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Flutsch und weg (2006)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 24.09.2009, seitdem 227 Mal gelesen


Im Hause Aardman hatte es übel gebrannt, PC-Animationsfilme sind mittlerweile ja der große Renner, also tat sich das Traditionsstudio für „Flushed Away“ mit der Animationsecke des Studios DreamWorks zusammen.
Hausratte Roddy St. James führt ein Traumleben im nicht nur sprichwörtlichen goldenen Käfig und wenn die Familie im Urlaub ist, dann wird kurzerhand die ganze Bude okkupiert, zu den Klängen von Billy Idols „Dancing with myself“ rumgetollt, wobei der Song hier klar ausdrückt, dass hinter dem ganzen Vergnügen eine Leere steckt. Aus der Kanalisation kommt Konkurrenz hoch, der Ratterich Spike, und als Roddy den Störenfried das Klo herunterspülen will, landet er selbst in der Kanalisation.
Dort ist er nicht bloß der „stranger in a strange land“, wie Iron Maiden es ausdrückten, sondern wird unabsichtlich auch noch in die finsteren Pläne einer schurkischen Kröte verstrickt. Einzig und allein die resolute Rattendame Rita erscheint da als Lichtblick...

Es ist schön zu sehen, dass man im Hause Aardman auch bei der PC-Animation dem klassischen Figurendesign treu blieb, also auch das hier versammelte Tierreich die Knollennasen und die ausgeprägten Zähne seiner Clay-Animation-Vorgänger vorzuweisen hat. Da mag manche Pixar-Kreation mehr Detailreichtum besitzen, die Felldarstellung bei der Konkurrenz aufwändiger sein, aber die Aardman-Figuren haben dafür einen ganz eigenen klassischen Charme, eine Seele, die auch durch die PC-Unterstützung nicht verloren geht.
Ebenfalls nicht verloren gegangen ist der Wille zum Zitat, denn „Flushed Away“ strotzt vor Anspielungen und popkuluturellen Referenzen. Da liest ein Käfer Kafkas „Die Verwandlung“, da ertönen Rock- und Popsongs wie das erwähnte „Dancing with myself“, da ist schon mal ein Wolverine-Outfit zu sehen. Die Mär vom Superschurken mit dämonischen Plan, eigenem Hauptquartier und bestens ausgerüsteten Goons ist natürlich ganz klar an James Bond angelehnt, was einem stets durch Szenen wie die Bootsverfolgungsjagd, die wie eine Miniaturvariante klassischer Bond-Action anmutet, in Erinnerung gerufen wird.

Leider erreicht „Flushed Away“ dabei nicht das Niveau von Referenzprodukten aus den Häusern Aardman und DreamWorks Animation. Den liebevollen, stillen Charme der „Wallace & Gromit“-Abenteuer besitzt er in seiner Hektik und Quirligkeit nicht, den bösartig-satirischen Witz der „Shrek“-Filme darf man ebenfalls nicht erwarten. Das ist wirklich schade, denn viele dieser Qualitäten sind im Ansatz zu erkennen, werden aber vor allem in der zweiten Hälfte zugunsten von animierter Action geopfert, die sicherlich nicht schlecht aussieht, aber wohl eher die jungen Zuschauer anspricht und die Erwachsenen enttäuscht zurücklässt.
Schade um die netten Gags, die Klischees ausspielen, aber auch auf die Schippe nehmen. Gerade die Auftritte des französischen Le Frog könnten kaum mehr Franzosenklischees beinhalten, sind in ihrer derben Art aber ausgesprochen amüsant. Auch die Zankereien zwischen Held und Heldin sind recht witzig, anfangs beinahe in klassischer Screwball-Marnier, wenn die verzogene Hausratte sich mit der emanzipierten Working Class Rattendame zofft. Witzig auch das Figuren-Panoptikum aus Ritas durchgeknallter Familie, doch zwischen all diesen gelungenen Gags sind immer wieder Durststrecken zu beklagen, in denen die Witze einfach nicht zünden.

Insofern bleibt unterm Strich ein netter, kleiner Animationsfilm, dem es aber ein wenig an satirischem Witz und Abwechslung mangelt, da sich „Flushed Away“ mit zunehmender Laufzeit immer mehr in Verfolgungsjagden erschöpft. Da hat der ein Jahr später entstandene Ratten-Animationsfilm „Ratatouille“ aus dem Hause Pixar klar die Nase vorn.


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