Die Meisten werden Ein seltsames Paar kennen, doch bereits ein Jahr zuvor wurde ein Bühnenstück von Neil Simon verfilmt, welches ebenso gegensätzliche Charaktere, hier in ehelicher Bindung, aufeinander prallen läßt. Anders als im hinter die Fassaden der Gesellschaft blickenden Die Reifeprüfung selben Entstehungsjahres zelebriert Barfuß im Park relativ bieder das Aufeinandertreffen des stocksteifen Anwaltes Paul Bratter (Robert Redford), der an zugeknöpfte Rollen eines James Stewart erinnert, mit der modernen, selbstbewußten, ihm nun angetrauten Frau Corie (Jane Fonda).
Bereits die mehrtägige Hochzeitsnacht in einem Hotel beginnt die Beziehung zu strapazieren. Paul flüchtet voller Vernunft vor der kess auf dem Flur ihre Beine präsentierenden Femme Fatale Richtung Arbeitsleben und legt so den Grundstein für die Zweifel Cories, ob sie in dieser Beziehung glücklich werden wird, während den finalen Anstoß für ein Trennungsgespräch später Pauls Weigerung, barfuß durch den Park zu laufen, geben wird.
Was den Film schließlich von einer durchschnittlichen Blaupause für eine beliebige Romantic Comedy mit Happy End abhebt, sind die dynamisch gezeichneten Pointen innerhalb der bühnennah nur wenigen Schauplätze. Die durch Corie ausgewählte, kleine und marode Wohnung bietet Raum für leise Running Gags wie stetig atemlose Besucher, da das Gebäude keinen Fahrstuhl besitzt, oder die mysteriösen Nachbarn, vor deren Tür sich stets ein Stapel Konservendosen findet. Der skurrilste Mitbewohner jedoch ist sicherlich der exzentrische Victor Velasco (Charles Boyer), der nach einem Schloßwechsel nur noch durchs Schlafzimmerfenster der Bratters übers Dach Zugang zu seiner Behausung findet.
Flirtend findet dieser schnell Gemeinsamkeiten mit Corie, die Pauls Eifersucht jedoch wiederum unkonventionell zu dämpfen weiß. Bei einem gemeinsamen Essen verkuppelt sie einfach ihre Mutter (Mildred Natwick), die sich zunächst zierend bei dem alten Charmeur überraschend aufblüht.
Was heute stinknormal sein mag, wird in Barfuß im Park erstaunlich leichtfertig behandelt - immerhin entstand die Geschichte noch zu Beginn der 60er Jahre. Nur wenige konservative Charakterzüge behindern den modernen Umgang mit Beziehungen, anders als man es besonders in der so altbacken wirkenden Kulisse vermuten würde. Während man sich heute jedoch auch über eine leichtfertige Scheidung nicht mehr wundern würde, schafft es das junge Paar, sich auch selbsständig wieder zu finden. Dies wünscht man ihnen auch, erspielen sich Redford und Fonda doch als verliebtes Pärchen die Sympathien der Zuschauer.
Verfolgt man das aktuelle Filmangebot, scheint Barfuß im Park für den durchschnittlichen Zuschauer etwas zu überholt. Bringt dieser jedoch die nötige Empathie mit, darf er eine beschwingte Beziehungskomödie genießen, die - freilich oberflächig - mit Herz und Humor zu gefallen weiß.