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In der Hitze der Nacht (1967)
Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 23.03.2009, seitdem 238 Mal gelesen
"In der Hitze der Nacht" war der Oscarabräumer der späten 60er Jahre. Das Thema war brandaktuell und man kann diesen Film eigentlich nicht als Krimi bezeichnen, sondern Regisseur Norman Jewison (Hurricane) konzentriert sich auf seine zwei Charaktere. Einmal Virgil Tibbs (Sidney Poiter) ein schwarzer Inspektor aus Philadelphia, zweitens Chief Bill Gillespie (Rod Steiger). Im kleinen Nest Sparta treffen die Beiden aufeinander. Eigentlich ist Virgil nur auf der Durchreise, doch während er am Bahnhof auf den Anschlusszug wartet, geschieht ein Mord in Sparta. Der reiche Geschäftsmann Colbert wird ermordet aufgefunden. Kurz darauf wird Virgil verhaftet, weil er schwarz ist. Doch Gillespie weiss die Dienste des Inspektors bald zu würdigen.
Der Mord ist nur Nebensache, doch die Geschichte ist nicht einfach gestrickt, der Täter ist also nur schwer zu erraten. Die darauffolgenden Ermittlungen fallen daher auch recht interessant aus. Das Mosaik setzt sich nur sehr langsam zusammen. Nebenbei hat Virgil mit seiner Hautfarbe zu kämpfen. Im verschlafenen Nest Sparta hegt man immer noch Groll gegen seine Rasse. So hat es bald eine Schlägerbande auf ihn abgesehen und nur wenige Leute sehen ihn als Menschen. Auch Gillespie fällt es sehr schwer. Zusätzlich hat Virgil noch einiges in der Birne und verdient sich in Philadelphia ein dickes Gehalt. Eigentlich ist Gillespie nur neidisch, setzt Virgil trotzdem auf den Fall an, der ihm recht schnell Details liefert.
Zwischendurch geigt man sich mal wieder die Meinung, Gillespie will Tibbs immer aus der Stadt schmeissen, doch Tibbs verbeisst sich immer mehr in den Fall. Tibbs und Gillespie werden zwar keine Freunde, doch sie beginnen sich zu respektieren.
Zu mäkeln habe ich an den Charakteren. Virgil ist nicht nur ein wenig arrogant, sondern auch zu klug, während Gillespie gerne einen Whiskey zuviel kippt, sehr gut beleibt ist und sich bei den Ermittlungen zu doof anstellt. Da man hier die Gleichberechtigung anprangert, sollte man sie auch ein wenig einhalten, trotzdem mutig vom gesamten Team, einen solchen Film in den brodelnden 60er Jahren zu inszenieren. Dies wurde mit fünf Oscars belohnt. Unter anderem kassierte Rod Steiger einen. Er und Sidney Poiter geben auch eine tolle Vorstellung. Bis in die kleinste Rolle, sind die Darsteller auf hohem Niveau.
Zwischendurch vergisst Jewison einen Gang hochzuschalten, doch der Hautfarbenkonflikt reicht zur Unterhaltung aus. Zudem hat Jewison die Kleinstadtatmosphäre bravurös eingefangen. Genau so schwül und staubig stellt man sich ein abgelegenes Örtchen in den 60er Jahren vor. Der instrumentale Score ist auch vom Feinsten, untermalt in jeder Szene bestens.
Es lässt sich trotzdem darüber streiten, ob dieser Krimi wirklich oscarwürdig ist. Die Darsteller sind es auf jeden Fall wert, doch die Story haut nicht wirklich vom Hocker. Viel mehr geht es um die Trennung der Hautfarben und "In der Hitze der Nacht" war der erste Film, der sich so offen und ehrlich mit der Thematik beschäftigte. Auch wenn er heute schon ein wenig angestaubt wirkt, ist er immer wieder sehenswert.
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