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Spiel des Todes, Das (1978)

Eine Kritik von Dicker Jimbo (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 28.02.2010, seitdem 388 Mal gelesen


Als Bruce Lee unerwartet mit nur 32 Jahren starb und einen unvollendeten Film hinterließ, war das für chinesische Filmemacher und die Hongkonger Klatschpresse ein gefundenes Fressen. Lee hatte in Amerika jahrelang versucht sich als Kampfkünstler und Schauspieler zu profilieren, mußte aber erkennen, daß er als Chinese in Hollywood auf geschlossene Türen stieß. Wegen seiner Popularität in der US- Serie "The Green Hornet" wurden Studiobosse aus Hong Kong auf ihn aufmerksam und nach längerem hin und her unterschrieb er bei der neu gegründeten Firma Golden Harvest. Nach zwei Jahren und drei Filmen war Lee ein gefeierter Star, der Kassenrekorde in ganz Asien brach. Kaum war "The Way of the Dragon" ("Die Todeskralle schlägt wieder zu") abgedreht, stürzte er sich auf die Dreharbeiten zu "Game of Death". Der Film mit dem berühmten gelben Trainingsanzug und den Etagen, wo jede von einem Kämpfer überwacht wird, sollte nach Lee's Ansicht sein ambitioniertes und größtes Projekt werden. Kaum waren die Dreharbeiten im Gange, interessierten sich die Amis wieder für ihn und er unterschrieb einen Vertrag bei Warner Bros. Gerade wurde sein nächster Film "Enter the Dragon" ("Der Mann mit der Todeskralle") , der sein letzter werden sollte, fertig gestellt, stirbt Lee an einem Gehirnödem. Und erst nach seinem Tod erntet er den Ruhm, zudem er sich zu Lebzeiten gesehnt hat.


Fans und ehemalige Filmkollegen ärgern sich über seinen frühen Tod und versuchen das beste aus der Situation zu machen. Und da macht es KLICK bei skrupellosen Geschäftsmännern. Sie gründen eigene Produktionsfirmen und suchen nach Leuten, die dem echten Lee ähneln und dessen gestik und mimik kopieren. Bei den Kampfszenen gibt man sich kaum Mühe und die Storys dienen nur zur hirnlosen Kloppereien.
Und ob man es glaubt oder nicht. Diese schnell mal runtergekurbelten Streifen werden zum Teil erfolgreich. Zumindest im Ausland, nicht in Hong Kong. Ja, sogar in Deutschland waren die Bruce- Lee- Kopien in Schmuddelkinos und Videotheken in aller Munde. Selbst meinem Daddy wurde so ein Plagiat als echter Bruce Lee angedreht. Dabei handelte es sich um den drittklasssigen Klopper "Fists of Bruce Lee" ("Mit den Fäusten von Bruce Lee"). Darin spielte einer der aller ersten und berühmtesten Bruce- Lee- Imitatoren Ho Chung Tao AKA Bruce LI mit. Einer der ersten Versuche den Kinogängern "Game of Death" als komplett und vollendet zu verkaufen, war die taiwanische Billigproduktion "Goodbye, Bruce Lee", wo Ho Chung Tao sich in das gelbe Trainingsanzug zwängt.  Das interessante an diesem Flickwerk ist, daß der Turm aus sieben Etagen besteht. Also mehr als der echte Lee zu Lebzeiten gedreht hat. Bedauerlicherweise sind alle Gegner auf den Etagen Pappkameraden und Schießbudenfiguren. Dafür sorgt der von Alpha Bondy gesungene Song "KIng of Kung Fu" für gute Laune.


Inzwischen waren die Bruceplotiation- Filme nicht wegzudenken.
Selbst Golden Harvest schwamm auf der Erfolgswelle mit und kündigte 1977 an Lee's letzten Film "Game of Death" zu beenden.
Doch Bruce Lee's Originalkonzept wurde über Board geworfen und Golden- Harvest- Boss Raymond Chow wollte mit einer Riege von damaligen Hollywoodstars einen aufwendigen Actionfilm inszenieren. Das Ergebnis kennen ja mittlerweile viele.
Regisseur Robert Clouse wollte daraus so eine Art zweites "Enter the Dragon" machen. Es kamen Motorradstunts hinzu. Sammo Hung zeichnete sich für die Kampfregie verantwortlich. Und die Doubles, die Lee bei den fehlenden Szenen ersetzen sollten, waren einfach nur mies. Die Rechnung ging aber auf, denn die von Robert Clouse fertiggestellte Version gehörte 1978 zu den 10 erfolgreichsten Filmen in Hong Kong.


Nach kurzer Zeit kam dann ein weiterer Plagiat mit dem übertriebenen Titel "Enter the Game of Death" ("Das Spiel des Todes"), daß sich die 1978- Version als Vorbild nahm. Die Hauptrolle übernahm Huang Kin Lung AKA Bruce LE, der nach Ho Chung Tao einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreichte.
Seine Filme zeichneten sich nicht gerade von ausgefallener chorographie und professionalität aus. Heutzutage werden sie wegen ihrer primitiven Machart belächelt. Zuvor bei den Shaw Brothers unter Vertrag etabilierte er sich bis zu Ende der 70er zu so einer
 Art Ed Wood des Kung- Fu- Films. Was "Plan 9 from outer Space" der Trashfilm des Hollywoodkinos war, so war Bruce LE's "Clones of Bruce Lee" ("Seine Erben nehmen Rachen") der Trashfilm des Hong- Kong- Kinos. Hier teilte er sich mit anderes Bruce- Lee- Imitatoren die Hauptrolle. Gemeinsam treten sie gegen goldene Bronzenmänner an, deren Boss die Weltherrschaft an sich reißen will. Um seine Filme etwas aufzupeppen, griff er häufig zu Nackedei- Szenen. Und danach spielte er mit dem Gedanken seine eigene "Game of Death"- Interpretation zu entwickeln. Viele verwechseln "Enter the Game of Death" mit dem echten Bruce- Lee- Film, was eigentlich gut für das Geschäft ist. Obwohl es sich um ein weiteres Rip- Off handelt, hebt dieser sich von der Masse ab. Wenn man sich den Vorspann ansieht, fragt man sich, ob es sich hier um eine Komödie handelt. In übertriebener Bruce- Lee- Pose schaut LE vor einem roten Studio in die Kamera. Ziemlich eigenwillig und von sich überzeugt, zeigt er einige seiner Kung. Fu- Moves, während im Hintergrund ein James- Bond- Track läuft.


Nachdem Vorspann wird uns wieder einmal der übliche "Fist of Fury"- Plot erzählt: Japaner versetzen das chinesische Volk in Angst und Schrecken. Treffen sich zufällig mehrere Leute im Wald, wird dann direkt und ohne Grund gekämpft. Die Kämpfe sind teilweise gelungen, teilweise verschenkt. Selbst gegen einen Van Damme sehen die Kung- Fu- Skills unseren Helden blass aus. Es vergeht eine halbe Stunde, um LE davon zu überzeugen für das Vaterland zu kämpfen. Es handelt sich nämlich um ein Geheimdokument, daß man gegen die Invasionspläne der Japaner einsetzen will. Natürlich hat LE sein yellow Tracksuit angezogen und begibt sich zum Turm, um dieses Dokument vor den Japanern zu ergattern.Ich will jetzt nicht jeden Kampf auf jeder Etage erörtern, da daß den Rahmen sprengen würde.Bis auf den obersten Stock kämpft LE gegen einen fiesen Schlangenbeschwörer, einen Nunchakokämpfer und wer darf da natürlich nicht fehlen: Lee Hoi San, der in jedem zweiten Eastern mitwirkt. Auf dem Dach angekommen, kämpft er gegen einen dicken, bärtigen Kerl. Nachdem dieser erledigt wird, stellt LE fest, daß sich das Dokument gar nicht mehr oben befindet.
Super, die Story macht keinen Sinn mehr. Es ist über eine Filmstunde vergangen und alle kämpfen draussen weiter, Jetzt kommt nach Lee Hoi San unser zweiter Everbody's Darling: Bolo Yueng. An dieser Stelle kommt die langweiligste Kampfszene ever. LE und Bolo kämpfen nur bei einem Take und das in Zeitlupe. Bei dieser Szene schlafe ich fast ein. Als dieser Kampf auch vorbei ist, stellt sich ein schwarzer Karatekämpfer LE in den Weg. Bei jeder Besetzungsliste im Internet will man uns verklickern, daß es sich hier um Steve James aus "American Ninja" ("American Fighter") handelt. Weit gefehlt, aber dieser Typ hat mehr drauf als LE. Was folgt ist wieder eine lange Zeitlupensequenz ohne Schnitt. Danach wird noch der weiße Oberbösewicht zur Strecke gebracht und der Film ist zuende.


FAZIT:
Ob man es glaubt oder nicht. Bruceploitation hin und her, dieser Film rockt. Natürlich kann er mit dem wahren Meister nicht mithalten, aber bietet bestes Entertainment. Auch wenn dahinter Geldmacherei steckt, ist dieser Film ein weiteres Beweis dafür, wie Bruce Lee nach seinem Ableben die Welt veränderte. Er hat das Martial- Arts- Kino salonfähig gemacht. Und über "Enter the Game of Death" braucht man sich wirklich nicht zu ärgern.

8 von 10 Punkten


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