Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 17.07.2009, seitdem 103 Mal gelesen
Nach dem Tod Bruce Lees sproßen die Nachahmer aus dem Boden, „Enter the Game of Death“ kopierte sogar das Originalkonzept von „Game of Death“.
Der Titel ist bereits eine Mischung aus „Game of Death“ und „Enter the Dragon“, der Held des Films, Chang (Bruce Le), läuft die ganze Zeit im orangefarbenen Trainingsanzug Marke „Game of Death“ rum. Plotmäßig geht es um ein geheimes Dokument, von dem das Schicksal Chinas abhängt, hinter dem verschiedene Parteien her sind, darunter böse Japaner. Hört man da noch die Ideologie von „Fist of Fury“ trapsen?
Weiter geht die Handlung auch nicht, der Held wird in das Komplott verstrickt, aber an sich ist der Film nur eine Aneinanderreihung von Kloppereien. Beispiel gefällig? Chang rennt durch den Wald, Leute fordern ihn zur Kostprobe seines Könnens auf, darunter auch Bolo Yeung. Chang haut sie alle um, eine Rückblende zeigt den Grund des Grolls: Bei einem Turnier kloppt Bolo zig Gegner kaputt, danach haut Chang ihn zu Brei. Zurück in der Gegenwart bittet der Chinesen-Chef Chang um seine Hilfe, der lehnt in zwei Sätzen ab und muss sich dann mit den Helfern des Chinesen prügeln. So wenig Narration ist fast schon Avantgarde. Vergesst die Novelle Vague, hier ist „Enter the Game of Death“? Naja, nicht wirklich, es ist doch reichlich schwaches Drehbuchschreiben.
Bei diesem Minimum an Plot kommt es dabei auch zu unfreiwillig komischen Momenten, z.B. wenn der Held zwei Anstellungsangebote mit wenigen Sätzen abgelehnt hat und die chinesische Agentin ihm darauf einen davon erzählt, er stecke schon viel zu tief drin in der ganzen Sache. Auch dass die bösen Japaner ausgerechnet des Helden Schwester auf dem Gewissen haben, ist hoffnungslos konstruiert, ähnlich der Part, in dem sich der Held eine Pagode hoch kämpfen muss. Dies ist nur eingebaut, damit man hier das Originalkonzept „Game of Death“ inkorporieren kann.
Doch all diese dramaturgische Schwächbrüstigkeit hat immerhin den Vorteil, dass es so viele Gekloppe in wie sonst kaum einem Martial Arts Film gibt. Fast pausenlos gibt es auf die Moppe und die Kontrahenten beherrschen ihr Handwerk wirklich. Es gibt verschiedene Stile, der Held trifft unter anderem auf einen Wing Chun Experten, einen Nunchaku-Meister und einen Schlangenzähmer. Mit der Zeit läuft „Enter the Game of Death“ ein wenig Gefahr sich zu sehr zu wiederholen, doch die Choreographien sind so einfallsreich, dass dies nur äußerst selten passiert.
Schauspielerisch ist da wenig los, Bruce Le macht einen auf Bruce Lee und auch wenn er nicht dessen Charisma hat, so kann er doch einen gewissen Eindruck hinterlassen. Bolo Yeung ist sowieso eine sichere Bank und spielt den Bad Guy mal wieder überzeugend, in einer kleinen Rolle ist auch Steve James in jungen Jahren zu sehen.
„Enter the Game of Death“ ist an sich kompletter Blödsinn, das dünne Geschichtlein ist an sich nur da, um die zahllosen Kloppereien zu verbinden – aber er funktioniert trotzdem zu einem gewissen Grad. Zurücklehnen, Plot missachten und die Wemmserei begutachten, damit macht „Enter the Game of Death“ wesentlich mehr Spaß als Robert Clouse final cut von „Game of Death“.