Review

Eine neue Runde amateurhaftes Stück gewaltausstossender Scheisse.

Herr Andreas Schnaas gilt neben Ittenbach als Begründer des simplen Amateursplatters aus deutschen Landen, fertigte er doch 1989 den vor dilletantischer Inszenierung strotzenden Hirnlosslashersplatter Violent Shit, so dass sich vor Blutfontänen lächzenden Filmfans keiner mehr retten konnte. Mit minimalstem Budget und der typischen Untalentsdarstellertruppe aus Familie, Freundeskreis und Umgebung entstand anno dazumal ein Kleinod filmischer "Kunst", dass man zwar irgendwie als Kult bezeichnen kann, aber über weite Strecken, zumindest für Cineasten eine wahre Beleidigung wurde. Beleidigung als Film hin oder her, Schnaas beabsichtigte bloss ein Werk zu kreieren, so minimal in seiner Charakterzeichnung und Story es auch ist, dass vordergründig das Ziel hatte in reichlich Gekröse und Goreeskapaden zu enden. Nicht mehr und auch nicht weniger. Ferner gelang das Schnaas auch zweifellos, verstand er es aber nicht, dass Ganze über weite Strecken ansehnlich zu schmücken, sind die Effekte grösstenteils billigster Müll, die Darsteller Hampelmänner vor dem Herren und der Ton mitunter so leise, dass man die Fernsehlautstärke bis zum Anschlag drehen musste. Violent Shit war hirnloser Mist ohne Inhalt, der seine Daseinsberechtigung bloss in seinem Splatter wiederfindet und heute unter nostalgischer Sicht recht durchschnittlich unterhält. Sofern man denn schlimmeres gewohnt ist.

Violent Shit 2 geht da schon bessere Wege, solche Wege, die ich mir nach Sicht des Erstlingswerks wünschte. Nämlich jene in vollkommen freiwillig komische Richtung, sodass das doch sehr überheblich böse Treiben unter anderem zur starken Belustigung wurde. Doch vorallem versteht man mal die Dialoge. 

Schnaas lässt es sich nicht nehmen in zwanzigminütiger Einführung von einem Journalisten zu reden, der sich dem Massaker aus Teil 1 hochjournalistisch annehmen möchte, sieht er in dem Fall aus den 70ern die grosse Story, vorallem weil seit kurzem wieder ein böser Killer auf den Feldern und Wäldern des Hamburger Vororts wieder Morde passieren. Rückblenden aus dem ersten Teil lassen uns rekapitulieren, zur Vorbereitung auf das kommende Desaster.

Der neue Killer ist dann kein Anderer als der Sohn von Karl, der abgeschottet mit seiner irren Mutter im Walde lebt. Schnaas nimmt dort nicht nur reichlich Backwoodfeeling mit rein, sondern verweist auch noch mitsamt seiner Inszenierung auf Splatterklassiker wie Muttertag und Blutgericht in Texas, stecken doch hinter fieser blutgeilen Mutterlein und degeneriertem Dummkopf alias Sohnemann der triebgesteuerte Schlachtwahnsinn. Die dumpfen Anweisungen der Mutter, diese Darstellung der hässlichen, alten Mutter, die freilich ein junges Weib mit Billigmaske ist, beweisen reichlich TROMA - Charme, sind diese mit Fäkalwörtern und Obszönität gespickten Dialoge derer ein reichlich guter Grund um darin, recht ironische Anschübe und Verweise auf die neue augenzwinkernde Inszenierung auszumachen.

Natürlich ist das immer noch unterirdischter Amateurmüll, hat aber insofern Klasse, da die beiden Charaktere so abgedreht asozial sind, dass es den anspruchslosen Zuschauer, reichlich auf Billigquark vorbereitet, mächtigst unterhalten wird. Von geistigem Dünnschiss umgeben und die Anfangsszene auf dem Feld in Erinnerung, wobei sich unter vollster Action Samurais das Ja-Wort zum Abschlachten geben, steht hoch hinaus auf dem Gipfel der nun maskierte Killer, bewaffnet mit Machete und in Tarnanzug. Was ein Bild, was Schnaas dort einfängt, katapultiert er seinen Protagonisten von einem Schwachmatenkiller zum boshaften Hühnen, der aber immer noch, natürlich mit fiesem pechschwarzen Unterton, gequierlte Scheisse labert. Seine Kommentare, verstärkt durch seine doch recht übertrieben böse Synchronstimme beweisen dabei schon Duke Nukem Charakter, was in Anbetracht der gewollt trashigen Ausrichtung gar nicht mal verkehrt ist.

Die Szene, als Karl junior, zurückkehrend zu Mutter, mit 4 campenden Teenies im Gepäck ist, beweist dort erheblich Charakter, stimmt man uns dort, in reichlich billiger Effektstudie auf das Kommende ein. Ein hirnloses Fest voller Kunstblut und Gedärm. Da werden zum Festmahl, das hat dann schon 2000 Maniacs Charakter, die Opfer angebunden und gequält. Das beste Stück entnommen, die Vagina zugetackert und diverse Gliedmaßen zerstückelt.

Natürlich ist das fernab jeglicher Intelligenz, aber Schnaas Endprodukt ist genau das, was es sein will. Und das mag die Hauptsache für ihn, und den ohnehin so ausgerichteten Splatterfan sein, der so auch nichts anderes erwartet. Alle anderen, also jene, die Splatter ohnehin meiden und Amateurfilmen gar nichts abgewinnen können, vorallem weil sie den Sinn, den Funaspekt dahinter nicht verstehen, gar erst gar nicht probieren das Ganze differenzierter zu betrachten, für die wird Violent Shit 2, genau das sein, was der Titel propagiert. Ein filmisches Scheissprodukt voll mit abstossender Gewalt.

Fazit:
Eine absolute Steigerung ist Violent Shit 2 durchaus, stimmt hier nämlich der Ton und das Ganze hat, auch mit minimalistischen Charakter den notwenidgen augenzwinkernden Charme. Karl Junior mit seiner Maske und seinen dämlichen Kommentaren gibt dabei ein grandioses Bild ab, sofern man denn Fäkalhumor und Assisprüche mag und auch aus goriger Sicht, ist das hier ein Freudenfest. Da darf man auch mal bei der nicht ganz so qualitativ guten Umsetzung ein Auge zudrücken. Klassenziel erreicht, ne Steigerung ist aber dennoch möglich, muss sich Violent Shit 2 mit den deutlich besseren Knochenwald - Splattern messen.

74%

Atmosphäre: 12%
Schmunzelfaktor: 67%
Gore: 87%

Vergleiche:
Knochenwald Trilogie
Violent Shit

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