kriminalfilmen kennt. Aber im koreanischen Film wird dieser Aspekt viel menschlicher, viel größer, viel tragischer dargelegt.
Was den koreanischen Film ebenso auszeichnet ist ein stringender Spannungsaufbau, der ihn von einer lockeren Kriminalgeschichte zu einer klassischen wuchtigen Kriminaltragödie steigert. Zodiac hingegen bleibt in gewisser Weise recht monoton in seiner Erzählstruktur.

Ich will jetzt nicht sagen, dass Zodiac ein mißlungenes Remake ist, dafür sind die Geschichten dann doch zu unterschieldich. Es ist nur recht offensichtlich, dass Fincher diesen koreanischen Film gesehen haben muß und sich dadurch hat beeinflussen lassen.
Und wie üblich in amerikanischen Produktionen sind die übernommenen Szenen ungleich stilloser und schlechter übernommen worden.
Dennoch Zodiac ist ein überdurchschnittlich guter Film, nur halt nicht annähernd so gut wie Sieben und erst recht nicht so gut wie jener koreanische Film. Denn dafür ist dieser Film einfach nicht massentauglich genug, irgendwie zu monoton gedreht, auch wenn es hier und da mal kleinere spannende Passagen gibt.

Der Titel des koreanischen Films lautet "Memories of Murder" und es gibt ihn denke ich in besseren Videotheken zum Leihen oder auch zum kaufen. Und und wem Zodiac gefallen hat, der dürfte Memories of Murder lieben, beide Filme sind sehr ähnlich.

7 Punkte


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Der Ewige Lawrence" lesen? Oder ein anderes Review zu "Zodiac - Die Spur des Killers (2007)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Der Ewige Lawrence

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

614 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


True Justice [TV-Serie] (2010)
Sexual-Terror der entfesselten Vampire (1971)
Ich spuck auf dein Grab (1978)
Paragraph 78: Punkt 1 (2007)
Traxx (1988)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich