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Menschenfeind (1998)

Eine Kritik von Mr. Hankey (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 02.05.2004, seitdem 948 Mal gelesen


Gaspar Noé war in Deutschland, selbst bei Cineasten, eigentlich kaum bekannt, bis sein Film "Irreversibel" die Runde machte. Skandalös und trotzdem genial zeigte er, mit provozierenden Szenen, wozu ein Mensch, im Rausch der Gefühle, alles fähig sein konnte und das die Zeit eigentlich alles zerstört und ein einmal gemachter Fehler nie wieder gut gemacht werden kann. Zudem erzählte er die Geschichte rückwärts, was den Streifen noch eindringlicher macht! Von seinem Spielfilm-Debüt "Menschenfeind" hatte man, bis zur dt. DVD-VÖ, aber kaum etwas gehört. Dabei ist "Menschenfeind" aber mindestens genauso intensiv, fesselnd und angsteinflößend, wie "Irreversibel"!

In "Menschenfeind" erzählt uns Noe die Geschichte eines Mannes, der wirklich alles verloren hat. Langsam, aber sicher, steigert sich dabei sein Hass, auf alles und jedem um ihn herum. Eine tickende Zeitbombe, die jederzeit hoch gehen kann! Ein Schicksal das wohl wirklich jeden treffen könnte, auch wenn man es nie glauben möchte!

Noé erzählt seine Geschichte dabei hauptsächlich mit den eindringlichen Gedankengängen (in Form von Monologen), die der Metzger nach und nach hat. Hauptsächlich sieht man den trostlosen Mann, der zu allem bereit ist, von einem Ort zum Anderen laufen, wobei sich seine Wut und sein Hass immer weiter steigert, immer obszöner und gefährlicher wird, um am Ende zu explodieren!

Natürlich "vergisst" es Noé bei nicht, den Zuschauer zu provozieren und damit auf die kritischen Zustände in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Dabei schreckt er vor einer HC-Szene, einer drastischen, intensiven Gewaltszene und sogar vor Inzucht nicht zurück. Im Vergleich zu "Irreversibel" mögen diese Szenen zwar noch "harmlos" wirken, doch was die psychische Gewalt angeht, so wirken auch diese Szenen unglaublich hart und verstörend! Das geht sogar so weit, dass Noe vor dem Finale seinem Publikum 30 Sekunden Zeit gibt, den Kinosaal noch zu verlassen, bevor er seinen Film zum Ende bringt!

Über das Ende allerdings mag man heftig diskutieren können. Für einige hätte man den Schluss wohl ruhig etwas eher setzen können, ich persönlich finde das Ende aber, so wie es ist, sehr gut gesetzt und nicht minder deprimierend oder psychisch brutal, als wenn man schon 5 Minuten eher abgebrochen hätte! Aber das ist sicher Ansichtssache!

Ein dickes Lob sei an dieser Stelle noch dem Hauptdarsteller Philippe Nahon ausgesprochen. Selten habe ich ein so intensives, glaubwürdiges und verstörendes Schauspiel einer zerstörten Seele gesehen, wie hier! Wirklich großartig und perfekt wie es Nahon schafft seinen Charakter dem Publikum rüber zu bringen!

Fazit: Harter Tobak! Auch Noes Erstlingswerk ist in höchsten Maßen anspruchsvoll und dabei verstörend, deprimierend und unglaublich hart zugleich. Eine traurige, intensive Geschichte, einer geschundenen, verlorenen Gestalt, die wohl wirklich jedem passieren könnte, auch wenn man es nicht glauben mag und zu Gott betet, dass man niemals so tief sinkt! Packend, provozierend und wirklich unglaublich gut in Szene gesetzt! Noé ist ein Genie!

Wertung: 9/10


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