Ansicht eines Reviews

In der Hitze der Nacht (1967)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 13.03.2010, seitdem 244 Mal gelesen


„In der Hitze der Nacht“ war damals am Puls der Zeit, die Debatte über Rassismus und Rassentrennung in Amerika war im vollen Gange und die Protestbewegungen erstarkten, im Jahr nach dem Release des Films sollte der Streit mit der Ermordung Martin Luther Kings einen traurigen Höhepunkt erreichen.
Es geht um einen schwarzen und einen weißen Ermittler, Partner wider Willen, und doch ist „In der Hitze der Nacht“ mitnichten ein leichtes Buddy Movie, wie sie seit „Nur 48 Stunden“ immer wieder gern im Bereich des Polizeifilms gesehen sind. So werden die Partner einander nicht zugeteilt, stattdessen verhaftet die Polizei einer Kleinstadt den schwarzen Virgil Tibbs (Sidney Poitier) nach einem Mordfall, da er als Fremder und dazu Farbiger direkt verdächtig ist. Der Süden, die Kleinstadt – die Hochburg des amerikanischen Rassismus.
Sheriff Gillespie (Rod Steiger) darf bei der Durchsuchung Tibbs’ allerdings direkt dessen Ausweise anschauen – Tibbs arbeitet fürs FBI und war nur seine Mutter besuchen. Als Experte für Mordfälle schaut er sich den Fall an…

Wer jetzt einen klassischen Krimiplot erwartet, der dürfte sich wundern, denn der Mord ist eher ein MacGuffin, ein Stein des Anstoßes, aber tritt mit zunehmender Laufzeit in den Hintergrund. Sicher, die Auflösung macht Sinn, der Fall wird durch Ermittlungsarbeit gelöst, aber oft treten die Ermittlungen zugunsten der Figuren zurück, die meisten Fortschritte in dem Fall ereignen sich in den letzten zehn Minuten. Gewalt und Action sind von daher ebenfalls sekundär, wenngleich die kleine Verfolgungsjagd in der Filmmitte schon als Schauwert eingesetzt wird.
Doch zum Glück verkommt „In der Hitze der Nacht“ nicht zum reinen Politikum, allen Messages zum Trotz. Vielmehr erzählt Regisseur Norman Jewison von der Annäherung zweier verschiedener Persönlichkeiten und lässt auch Ambivalenzen zu. Anfangs mag Gillespie ja noch als polternder, uneinsichtiger Unsympath erscheinen, doch bald zeigen sich verschiedene Facetten der Figur: Seine Vorurteil begründen sich zum Teil ganz einfach darauf, dass er nichts anderes kennengelernt hat in seiner Kleinstadt, sein Wille den Fall schnell (wohlmöglich falsch) abzuschließen dient der Wahrung seines Rufs und das Machogehabe dient oft zur Sicherung der eigenen Position und zum Überspielen von Unsicherheit. Außerdem findet eine schrittweise Annäherung statt, die trotz einer gewissen Versöhnlichkeit nicht in plakativem Kitsch endet – zum Schluss ist der erste Schritt zur Annäherung getan, viele weitere müssen noch folgen.

Dass das Ganze so gut funktioniert, liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellern. Rod Steiger spielt die Rolle so, dass der Zuschauer nie genau weiß, ob er jetzt gerade Sympathie, Abneigung oder Mitleid für den etwas tumben, aber teilweise auch hinterhältigen Kleinstadtsheriff empfinden soll. Sidney Poitier hat da klar die simpler angelegte Rolle, verkörpert die innen liegende Wut des eigentlich so manierlichen Virgil aber ebenfalls ausgesprochen überzeugen, sein scharfes „They call me MISTER Tibbs“ war sogar als Fortsetzungstitel gut.
Ganz schwächenfrei ist das Drama allerdings nicht, denn trotz allen Mutes fehlt ein wenig die Schärfe, die z.B. ein „Mississippi Burning“ an den Tag legte (wobei dieser sich auch aufgrund des zeitlichen Abstandes wohl mehr trauen konnte). Zudem wiederholt sich die Geschichte nach einer Weile etwas: Immer wieder will Virgil weiterreisen bzw. Gillespie ihn loswerden, immer wieder werden sie zur Kooperation gezwungen. Und während Gillespie teilweise fast unfähig erscheint, wird Tibbs’ Brillanz etwas zu sehr gesteigert; nur selten gönnt man dem Superermittler Risse in der Fassade, z.B. wenn er den Chefrassisten des Ortes für den Schuldigen hält, weil dieser ihn nicht respektiert (was in einem brillant eingefangenen Ohrfeigenwechsel endet).

Insofern mag „In der Hitze der Nacht“ ein wichtiger, aber nicht ganz perfekter Film zum Thema Rassentrennung und Vorurteile sein. Doch trotz des eher sekundären Krimiplots und kleinerer Schwächen ist Jewisons Werk ein toll gespielter und durchdachter Mix aus Drama und Krimi, der die Annäherung zweier extrem unterschiedlicher Männer zeigt. 7,5 Punkte meinerseits.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "McClane" lesen? Oder ein anderes Review zu "In der Hitze der Nacht (1967)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von McClane

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

687 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Hereafter - Das Leben danach (2010)
Get the Gringo (2011)
Blade 2 (2002)
Shaolin - Warteliste des Todes (1979)
Letzte Haus links, Das (1972)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich