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Deutschland. Ein Sommermärchen (2006)

Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 06.10.2006, seitdem 508 Mal gelesen


Die Fußball WM, das Sportereignis 2006. Ich denke wir waren alle an der Klotze geklebt und sogar einige Fußballhasser haben zugeschaut. Auch ich gebe hier gleich zu Beginn zu: Ich bin kein Fußballfan. Ich schaue ausschließlich deutsche Länderspiele, wenn, doch ich habe noch nie eine Fußball WM so gebannt geschaut, wie diese. Ich habe wirklich alle Spiele geschaut und es war spannend und emotional, mitgefiebert hab ich sogar auch und jedes Mal gejubelt, wenn die Deutschen ein Tor geschossen haben.
Überhaupt scheint der Sport in 2006 ziemlich seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Die Formel 1 war noch nie spannender und actionreicher als im Moment, die Tour de France war abwechslungsreich, weil mal nicht Armstrong gewonnen hat und auch in der Leichtatlethik gab es einige Überraschungen.
Doch wir einigen uns darauf, die WM 2006 war das größte Ereignis der letzten vier Jahre. Vor allem weil es ein Heimspiel war, unser Heimspiel.

Alle haben am Anfang über Klinsi gelestert, allen voran Franz Beckenbauer. Niemand hätte auch nur zu träumen gewagt, dass unser Trainer so eine Mannschaft auf die Beine stellt. Auch haben die Meisten der Mannschaft selber nichts zugetraut. Viele haben gesagt:" Ach, die scheiden eh gleich aus ".
Sie wurden zwar nicht Weltmeister, aber der dritte Platz ist auch eine klasse Leistung und sie rissen eine ganze Nation mit und Regisseur Sönke Wortmann ( Das Wunder von Bern ) folgte ihnen auf Schritt und Tritt. Natürlich hatte er vorher einen riesen Kampf mit der FIFA, welche davon am Anfang nicht so begeistert waren, doch das änderte sich sehr schnell. Er redete am Anfang mit jedem einzelnen Spieler und sagte zu jedem:" Wenn du zu mir sagst ich muss die Kamera ausmachen, dann tue ich das ohne zu zögern ". Es gab auch einige Spieler welche das nicht so gern hatten und diese sind deshalb auch ganz selten im Bild. Sönke hat hier schon Wort gehalten.

Vor allem die junge Generation äußert sich hier gerne, wie Lahm, Schweini oder Podolski. Diese sind am meisten im Bild und reden auch an meisten. Sie hatten sichtlich Spass an Sönkes Kamera. Aber manche Spieler sind auch fast gar nicht zu sehen, zum Beispiel Bernd Schneider. Aber ansonsten gibt fast jeder irgendein Interview. Und es wird keiner ausgelassen. Sönke bittet hier jeden zu Wort, egal ob wichtig oder unwichtiger. Jeder Arbeiter war in der WM wichtig und so kommen Manschaftsärzte, Masseure und der Busfahrer zu Wort.
Netürlich hat auch Klinsmann einige wirklich große Auftritte, seine Motivationsreden vor dem Spiel sind schon der Hammer. Man sieht, dass er richtig mitlebt und auch richtig viel mit seinem Co Trainer Joachim Löw zusammengearbeitet hat.

Auch das Training der Mannschaft, bekommt man mal hautnah mit, obwohl ich mir hier etwas mehr gewünscht hätte, es wird immer sehr kurz gehalten, aber ich denke das ist geheimsache. Auch der Fun darf hier nicht zu kurz kommen. Die Mannschaft geht zusammen Bogenschießen, unternimmt öfter mal was, essen immer zusammen, Geburtstage der Spieler ( hier Arne Friedrich ) werden gefeiert. Man hat Spass zusammen und harmoniert zusammen sehr gut.
Vor allem toll fand ich die Äußerung unserer beiden Torhüter Olli Kahn und Jens Lehmann. Die beiden können sich ja überhaupt nicht riechen und Lehmann sagt, dass er Kahn stets aus dem Weg geht und sie fast gar nichts miteinander reden. Nur wenn es darauf ankommt, so wie beim Elfmeterschießen gegen Argentinien und Kahn zu Lehmann geht und im Glück wünscht und ihn aufbaut und Tipps gibt, da redet man miteinander, ansonsten herrscht Funkstille.
Aber der Rest der Mannschaft scheint sich super zu vertragen, vor allem das Junggemüse.

Auch Ballacks Figur bekommt hier interessante Züge. Klinsi nennt Ballack immer Capitano und Ballack scheint der Einzige zu sein, der Klinsi wiederspricht, man bekommt es hier einmal bei der Taktik mit, da scheint Ballack mit etwas nicht einverstanden zu sein. Leider ist Sönkes Kamera nicht lang dabei. Schade.
Dies ist auch der ziemlich einzige Kritikpunkt. Es gibt kaum Konflikte zu bewundern, die müssen sich doch mal in den Harren gehabt haben, oder sonstiges. Und auch die Massenprügelei nach dem Deutschland gegen Argentinien gewonnen hat wird nur am Rande erwähnt. man sieht ein paar Bilder, Frings, der angeblich mitgeprügelt hat, gibt einen kurzen Kommentar dazu und mehr nicht. Ich hätte mir hier mehr gewünscht, das Ganze hätte man präziser erläutern müssen. Die Meisten werden eh sagen, dass hier nur der Fußball und die Mannschaft hochgeprießen wird und nur die schönen Seiten gezeigt werden. Manchmal bekommt man wirklich dieses Gefühl, gott sei dank nur manchmal.

Sönke präsentiert die besten Szenen, Tore, Stürze, gute Spielzüge und Emotionen, das Ganze wird perfekt von einer rasanten Klaviermusik untermalt, wirklich klasse anzusehen. Natürlich gibt es vor jedem Spiel Klinsis Motivationsrede und der Gang der Mannschaft nach draußen. Manche Spieler ärgern sich darüber, dass sie da unten gute 5 Minuten stehen müssen, bis sie rauslaufen dürfen und dann müssen sie für die Nationalhymnen noch mal gute 5 Minuten stehen. Sie wollen dass das Spiel beginnt und sind einfach heiß darauf zu spielen. Nach dem Spiel wird die Stimmung in der Kabine gezeigt, welche immer klasse ist, außer nach dem Italien Spiel. Ansonsten wird gejubelt, sich umarmt, Witze gerissen.

Witze, das ist auch noch ein Punkt, den ich toll finde, denn es gibt wirklich einige sehr amüsante Sachen zu sehen. Vor allem Oliver Neuville bei der Dopingkontrolle. Dort soll er in einen Becher pinkeln, kann aber nicht weil jemand nebendransteht. Da muss ja immer einer von der Dopingkontrolle mit rein. Aber bei Neuville kommt nichts raus, also lässt man die Tür einen Spalt weit offen und der Dopingkontrolleur kann hereinschauen und Sönkes Kamera natürlich auch.
Auch Sprüche gibt es am laufenden Band zu hören, man zieht sich aus Spass gegenseitig herunter und Schweini darf seinen Kollegen Poldi morgends mit Kamera aus dem Bett schmeißen.

Aber auch das feiernde Deutschland wird gezeigt. Die Bundeswehr und die Polizei stehen an der Straße und machen Laolawellen, überall warten jubelnde Fans, um sich auf ihre Idole zu stürzen. Überhaupt ist die Unterstützung durch uns normale Mitbürger einfach gigantisch. Und auch die Spieler sind begeistert darüber und zeigen dies hier sehr offen.
Man bekommt wirklich gigantische Bilder zu sehen und auch Sönke Wortmanns Kameraführung ist hier zu loben. Ich habe mich schon auf eine Wackelkamera erster Klasse eingestellt, dem ist aber nicht so. Ganz selten gibt es wacklende Bilder zu sehen, ansonsten perfekt. Sehr ruhige Kameraführung, gute kontrastreiche Bilder und immer nah am Geschehen. Nur die Lichtverhältnisse scheint die Kamera nicht ganz gebacken zu kriegen, wenn die Spieler vor dem Spiel aufs Feld laufen und unten aus der dunklen Kabine ins Sonnenlicht herauslaufen, da sieht man nur noch hell. Doch dies liegt rein an der Technik.

Fazit:
Ich bin kein Fußball Gucker, aber fand diese Dokumentation klasse. Tolle Bilder, so hat man die Mannschaft noch nie erlebt. Man bekommt teils einen sehr tiefen Einblick, obwohl ich mir in machen Punkten mehr erhofft habe, zum Beispiel gibt es kaum Konflikte. Aber ansonsten top, mein Tipp: Schaut es euch selber an, man muss es gesehen haben. Es ist wirklich verdammt schwer eine Kritik darüber zu verfassen.


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