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Unbeugsame, Der (1967)
Eine Kritik von Intergalactic Ape-Man (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 04.04.2008, seitdem 398 Mal gelesen
Trotz seinem Status als Klassiker darf man Der Unbeugsame nicht als einfaches Knackidrama betrachten. Ende der Sechziger entstanden ist der Film voll und ganz ein Kind einer Zeit, die vom Wohlstand der 50er geprägt Gelegenheit zur Sinnsuche gab, im Schatten des Vietnamkrieges schließlich die Autorität in Frage stellte. Luke (Paul Newman) tritt hierbei zunächst als Randalierer auf, als er Parkuhren zerstörend von der Polizei gefaßt und für zwei Jahre ins Gefängnis gesteckt wird. Das Gefängnis selbst wird dem Zuschauer gar nicht so schlimm vorgestellt, denn die arbeitenden Jungs dürfen auf freundliches Nachfragen den Schweiß abtupfen und sogar Raucherpausen einlegen.
Als Luke dazustößt, sind es zunächst andere Neuankömmlinge, die wegen Regelverstößen büßen müssen. Er scheint also ein recht patenter Junge zu sein, der als Kriegsveteran zwar Auszeichnungen verdient hat, jedoch nicht wirklich etwas mit sich anzufangen weiß. Die anderen Insassen schließen Wetten auf ihn ab, ob er die Arbeit in der prallen Sonne durchsteht und er schafft es. Der etwas kitschige Auftritt einer vollbusigen Blondine, die bei der Arbeit am Straßenrand provokant ihren Wagen wäscht, sorgt jedoch für Zündstoff. Die Auseinandersetzung wird per Boxkampf geregelt und Luke ist deutlich unterlegen. Dennoch steht er immer wieder auf, bis zur Bewußtlosigkeit. Als er beim Kartenspiel ebenso mit Nichts den Pot in schwindelerregende Höhe treibt, hat er die Häftlinge auf seiner Seite.
Luke schafft es beim nächsten Arbeitstag zum Akkord zu animieren, freudig können die Häftlinge zwei Stunden früher Feierabend machen. Die aus Feixerei entstandene Wette, ob er 50 Eier in einer Stunde essen könnte, zieht er trotz Bedenken eines Kameraden mit den Worten durch, wenigstens schlage man die Zeit tot. Als Kontrast zu seiner nihilistischen Grundhaltung bleibt er als bildliches Fundament seiner Entwicklung vollgefressen in der Haltung eines Jesus' am Kreuz liegen. Seine Ikonizität wird im Übrigen noch dadurch unterstrichen, daß die Charaktere der Wärter und Häftlinge zwar in kleinen Details entwickelt werden, Hintergrundinformationen, ja sogar die Straftaten der Anderen keine Erwähnung finden.
Wie wenig Respekt Luke vor Gott hat, bringt er auf den Punkt, als alle ehrfürchtig vor dem Gewitter in die Wagen flüchten. Er bleibt stehen und schreit diesem ins Gesicht, daß er sein Leben jederzeit haben könne. Wie als Antwort ereilt Luke später die Nachricht, seine Mutter sei verstorben. Mit einer Träne im Augenwinkel stimmt er Plastic Jesus auf seinem Banjo an. Mit der Begründung der Prävention aber wird ihm kein Mitleid gegönnt, er wird einfach für die Zeit bis zum Begräbnis in Einzelhaft gesteckt. Interessant hierbei die kurze Hinterfragung, ob etwas nur deshalb schon richtig sein kann, weil ein Boss es so sagt. Passend zum Unabhängigkeitstag kommt Luke zurück in die Gemeinschaftszelle und gebeutelt von der Behandlung kann er einfach nicht anders als Ausbrechen. Seine Kameraden halten zu ihm.
Wie ein Mikrokosmos greift Der Unbeugsame die Rebellion in einer Welt auf, die einen jederzeit behandeln kann wie sie will. Das Individuum ist der Spielball des Systems, Zuwiderhandlungen werden bestraft. Wer nicht anders als ausbrechen kann, ist so lange der Held für die Angepassten, denen die Obrigkeit genausowenig schmeckt, die jedoch nicht wagen die Hand zu beißen, die sie füttert, bis auch er sich beugt, dann wird er fallen gelassen. Beugt er sich jedoch nicht, kann er als Einzelner nie alle Grenzen überwinden, er muß als Märtyrer enden. Der Konflikt ist klar, der Individualist ist zu ständigem Widerstand gezwungen, auch der Zusammenschluß als Gruppe zur Gegenwehr kommt nie in Frage.
Angefangen als Gefängnisfilm mit lustigen Momenten stellt dies Der Unbeugsame in einfachen, jedoch in ihrer Aussage gewaltigen Bildern dar. Die religiöse Seite in einer Zeit der spirituellen Offenheit und Ablehnung wird nie wirklich konkret festgelegt, so daß man das Schicksal Lukes vielseitig vom eigenen Standpunkt aus deuten kann. Jedoch bezeichnet Luke Gott als Boss, einem Rang den sich auch die Gefängnisaufseher abverlangen. Gott und die Autorität stehen für Luke also auf einer Stufe in einem System, in dem er für sich nie einen Platz gefunden hat.
Wie aktuell dieser Stoff ist, zeigt der Blick auf eine Jugend, die niemand braucht und die dank mangelnder Ausbildung und unsicheren Renten mit verkniffener Blick in die Zukunft sehen oder sich bereits zu einem Leben parallel zur Masse entschieden haben. Wie wir inzwischen wissen haben es ausserdem angepasste Ex-Steinewerfer sogar bis in den Bundestag geschafft. Ein Film wie Hass kann sich sicherlich besser einer modernen Jugendkultur widmen, dank seiner zeitlosen Gestaltung behandelt Der Unbeugsame die genannten Kernfragen jedoch auch heute noch hervorragend. Unterhaltsam ist er obendrein, ein echter Klassiker eben, mit einem grandiosen Paul Newman, den Gert-Günther Hoffmann übrigens vorzüglich in die deutsche Sprache portiert.
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