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Scarface (1983)

Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 06.01.2012, seitdem 159 Mal gelesen


Das Original aus dem Jahr 1932 beschäftigte sich ursprünglich mit dem Aufstieg des Gangsters Al Capone. Brian DePalma (Die Verdammten des Krieges, Mission: Impossible) widmet sein Remake auch den beiden damaligen Drehbuchautoren Ben Hecht und Howard Hawkes, am Ende des Films ist eine Einblendung zu sehen. Das Screenplay zu seinem Gangsterfilm "Scarface" verfasste Oliver Stone und läutete damit eine völlig neue Ära des Gangsterfilms ein. Eine Klasse für sich ist der Score von Giorgio Moroder, welcher auch für den Golden Globe Award nominiert wurde. Und überhaupt tanzte "Scarface" völlig aus der Reihe, auch was die exotischen Schauplätze betrifft. Der Großteil des Films spielt sich im sonnigen Miami ab, die Bilder sind bunt, das Design teilweise poppig, ein krasser Unterschied zu den sonstigen Noir-Gangsterfilmen. Wenn man bedenkt, dass DePalma diesen überlangen Film mit nur 25 Millionen Dollar realisierte, selbst für damalige Verhältnisse kein übermäßiges Budget, was man "Scarface" in keiner Szene ansieht. Schließlich wurde dieser damals revolutionäre Gangsterfilm zum Aushängeschild in DePalma Karriere als Regisseur.

Mai 1980: Fidel Castro öffnet den Hafen von Mariel in Kuba und lässt neben zahlreichen Zivilisten auch Sträflinge in die Vereinigten Staaten verschiffen. Darunter ist auch Antonio "Tony" Montana (Al Pacino) nebst seinem besten Kumpel Manny Ribera (Steven Bauer). Durch einen Auftragsmord gelangen sie an eine Green Card und mit Hilfe des Verbrechers Frank Lopez (Robert Loggia) geht es für Tony steil nach oben. Besonders die Geschäfte mit dem Drogenlord Alejandro Sosa (Paul Shenar) sind für Tonys Karriere als Gangsterboss ausschlaggebend. Doch genauso schnell wie man aufsteigt, kann man auch fallen, denn Tony beginnt sich zu verändern und bald kostet seine Paranoia nicht nur das Leben von Manny.
Beeindruckend wie es DePalma gelingt trotz einer Lauflänger von 163 Minuten den flüssigen Erzählstil zu wahren. Dabei ist die Geschichte um Tony Montana nicht mal sonderlich originell. Der amerikanische Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär, leider geht Tonys Karriere zunehmend in die falsche Richtung. Interessant sind auch die zahlreichen Nebenfiguren, wie Frank Lopez der Tonys Aufstieg erst möglich macht, der korrupte Polizeichef Mal Bernstein (Harris Yulin), oder die koksende Elvira Hancock (Michelle Pfeiffer), die Tony später zur Frau nimmt. Daneben versucht sich Tony mit seiner Mutter (Miriam Colon) zu versöhnen und seiner kleinen Schwester Gina (Mary Elizabeth Mastrantonio) das Leben mit Hilfe von Geld zu erleichtern.

Doch wie das Leben nun mal spielt, ist Geld eben nicht alles und führt den Menschen in Versuchung. Man kann davon nicht genug haben und schließlich verändert es den Menschen. DePalma schildert eindrucksvoll wie Tony immer paranoider, aggressiver und unsympathischer wird. Jegliche Hindernisse werden kompromisslos aus dem Weg geräumt, etwas verwunderlich ist da Tonys Rücksicht beim Attentat wo die Kinder zugegen sind. Besonders tragisch wird es im letzten Drittel, denn nicht nur Tony steht bald vor dem Abgrund, sondern auch Gina, Elvira und Manny. Der berüchtigte Showdown mit einem berstenden und brutalen Shootout bleibt einem noch lange im Gedächtnis, ansonsten hat "Scarface" eher wenig Waffengebrauch zu verbuchen. Ein paar Morde und der Anschlag auf Tony im Restaurant, alles mehr kleine Intermezzos, die jedoch vor Brutalität nur so strotzen. Hier sei auch ganz besonders die Szene mit der Kettensäge und den kolumbianischen Dealern erwähnt. Um kleine Längen kommt DePalma nicht herum, manchmal ist "Scraface" etwas geschwätzig und man muss sich an den hohen Gehalt von Schimpfworten gewöhnen. Besonders Tony flucht und beleidigt was das Zeug hält.
Dabei liefert Al Pacino (Heat, Insomnia) eine beeindruckende One Man Show, alle anderen Darsteller verblassen regelrecht hinter seinem intensiven und teilweise furchteinflößenden Schauspiel. Doch auch der restliche Cast, bestehend aus Steven Bauer (Bestie Krieg, Mein Bruder Kain), Michelle Pfeiffer (Batmans Rückkehr, Dangerous Minds), Mary Elizabeth Mastrantonio (Abyss, Robin Hood), Robert Loggia (Bloody Marie, Das Ritual) und F. Murray Abraham (Amadeus, Der Name der Rose) machen einen großartigen Job.

Leicht überlanges Portrait einer vielversprechenden Karriere als Gangster, die ein tragisches Ende nimmt. "Scarface" ist kein absolutes Meisterwerk, wird jedoch zurecht als Revolution des Gangsterfilms gefeiert. Tolle Bilder, brillante Musikuntermalung und großartige Darsteller verfeinern dieses brutale Gangsterdrama.


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